Biografie von Arnold Krings
Arnold Krings
Geburtsdatum:
18.12.1898 in Camberg
Einweisung:
"Verlegt" 1941 nach Hadamar
Tod:
03.02.1941 Hadamar
Arnold Krings wurde am 18. Dezember 1898 in Camberg geboren. Seine Eltern waren die aus Camberg stammende Katharina Krings geb. Stumpf und Alban Krings. Die Eltern hatten im Jahr 1888 geheiratet; Arnold Krings war somit das erste Kind der Familie. Alban Krings übernahm die Kolonialwarenhandlung, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Frankfurter Straße (heute Nr. 8) von der Familie seiner Frau betrieben wurde. In der Patientenakte wird Arnold Krings eine normale Entwicklung im Kindesalter bescheinigt, auch in der Schule habe er „mittelmäßig gelernt“ und sei „nicht sitzen geblieben“. Scheinbar wurden bei Arnold Krings aber bereits im Jugendalter Auffälligkeiten im Verhalten festgestellt.
Nach dem Schulabschluss ging Arnold Krings nach Köln und begann eine Lehre als Kaufmannsgehilfe. Die Ausbildung wurde vorzeitig beendet, sein Vater musste ihn nach eigenen Angaben zurückholen da er sich der Wegnahme von Likör, Wurst und Chocolade schuldig gemacht hatte. Sein Vater wirkte darauf hin, dass juristische Konsequenzen wegen des Vorfalls unterblieben und beschäftigte Arnold Krings fortan im elterlichen Geschäft.
Im ersten Weltkrieg wurde Arnold Krings zum Militär eingezogen. Während dieser Zeit soll Arnold Krings in psychiatrischer Behandlung gewesen sein. Der Patientenakte sind Angaben zum Grund der Behandlung nicht zu entnehmen; demzufolge ist nicht mehr festzustellen, ob er womöglich durch Kriegshandlungen traumatisiert wurde.
Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war überaus angespannt, wiederholt kam es zu Übergriffen seitens des Sohnes, insbesondere unter Einfluss von Alkohol. Diesen entnahm Arnold Krings nach Angaben seines Vaters ohne Genehmigung aus dem elterlichen Ladengeschäft an sich.
Nach einem neuerlichen, diesmal ernsthaften Vorfall im September 1924 wurde der Maler Arnold Krings von Seiten der Camberger Polizeiverwaltung am 11. September 1924 in die Landesheil- und Pflegeanstalt auf dem Eichberg im Rheingau eingewiesen. Der in der Camberger Obertorstraße 11 praktizierende Arzt Dr. med. Goldschmidt unterstützt die Einweisung durch ein schriftliches Attest Ich bitte um Anstaltsaufnahme des Herrn Arnold Krings, der seit einiger Zeit an psych. Störungen leidet, und besonders in der letzten Zeit an Reizzuständen (nicht leserlich) das Leben der Eltern und seiner Umgebung bedroht. Über den Werdegang seines Erstgeborenen war Alban Krings sicherlich enttäuscht. Einmal schlug Arnold Krings den für ihn vorgesehenen Lebensweg nicht so ein, wie vorgesehen. Auch das offenkundige Scheitern des Sohnes vor den Augen der Camberger Öffentlichkeit dürfte für die Familie, die im öffentlichen und kulturellen Leben der Kurstadt eine nicht unbedeutende Rolle spielte, von Belang gewesen sein. Die Einweisung in die Anstalt auf dem Eichberg erfolgt aufgrund der Diagnose Dementia Praecox. Später wird bei Arnold Krings als Erkrankung Schizophrenie vermerkt.
Der Briefwechsel zwischen dem Vater Alban Krings, der Anstaltsleitung und dem Sohn Arnold ermöglichen tiefe Einblicke in die Entwicklung einer Erkrankung, bei der die Anstaltsunterbringung vermutlich den einzig gangbaren Weg darstellte.
Unmittelbar nach der Einweisung verfasst Arnold Krings am 24. September 1924 einen ausführlichen Brief an seine Eltern, in dem er bedauert "Daß ich Euch diesen Kummer bereiten muß" er stellt in Aussicht, dass er den Entschluss gefasst habe sich zu bessern u. zwar als ordentliches Glied einer christlichen Familie, meine Unarten vollends abzulegen, um vor Gott u. Euch zu bestehen u. nützlich zu bewähren. Ich werde also die erste Gelegenheit wahrnehmen, mich mit Gott, der Kirche und euch auszusöhnen; dazu Eure Verzeihung u. Segen zu erbitten.
In dem ausführlichen Brief wird deutlich, dass Arnold Krings andere Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft hatte, als seine Eltern; offenbar wollte er künstlerisch tätig sein, zumal auch sein Vater in einem Schreiben davon berichtet, dass Arnold eine Kunstakademie besucht habe. Er bittet seine Eltern um die Zusendung eines Ölgemäldes des zuletzt geschaffenen Fr. von Schütz´schen Anwesens sowie einer Zeichnung des Limburger Doms, die er vor kurzem noch angefertigt habe.
Während die Gedankenführung bei dem im Jahr 1924 verfassten Brief klar nachvollziehbar ist und Arnold Krings die Hoffnung äußert, nicht lange in der Anstalt verbleiben zu müssen: offen gesagt bin ich zu ehrgeizig, um hier lange auszuhalten
verdeutlicht ein an den Herrn Oberpfleger Herbert gerichtetes Schreiben, welches Arnold Krings im März 1926 verfasste, eine deutliche Veränderung in der Fähigkeit, einen stringenten Gedankengang schriftlich niederzulegen.
Der Vater Alban Krings schickt wiederholt, insbesondere in der Weihnachtszeit Briefe mit der Bitte um Auskunft über den geistigen und körperlichen Gesundheitszustand seines Sohnes an die Heilanstalt.
Die Schreiben sind in akkurater Handschrift verfasst und verdeutlichen das Bemühen, die notwendige Förmlichkeit gegenüber der Anstaltsleitung walten zu lassen.
Dennoch sind in den Briefen kaum Zeichen einer tatsächlichen emotionalen Anteilnahme zu finden. Für die Vermutung einer grundsätzlichen Entfremdung zwischen den Eltern und ihrem Sohn spricht auch die Tatsache, dass es keine Hinweise auf stattgefundene Besuche in der Akte gibt.
Bei der Lektüre der Einträge in die Krankenakte selbst ist es notwendig, die Jahreszahl der Vermerke in der Krankenakte zu berücksichtigen. Die Aktenführung bei Patientinnen und Patienten, die später Opfer der Aktion T4 wurden, ist zunehmend von der NS-Ideologie beeinflusst. Demzufolge ist im Hinblick auf die Einträge kritisches Gegenlesen vermeintlich objektiv erfasster Sachverhalte unbedingt erforderlich.
Im März des Jahres 1927 wird Arnold Krings durch den Direktor der Landesheil- und Pflegeanstalt auf dem Eichberg als voraussichtlich unheilbar eingestuft. Die Diagnose lautet Verblödungsirresein. Infolge dieser Diagnose wird die Überweisung in eine Pflegeanstalt notwendig.
Am 31. März 1927 wird Arnold Krings in die St. Josephsanstalt in Hadamar (Barmherzige Brüder von Montabaur) gebracht, wo er die nächsten zehn Jahre verbleibt. Die Akte wird in diesen Jahren regelmäßig geführt und zeichnet das Bild eines Patienten, der zunehmend in seiner eigenen Welt lebt. Er sei am Beginn des Aufenthaltes häufig sehr erregt, auch nachts laut, wird dann immer stumpfer und interesseloser, hat keine Wünsche mehr, läuft planlos im Saal umher, nur noch ganz selten einmal erregt und aggressiv, hat immer noch Größenideen, behauptet „Gott Arnold“ zu sein.
Schließlich erfolgt am 14. Mai 1937 eine weitere Verlegung auf Anordnung des Landeshauptmanns in die Landesheilanstalt Herborn. Als ursächlich wird angegeben, dass Arnold Krings seine Mitpatienten in der Hadamarer Einrichtung belästigt habe.
Mit dem Eintreffen in Herborn sind kaum mehr Einträge in der Krankenakte zu verzeichnen, in der zuvor regelmäßig und differenziert über den Gesundheitszustand des Patienten gemacht wurden.
Der vorletzte Eintrag vom 5. März 1938 berichtet, Patient schläft ohne Wache, beschäftigt sich etwas mit Hausarbeiten und spielt auch Karten, ist im allgemeinen ruhig und zufrieden, schreit nur manchmal plötzlich laut auf.
Am 30. August 1938: Geistig und körperlich gegenüber den früheren Eintragungen in keiner Weise verändert.
Erst am 28. Januar 1941 erfolgt der nächste, kaum leserliche Eintrag zum Befinden des Patienten, dessen vorgebliche Entlassung für den 3. Februar 1941 auf dem Deckel der Akte vermerkt wird. Arnold Krings wird am 3. Februar 1941 mit einem der Grauen Busse aus der Zwischenanstalt Herborn nach Hadamar verbracht. Aus der Anstalt Herborn werden an diesem Tag noch weitere 74 Patientinnen und Patienten nach Hadamar verlegt. Alle Opfer wurden zunächst fotografiert und anschließend einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, die tatsächlich nur dazu diente, eine glaubhafte Todesursache zu konstruieren, die später den Angehörigen mitgeteilt werden sollte. Die Opfer wurden anschließend in den als Duschraum getarnten Keller der Mordanstalt geführt und dort durch Kohlenmonoxydgas ermordet. Die Leichen der Opfer werden verbrannt. Den Angehörigen wurde eine gefälschte Todesursache mitgeteilt. Auch der Todesort sowie das Datum wurden gefälscht, um den Mord zu verschleiern und die Pflegekosten für weitere zwei Wochen vereinnahmen zu können. Den Angehörigen wurde die Nachricht über den Tod von Arnold Krings aus Hartheim/Linz mitgeteilt, wo sich das Opfer niemals aufgehalten hat. Der Aktentausch zwischen den Mordanstalten war eine der Methoden der Verschleierung der wahren Todesumstände, die von Seiten der Täter insbesondere im näheren Umfeld von T4-Moranstalten praktiziert wurden. Die gefälschten Todesurkunden müssen von Angehörigen bis heute hingenommen werden.
Recherche und Text: Martina Hartmann-Menz
Quellen:
Patientenakte Franz Aloys Arnold Krings BA Berlin R 179/24173
Zaft, Matthias. Der erzählte Zögling. Narrative in den Akten der deutschen Fürsorgeerziehung (2012).
Stand: Januar 2015
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Quellen & Impressum
Initiativgruppe "Stolpersteine in Bad Camberg"
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Herausgeber: Stadt Bad Camberg, Arbeitsgruppe „Stolpersteine“