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Familie Fränkel

Biografie von Julius und Pauline Fränkel

Familie Fränkel, eine normale Familiengeschichte, denkt man im ersten Moment, aber hinter diesen Namen steckt eine lange und vor allem grausame Geschichte. Denn die Fränkels waren Juden und damit war ein leidvoller Weg vorgezeichnet.
Die Familie Fränkel wohnte schon um 1899 in Barnstorf. In diesem Jahr am 17.9.1899 starb Simon Fränkel in Barnstorf. Seine Frau Jette starb 6 Monate vor ihm am 29.31899, ebenfalls in Barnstorf. Simon und Jette heirateten vor 1854, das genaue Datum und Jahr sind leider nicht bekannt. Die Kinder des Ehepaares, Julius und Adolf, geboren um 1853 und am 17.7.1856 lebten weiterhin in Barnstorf. Adolf Fränkel heiratete am 13.1.1885 Johanne Goldschmidt, die aus Cornau stammte. Sie lebten nach dem Tod ihrer Eltern weiterhin in der Bahnhofstraße. Am 12.5.1887 wurde ihre älteste Tochter Frieda geboren. Am 21.10.1885 wurde dann der erste Sohn von Adolf und Johanne, Julius geboren. Seine Schwester Pauline wurde am 16.12.1889 geboren. Hugo Fränkel war der jüngste der Geschwister, er wurde am 10.5.1895 in Barnstorf geboren. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg für Deutschland und wurde am 21.3.1918, nach dem Sturm auf Noyon als vermisst gemeldet, später dann für Tod erklärt. Er wurde 23 Jahre alt.
1930 starb dann Adolf Fränkel im Alter von 74 Jahren. Zwei Jahre später starb seine Frau Johanne in ihrem Haus in der Bahnhofstrasse. Die Kreiszeitung berichtete über die Beerdigung von Johanne am 17.Juli 1932. Sie galt als wohltätig und war in Barnstorf beliebt, weshalb auf ihrem Grab viele Kränze lagen und viele Menschen zu der Beerdigung kamen.

Frieda Fränkel zog nach Hamburg, wo sie Rudolf Kynast heiratete. Rudolf Kynast wurde am 03.07.1887 in Schönlinde geboren. Er war Schumacher und vermutlich nicht jüdisch. Man vermutet, dass Frieda deshalb in der ersten Zeit der Judenverfolgung Ehepartnerschutz genoss. Gestorben ist Frieda am 17.10.1943 in Hamburg. Ob es Nachfahren gibt ist nicht bekannt.doch es gibt Nachfahren. Bitte noch aufführen!! Frage Ariane, wenn du das nicht genau mitgekriegt hast.
Pauline und Julius wohnten nach dem Tod ihrer Eltern und dem Wegzug von Frieda weiter in dem Haus in der Bahnhofstrasse. Seit der Machtergreifung von Adolf Hitler im Jahre 1933 hatten die Geschwister immer mehr Probleme wegen der Verfolgung der Juden in Deutschland. Auch in Barnstorf sparten einige Mitbürger nicht mit Gemeinheiten, wie beispielsweise mit Beleidigungen wie „Judensau“.
Als am 15. September 1935 die Nürnberger Rassengesetze beschlossen wurden, litten alle jüdischen Familien darunter, auch in Barnstorf. Die Familie Fränkel, die als „ehrlichste“ der jüdischen Familien in Barnstorf galt, litt sehr unter dem plötzlich verbotenen Kontakt zu „Deutschen“. Fast alle Mitglieder der Familie Fränkel waren Händler oder Schlachter. Sie waren also darauf angewiesen, dass Menschen bei ihnen einkauften und mit ihnen Handel trieben. Durch das Verbot durften allerdings keine „deutschen“ Menschen mehr bei ihnen einkaufen oder zu ihnen Kontakt haben. So litt die Familie auch finanziell unter den Gesetzen.
Juden hatten allgemein einen sehr guten Ruf als Händler. So sollte es heutzutage keine Beleidigung sein, wenn jemand sagt „du handelst wie ein Jude“, sondern eher ein Lob. Das plötzliche Verbot des Handels mit Juden machte vielen Barnstorfer Bürgern Angst. Manche von ihnen hatten zuvor mit Julius oder Pauline Fränkel, die Viehhändler waren, gehandelt, und wussten nicht, wie sie mit dem Verbot nun umgehen sollten. Andere Bürger waren mit ihnen befreundet und durften plötzlich nicht mehr mit ihnen sprechen. Schüler wurden von den Lehrern aufgefordert, die Familie zu verspotten und zu verfolgen.
Als Pauline Fränkel erkrankt war, durfte sie vom keinem „deutschen“ Arzt behandelt werden. Dr. Paetzmann, um die Zeit Barnstorfer Arzt, wurde gebeten, trotzdem zu einem Krankenbesuch zu kommen. Er ging spät abends bei Dunkelheit zu den Fränkels, damit er nicht gesehen wurde und weder ihm noch der Familie Fränkel Repressalien ins Haus stehen konnten.
Am 10.11.1938, in der Reichspogromnacht, wurden Julius und Pauline Fränkel aus ihrem Haus getrieben und ins Spritzenhaus gesperrt. In den nächsten Tagen wurden die beiden von der Familie Wesermann aufgenommen. Diese wohnten in der Bahnhofstrasse 12. Danach mussten Julius und Pauline Fränkel nach Bremen ziehen. Hier wohnten sie in der Löningstraße 3/III, von wo aus sie um 1942 nach Minsk ins Konzentrationslager deportiert wurden. Beide überlebten nicht. Sie starben am 28.07.1942 in Minsk.
Wenige Tage nach der Reichspogromnacht steckte ein Junge das Haus der Familie Fränkel an. Dieser Junge wurde vermutlich von seinem Lehrer angestiftet. 1939 wurde durch eine polizeiliche Verfügung das abgebrannte Haus zum Abbruch verkauft. Die Gemeinde erwarb das Grundstück zu einem ,,Spottpreis“. Als nach Kriegsende die Erwerber von zwangsversteigerten Grundstücken den Schaden auf Grund des Bundesentschädigungsgesetz (BEG) ausgleichen mussten, wurde das Grundstück für 3500 DM verkauft.
Heute nutzt das ehemalige Grundstück der Familie Fränkel der Laden „Die kleine Markthalle“. Am 10.9.2009 wurden für Julius und Pauline Fränkel „Stolpersteine“ verlegt. Sie sollen uns stellvertretend daran erinnern, was für ein Leid Julius und Pauline Fränkel sowie alle anderen Juden ertragen mussten und mahnen, dass so etwas nicht wieder passieren kann. Wir sollen nicht nur so durch das Leben stolpern sondern Zivilcourage zeigen und Unrecht nicht einfach hinnehmen.
Am 2.November 2009 wurden die Stolpersteine mutwillig zerstört. Der Täter benutzte vermutlich ein spitzes, hartes Werkzeug, womit er die Oberfläche beider Steine zerstörte. Die Verwaltung der Gemeinde hat angekündigt die Steine so bald wie möglich zu ersetzen. Trotzdem bleibt der Grund für die Tat fraglich. Vielleicht handelt es sich um eine politisch motivierte oder um eine im Vorfeld des Gedenktages der Reichspogromnacht verübte Tat, denn dieser Tag jährt sich am 9.November.
Kristina Kruse
Quellen: Heimatblätter Barnstorf, Volltextdatei „Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen“ im Internet, Archiv Hannover Auskunft vom 16.09.2009, Geschichte jüdischer Gemeinden im Landkreis Diepholz von Falk Liebezeit, Jüdisches Museum Berlin Auskunft vom 02.09.2009, www.wikipedia.de (Nürnberger Gesetze), Zeitzeugin Hildegard Pech und Wilma Striebeck, „Von Damen und Dienstmädchen-Frauenschicksale aus 5 Jahrhunderten zwischen Diepholz und Sulingen“ von Wilfried Gerke, Kreiszeitung vom 17.Juli 1932 und vom 12.Juli 1932.. Zeitungsartikel „Stolpersteine mutwillig zerstört“ vom 3.November 2009 Kreiszeitung Diepholz, Staatsarchiv Hamburg, 332-8 Fotoarchiv, K2411 und K 2407, Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Kultur, Sport und Medien Staatsarchiv Hamburg Kattunbleiche 19 22041 Hamburg

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