Biografie von Harri Arnold, Olaf Eder und 4 weitere
Bernhard-Göring-Str. 152 (Haus der Demokratie)
Harry Arnold, Olaf und Wolfram Eder, Robert Hutterer, Martin Nagel, Harry Zanger
Zur wechselvollen Geschichte des Gebäudes "Haus der Demokratie Leipzig" gehört auch, dass von hier aus Kinder in die "Euthanasie"-Anstalten der Nationalsozialisten gebracht wurden. Das 1901 als Waisenhaus errichtete Gebäude in der damaligen Elisenstraße 152 war von 1935 bis zu seiner teilweisen Zerstörung 1943 ein städtisches Kinderheim.
Nach bisherigen Recherchen wurden sechs der durch das Jugendamt Leipzig in Obhut genommenen Kinder den "Euthanasie"-Verbrechen in sächsischen "Heil- und Pflegeanstalten" ausgeliefert:
Harri Arnold
geboren am 13. Februar 1928 in Leipzig-Gohlis
Er litt als Kind an epileptischen Anfällen mit unklarer Ursache. Vom 30. April 1940 bis 12. März 1942 war er im anthroposophischen Kinderheim Haus Spitzner in Pirna-Bonnewitz.
Nachdem das Heim von der Staatspolizei geschlossen wurde, kam Harri am 13. März ins Kinderheim in der damaligen Elisenstraße 152. Am 2. April 1942 überwies die Stadt den Jungen in die "Kinderfachabteilung" der Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Am 7. Dezember 1943 folgte die Verlegung nach Großschweidnitz. Nach den schweren Luftangriffen am 4. Dezember 1943 auf Leipzig wurde die "Kinderfachabteilung" komplett nach Großschweidnitz verlegt. Dort kam Harri (16 Jahre) am 31. August 1944 ums Leben (angegebene Todesursache: Epilepsie).
Olaf Eder
geboren am 7. Juni 1940 in Leipzig
Er kam im Alter von 2 ¼ Jahren am 12. September 1942 ins Städtische Kinderheim. Im Februar 1943 wurde er in die Borsdorfer Anstalten der Inneren Mission eingewiesen und am 12. Januar 1944 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz verlegt.
Am 18. Februar 1945 kam Olaf (4 Jahre) in Großschweidnitz ums Leben (angegebene Todesursache: Kreislaufschwäche bei Bronchitis)
Wolfram Eder
geboren am 7. Juni 1940 in Leipzig
Zeitgleich wie sein Zwillingsbruder Olaf durchlief Wolfram die gleichen Anstalten.
Wolfram (4 Jahre) kam am 24. September 1944 in Großschweidnitz ums Leben (angegebene Todesursache: Bronchopneumonie)
Robert Hutterer
geboren am 13. August 1936 in Leipzig
Er kam nur wenige Tage nach seinem fünften Geburtstag, am 18. August 1941 vom Kinderheim in der Elisenstraße 152 in die "Kinderfachabteilung" nach Leipzig-Dösen.
Am 7. Juni 1943 kam Robert (6 Jahre) dort ums Leben (angegebene Todesursache: Schwachseinszustand, Grippe mit Beteiligung der Atmungsorgane).
Martin Nagel
am 30. März 1933 in Leipzig geboren
Er kam drei Tage nach dem Tod seiner Mutter am 16. Mai 1941 in dieses Kinderheim. Im Herbst 1941 wurde der Junge auf Grund eines Schreibens des Heims in die "Kinderfachabteilung" Leipzig-Dösen überwiesen. Am 7. Dezember 1943 wurde er gemeinsam mit allen Kindern der "Kinderfachabteilung" in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz verlegt. Am 7. Mai 1945 entließ die Anstalt den 12-Jährigen, der anschließend mit einem Treck nach Böhmen ging. Im Herbst 1945 meldete das Deutsche Rote Kreuz seine Rückkehr. Damit verliert sich jedoch die Spur von Martin, der die "Euthanasie"-Verbrechen überlebte.
Harry Zanger
geboren am 26. März 1936 in Leipzig
Harry lebte ab dem 10. April 1940 in verschiedenen Kinderheimen, u. a. im Städtischen Kinderheim in der Elisenstraße 152. Am 17. Februar 1944 kam er in der Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz. Dort kam Harry (8 Jahre) am 2. August 1944 ums Leben (angegebene Todesursache: eitrige Bronchitis)
Seine Mutter wurde im Juli 1941 Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen in Pirna-Sonnenstein.
Recherchen: Petra Seyde
Quelle: Chronik : Haus der Demokratie - Geschichte der Immobilie 1901 - 2015, erschienen 2016
Patenschaft: Katharina Rosenkranz, Haus der Demokratie Leipzig e.V., Behindertenverband, Umweltinstitut, Naturschutz Marketing
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