Biografie von Emma B. Jankelowitz
Sie stehen vor dem ehemaligen „Moden-, Ausstattungs- und Versandhaus Jankelowitz“ von 1908. Auftraggeberin zum Neubau dieses mehrstöckigen, für damalige Zeit großen Kaufhauses Sorge 11-13 war die jüdische Frau und Witwe Lina Jankelowitz, geb. Itzigsohn. Später war es bis 1945 das private Bankhaus der Gebrüder Oberländer. Dasselbe Haus wurde bis 1990 zum HO Kaufhaus Magnet. Später war es einige Jahre Geschäftshaus der Firma Schuh-Leiser, danach Schuh-Lobert und Gerry-Weber. Seit 2020 Leerstand.
Linas Mann, Moses Selig Jankelowitz, hatte schon seit 1885 ein gut gehendes Textilgeschäft auf der Geraer Sorge. Ihre Herkunft war aus Neustadt/Kovno/Rußland, bzw. die nahe gelegene Ostseestadt Heydekrug/Ostpreußen.
Moses und Lina waren die Schwiegereltern der jüdischen Frau Emma Blandine, an die hier erinnert wird. Emma stammte aus Ludwigshafen/Rhein. Sie war in Gera verheiratet mit dem hoch angesehenen praktischen Arzt Dr. Adolf Jankelowitz. Er starb 47jährig als Feldarzt im 1. Weltkrieg in Libau/Kurland an einer Infektion. Emma ließ nach Kriegsende die sterblichen Überreste ihres Mannes nach Gera überführen. 1938, da ist sie schon 13 Jahre nicht mehr in Gera, bezahlt sie die Grabstelle um weitere 20 Jahre. Noch heute (2020) befindet sich sein Grabstein auf dem Geraer Ostfriedhof.
1925 verließ die junge Witwe Gera nach Baden-Baden. Ihre einzige Tochter Lilly Rosa Amelie studierte in Weimar Gesang und Schauspiel. Bald erwartet sie ein Engagement in Karlsruhe, zunächst als „Volontärin ohne Vergütung“. Sie nennt sich „Lilly Jank“ und wohnt bei einer Kollegin zur Untermiete. Sie wird am Theater engagiert. Im März 1933 endet ihre Karriere jäh, kurz nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“. Sie heiratet einen Arzt. Nach Flucht und Verhaftung in Vichy/ Frankreich kommt Lilly 1944 nach Bergen-Belsen. Sie stirbt, nur 37-jährig, an einem unbekannten Oktobertag kurz darauf im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Auch ihr 8jähriger Sohn Silvio ist in Ravensbrück. Er sieht seine Lebensretterin später dankbar wieder.
Zurück zu Emma Blandine: In der „Wagner/Bürckel-Aktion“ wird sie 1940 in Baden-Baden verhaftet und kommt ins Pyrenäen- KZ Gurs. Dort kämpft sie 4 Jahre ums Überleben. 1944 gelingt es ihr, das Lager zu verlassen. Ihr Retter ist Camille Ernst, katholischer Polizeipräfekt von Marseille. Er wird verraten, kommt selbst nach Dachau, wird dort befreit. Er wird 1971 in Israel als Gerechter unter den Völkern geehrt. Emmas Ziel ist Nizza, dann geht sie nach Charlieu/Loire. Nach Kriegsende findet sie über den Suchdienst des Roten Kreuzes ihren Enkel Silvio wieder. Bis zu ihrem Tod 1958 lebt sie mit ihm in Ribeauville/Alsace/Frankreich.
Dieser Stolperstein wurde verlegt am 17.9.2016
Sorge 11-13 hier befanden sich auch Wohnung und Arztpraxis. (MW)
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