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Wohnhaus Georg Halpert

Biografie von Georg und Dorothea Halpert

Georg Halpert, geboren in Gera, hatte zunächst wenig Interesse gezeigt, einmal den väterlichen Betrieb zu übernehmen. Er war der einzige Sohn des Firmengründers Dagobert Halpert.

Dagobert wollte deshalb seinen Neffen Josef Winter einmal als Nachfolger sehen. Der aber starb als Offizier 1916 im 1. Weltkrieg. Georg kam nach Gera zurück und wurde Mitgesellschafter der Firma.

Von 1912-20 hatte er als junger Mann in Buenos Aires gelebt. Die argentinische Staatsbürgerschaft sollte ihm noch viel nützen. Er sprach perfekt Spanisch und Englisch.

Vater Dagobert war bis 1932 jüdischer Gemeindevorsteher. Er stellte der liberalen israelitischen Religionsgemeinde Haus und Grundstück für die jüdische Schule zur Verfügung. Er unterstützte arme Juden und war für Gera nicht nur als Steuerzahler geldgebender Sponsor. 1919 ist er Geraer Stadtrat.

Als Dagobert im 79. Lebensjahr in Gera starb, traten Georg und sein Schwager Robert Mazur das Erbe an. Die Nationalsozialisten verleumdeten, intrigierten und hetzten im „Geraer Beobachter“ gegen die jüdischen Inhaber.

Lange kamen sie nicht an den argentinischen „Auslandsjuden“ Georg Halpert selbst heran. Ende 1938 konnte er seine Belegschaft und sich selbst nicht mehr schützen. Die Firma wurde „arisiert“. 1945 wiederum enteignet, produzierte man in der „Teppichbude“ noch bis 1991. Hinter der historischen Fassade eröffnete 1998 das Parkhaus der Gera-Arkaden.

Halpert & Co. war seinerzeit die Teppich- und Möbelstoffweberei des europäischen Kontinents mit den weltweit modernsten Maschinen. Produziert wurde in Gera und im sächsischen Hohenstein-Ernstthal. Eine Import-Export-Niederlassung gab es in Berlin. Für die Produkte der umliegenden sächsisch-thüringischen Kammgarnspinnereien war Halpert & Co. ein wichtiger Abnehmer. Tausende Arbeitsplätze hingen davon ab. Als es für Juden unmöglich wurde, bezahlte Arbeit zu finden, sicherte die Firma das Einkommen vieler Familien. Die eigene Betriebskrankenkasse zeugt von der Wirtschaftskraft der Firma.

Georg floh mit seiner Frau Dorothea nach England. Von dort per Schiff nach New York. 1940 gingen sie nach Buenos Aires. Seit 1964 lebten sie in Beverly Hills (USA). Georg wurde 93 Jahre und Dorothea 84 Jahre alt.

Am 17.9.2016, kehrt nach fast 77 Jahren der für die Industrie- und Stadtgeschichte sehr bedeutsame Name Halpert vor sein Wohnhaus Blücherstr. 11 zurück, heute Kurt-Keicher-Str. 11. (MW)

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