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Johanna Speier

Biografie von Hanna Speier

Hanna Speier (geb. 12.1.1891) war die Tochter von Moses Speier, der Jettchen Gans geheiratet und mit ihr vier Kinder hatte. Die Familie lebte in der Altstadtstraße 16, wo sie einen kleinen Lebensmittelladen führte, aber auch Kurzwaren verkaufte. Moses Speier stammte aus Guxhagen, das Haus Altstadtstraße 16 (jetzige Adresse) war schon seit vielen Jahrzehnten im Besitz der Vorfahren seiner Frau.
In welchem Maße die jüdische Familie Speier bereit war, sich der christlichen Mehrheit im Alltagsleben anzupassen, gibt die Werbeanzeige im Kreisblatt (ca. 1900) zu erkennen, in der die Mazzen, das Pessachgebäck, als „Oster-kuchen“ angeboten wurden.
Hanna Speier blieb unverheiratet. Ihr Vater starb bereits 1904 mit 43 Jahren, ihr Bruder Isidor (geb. 22.2.1895) fiel im Juni 1916 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Die jüngere Schwester Sophie wurde nur ein Jahr alt.
Hanna und ihre Schwägerin Berni, Adolfs Frau, kümmerten sich um das Ladengeschäft, während ihr Bruder Adolf Speier per Motorrad ("auf seinem Töff", so Tochter Ilse) Hausbesuche bei der Kundschaft in den umliegenden Dörfern machte.
Das Aus für die Firma Speier kam am 1.10.1938, als Adolf Speier die Verlängerung seines Gewerbescheins verweigert wurde.
Mit ihrer betagten Mutter (geb. 1860) und der Familie ihres Bruders Adolf ging Hanna im Dezember 1938 zu dessen Schwägerin Bertha Nussbaum nach Hersfeld (dortige Adresse Hanfsack 2). Nach kurzer Zeit mussten die nach Hersfeld Geflüchteten erkennen, dass sie dort keine besseren Lebensbedingungen vorfanden, sodass am 17. April 1939 ein neuer Umzug stattfand - nach Frankfurt am Main.
"Ich wiege auch nur 98 Pfund, trotzdem ich den ganzen Tag sitze", schrieb Hanna am 13. August 1939 aus Frankfurt an ihre seit Juni 1936 in Palästina lebende Schwester Bertha. Ihren Humor hatte Hanna aber noch nicht ganz verloren, denn sie fuhr in ihrem Brief fort: "Das vegetarische Essen macht nicht dick, ist aber gesund."
Angesichts der schlechteren Ernährungslage für die Familie erscheint es Hanna in Frankfurt schon nach wenigen Wochen (Brief an Schwägerin Bertha Oppenheim vom 18.6.1939) „doch nicht so schön wie in Rotenburg. Vor allen Dingen fehlt uns der Garten. Man ist das nicht gewöhnt, wenn man jedes bisschen Gemüse auf dem Markt kaufen muss.“
Im Mai/Juni 1942 wurde dann Hannas Frankfurter Aufenthalt gewaltsam beendet, als sie mit ihrem Bruder Adolf und dessen Frau Berni nach Theresienstadt deportiert wurde und von dort im Oktober 1944 in die Gaskammern von Auschwitz.
Hannas Mutter blieb Theresienstadt und Auschwitz erspart, sie starb am 7. Mai 1941 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt, Eckenheimer Landstraße, bestattet.

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Mitarbeit: Karl-Heinz Riemenschneider