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Obernstr. 39

Biografie von Julie, Ludwig und Ilse Meier

Familie Meier

Der jüdische Kaufmann Ludwig Meier (*1894) und seine Ehefrau Julie (*1892) zogen vermutlich im Jahr 1927 mit ihrer Tochter Ilse (*1924) nach Stadthagen.
Als Detailreisender betreute Ludwig Meier für die Firma Elias Lion den Harz, Braunschweig, Teile Westfalens und Hannover. Seit Mitte der 1930er Jahre jedoch nahmen die antisemitischen Pöbeleien zu.
Im Herbst 1935 wurde Ludwig Meier in einem Dorf von Nationalsozialisten angegriffen, auf den Bahnhof gebracht und unter Drohungen zur Abreise gezwungen. Die Firma Elias Lion setzte ihn daher ab Frühjahr 1936 ausschließlich im Innendienst ein.
Im Mai 1937 wanderte die Familie in die USA aus. Dort fand Ludwig keine vergleichbare Stellung mehr. Julie trug daher wesentlich zum Familieneinkommen bei und erwarb 1949 ein Geschäft. Ludwig half im Laden mit, erlag aber bereits 1956 einem Herzleiden. Julie Meier lebte trotz der Einnahmen aus dem Geschäft nur knapp oberhalb der Armutsgrenze. Ab 1965 erhielt sie von der Bundesrepublik, 10 Jahre nach Antragstellung, eine kleine Witwenrente.
Über die Tochter Ilse ist nur bekannt, dass sie in den USA heiratete und von da an den Namen Simon trug.

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Quellen & Impressum

Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen e.V.

Stadthagen ist bekannt durch seine Bauten der Weserrenaissance, der Blütezeit des Städtchens im Zentrum Schaumburgs. Sie hat sich in der Zeit des Nationalsozialismus weder als Stadt des Widerstands noch des besonders aggressiven Terrors hervorgetan. So kann Stadthagen als stellvertretend für so viele deutsche Städte gelten, in denen jüdische Mitbürger:innen aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt wurden. Der wachsende Antisemitismus, Berufsverbote u.ä. Drohungen und Gewalt führten dazu, dass von den 59 Juden und Jüdinnen, die 1933 in Stadthagen lebten bereits die Hälfte bis Ende 1939 emigriert sind. Die übrigen 28 wurden in die s.g. Judenhäuser Obernstraße 26 und Am Mark 6-8 gepfercht. Drei von ihnen starben eines natürlichen Todes. Eine von ihnen, Berta Gellermann, überlebte den Holocaust in Stadthagen. Eine weitere Frau, Irma Rosenfeld, überlebte die KZs und wanderte in die USA aus. Alle anderen wurden ab 1941 in verschiedene Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.
Sie waren alle Mitbürger:innen dieser Stadt. Sie betreiben Geschäfte, gründeten Familien, gingen zum Markt und spazieren und waren im Schützenverein. Sie verloren alles. In Stadthagen finden sich an den Orten des zuletzt frei gewählten Wohnorts Stolpersteine im Boden eingelassen, die an ihr Schicksal erinnern. Diese Führung folgt neun dieser Wohnorte und erzählt die Geschichte einiger von ihnen. Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Stadthagen setzt sich dafür ein, dass ihre Geschichten bewahrt und erzählt werden. Weitere Stolpersteine sowie ausführlichere Informationen zu den einzelnen Biografien, können auf der Website der ehemaligen Synagoge nachgelesen werden.