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Adolf Mayer - Kastanienallee 5

Biografie von Adolf Mayer

Adolf Mayer (23.07.1881 in Hanau - 13.02.1948 in Pößneck) wirkte seit 1921 als Verlagsdirektor im Gerold-Verlag und wohnte mit der Familie im eigenen Einfamilienhaus in Bergerstraße 5 (heute: Kastanienallee 5).

Nach dem frühem Tod der Mutter im hessischen Friedberg, kam er bei Verwandten unter, und besuchte dort das Relagymnasium. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre bei seinen Onkeln in Berlin und Frankfurt/Main. Durch eine Aushilfstätigkeit fand er als junger Mann 1901 den Weg ins Verlagswesen, und wurde schnell zum "Propaganda-Leiter" in der Textilzeitschrift "Der Konfektionär". Schließlich leitete er von ca. 1907–1919 die auswärtige Geschäftsstelle des Ullstein-Verlags.

Nach seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg (1915-1918) als Sanitäts-Unteroffizier in einer Landwehr-Division, zog es ihn beruflich nach Pößneck. Und so war Adolf Mayer bereits im ersten Nachkriegsjahr 1919 als Werbeleiter zum Vogel-Verlag nach Pößneck geholt worden, bevor er seine Laufbahn im Gerold-Verlag fortsetzte. Die Stadt galt damals als eines der wichtigsten Zentren des deutschen Zeitschriftenwesens. Insbesondere der Vogel-Verlag stand im Wettbwerb, um das erfahrenste und qualifzierteste Personal im Pressewesen.

Aus der Eheschließung (1905) mit der Buchhalterin Frederike Johanna Amalie geb. Kunhart (10.05.1883 in Berlin) gingen vier Kinder hevror: Charlotte Erika Mayer (14.03.1906 in Schöneberg b. Berlin – 08.07.1913 in Berlin-Lichtenfelde), Ursula Annemarie Krause geb. Mayer (12.01.1916 in Berlin-Lichterfelde – 2020 in Pößneck), Eva Mayer und Frau Wilhelm geb. Mayer.

Adolf Mayer war ab ca. 1925 dauerhaft als Vorsitzender der Theatergemeinde Pößneck e.V. aktiv. Gemeinsam mit Persönlichkeiten, wie dem Werkleiter Otto Thiem, Lehrer Heinrich Baum und dem Gewerkschaftssekretär Johann Schmiedl, leitete er diese kulturelle Einrichtung.

Ab 1933 versuchten Nationalsozialisten gezielt gegen Adolf Mayer vorzugehen, und forderten seine Entlassung. Daraufhin erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Ein Berufsverbot im Verlagswesen scheiterte zunächst, weil die Gesetzgebungen zum Berufsbeamtentum eine Ausnahme bei "Nicht-Arieren" vorsah, wenn sie im Ersten Weltkrieg eingesetzt waren. 1937 war nach einer Verordnung der Reichspressekammer keine Lücke mehr vorhanden, es folgte die Zwangsentlasssung ohne Entschädigung.

Zur Pogromnacht am 10.11.1938 wird Adolf Mayer mit sieben Männern aus Pößneck inhaftiert, und abends in die sogenannte "Schutzhaft" ins KZ Buchenwald verschleppt. Seine Entlassung erfolgte am 07.12.1938.

Anschließend suchte Adolf Mayer vergeblich nach einer Arbeitsstelle beim Arbeitsamt. Er war auf Eigeninitiative von 1939 bis 1940 Hilfsarbeiter bei der Firma Schultius in Saalfeld (ohne Sonderzuteilungen, Stundenlohn: 60 Pfg.) bis diese das "Gaudiplom" anstrebte. Dann 1940 bis 1942 als Hilfsarbeiter bei der Firma Thüringer Polsterfaser (12-Stunden-Tag am Hochofen), sowie im Sägewerk Gebr. Krause tätig, erleidet er 1942 einen körperlichen Zusammenbruch.

Auch seine beiden in Pößneck lebenden Töchter verlieren als "Halbjüdinnen" ihre Anstellungen und müssen Zwangsarbeit leisten. Die Ehefrau versucht in Heimarbeit ein kleines Zubrot zu verdienen.

Durch die "Mischehe" erging für Adolf Mayer der Deportationsbefehl erst am 31.01.1945. Er gerät mitten in die "Evakuierungsphase" der Konzentrations- und Vernichtungslager ins Ghetto Theresienstadt. Nach der Befreiung durch die Rote Armee und die Übernahme durch das Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Mai 1945, kehrte er am 12.06.1945 nach Pößneck zurück zur Familie.

In Pößneck wirkte er noch am Wiederaufbau des Verlagswesens als kaufmännischer Leiter des Gerold-Verlags (später Karl-Marx-Werk) mit. Auch als Mitbegründer des Kulurbundes demokratischer Erneuerung versuchte er an alte Tage anzuknüpfen, stirbt aber 1948 an den Folgen der jahrzehntelangen Verfolgungen und seiner KZ-Haft im Alter von 66 Jahren.

Text: Philipp Gliesing (Mai 2021)

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Philipp Gliesing
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