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Familie Posner

Biografie von Carl, Ella und Lotte Posner

Arminstraße 1 ... Hier wohnte Familie Posner

(In Anlehnung an die alte Bebauung/Nummerierung verlegt Höhe Kurt-Neuwald-Platz)

Carl war ein Sohn von Benjamin Posner, der aus Norden stammte, wo er am 1. September 1864 geboren war. Auch Benjamin Posner arbeitete als Viehhändler und kam offenbar 1916 mit seiner Familie nach Gelsenkirchen. Benjamin Posner starb am 2. März 1940 in Gelsenkircher und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf beerdigt. Benjamin Posners Frau war eine geborene Mendel, sie stammte aus Linnich im Kreis Jülich und wurde dort am 1. Juni 1860 geboren. Sie starb bereits vor ihrem Mann am 12. September 1933 und wurde ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen-Ückendorf beerdigt.

Neben einem frühzeitig gestorbenen Kind hatten Benjamin und Sophie Posner neben dem Sohn Karl einen weiteren Sohn namens Curt, der am 16. März 1894 geboren wurde. Curt Posner starb am 5. Dezember 1917 vermutlich als deutscher Soldat. Weiterhin hatte das Ehepaar eine Tochter mit Namen Carola, ihr Lebens- bzw. Leidensweg ist derzeit nicht bekannt.

Familie Posner lebte in einer Wohnung an der Arminstraße 1, bis sie von den Verfolgungsbehörden Ende September 1939 zum Umzug in eines der so geannten Gelsenkirchener "Judenhäuser" an der Ringstraße 54 gezwungen wurden. Die Menschen lebten dort bis zur Deportation auf engstem Raum unter menschenunwürdigen Bedingungen zusammen.

Die Familie Carl Posner wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. Dort wurde Carl Posner von den Nazis nach den Schilderungen von Überlebenden vermutlich im Februar/März 1942 bei einer der so genannten "Aktionen" (Selektionen) ermordet. Bei den Selektionen wurden im Konzentrationslager Jungfernhof als auch im Ghetto Riga allein in diesen beiden Monaten annähernd 3000 Häftlinge, darunter vorwiegend Kranke, Kinder unter 14 Jahren mit ihren Müttern und Häftlinge über 45 Jahren als "arbeitsunfähig" erklärt - das sichere Todesurteil.

Unter dem Vorwand, die Menschen in eine Fischkonservenfabrik nach Dünamünde zu bringen, wo es für sie angeblich leichtere Arbeitsbedingungen gäbe, transportierte man die von der SS zur Ermordung bestimmten zu den bereits ausgehobenen Massengräbern im Wald von Bikernieki (Hochwald von Riga) und erschoss sie dort. Ella und Lotte Posner wurden von Riga weiter in das KZ Stutthof verschleppt und dort im Dezember 1944 ermordet. Familie Posner wurde laut einem Beschluss des Amtsgerichts Gelsenkirchen vom 17. Januar 1953 für tot erklärt, amtlich festgesetzter Zeitpunkt des Todes: 31.12.1945.

Fotos sind einzige Lebensspuren

Helene Jaschinski, die Großmutter von Sabine Donat, war mit der Familie Posner befreundet. Sie hat die Familie in dem "Judenhaus" an der Ringstraße Nr. 54 regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt. Sabine Donat erzählt: "Durch eine im Erdgeschoß des Nebenhauses gelegene Schneiderei gelangte meine Großmutter in das Haus. Die Inhaberin der Schneiderei ließ sich ihr Schweigen mit Lebensmitteln bezahlen. Auf dem Speicher des Hauses waren in der die Häuser trennenden Giebel-wand einige Ziegel lose. Wenn man die heraus nahm, gelangte man in das "Juden-haus" und konnte die Lebensmittel übergeben. Wäre meine Oma erwischt worden - sie wäre im KZ gelandet."

Zwei alte Fotos hat Helene Jaschinski damals kurz nach der Deportation der Familie Posner aus deren Wohnung retten können. Ein Hochzeitsfoto von Carl und Ella Posner und eines, auf dem Lotte Posner mit zwei anderen Kindern zu sehen ist. "Kurz nach dem Krieg kam ein junger Mann zu meiner Oma und sagte ihr, dass Familie Posner von den Nazis ermordet worden ist. Oma hat in ihrer Aufregung damals nicht nach seinem Namen gefragt" erzählt Sabine Donat, "Die Fotos von Familie Posner hat Oma all die Jahre aufgehoben. Nach ihrem Tod sind sie dann in meine Hände gelangt. Vor vielen Jahren habe ich begonnen, nach Angehörigen der Familie Posner zu suchen, wollte die Fotos übergeben - leider bisher erfolglos. Diese Erinnerungsstücke wären doch in der Familie am besten aufgehoben."

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