Biografie von Selma Schönenberg, Erna Gradenwitz und Günter Schönenberg
Wanner Straße 119 ... Hier wohnte Familie Schönenberg
Julius Schönenberg, wurde am 30. September 1875 in Hörde geboren, seiner Frau Selma, die aus der Familie Rosenthal aus Annen (Witten-Annen, Kreis Hörde) stammte, wurde am 13. Mai 1890 geboren. Die beiden haben 1914 geheiratet, kurz bevor Julius Schönenberg als Soldat für das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg ziehen musste. Das Ehepaar Schönenberg hatte zwei in Gelsenkirchen geborene Kinder, die am 1. April 1915 gebore Erna und den am 7. September 1920 geborenen Günter.
Die Familie Schönenberg übernahm von den Eltern Julius Schönenbergs in den 1920er Jahren ein Geschäft für Manufakturwaren und Herren-bekleidung an der Wanner Straße 119. Salomon Schönenberg und seine Frau Lina, geborene Weinberg waren mit fünf Kindern im Jahr 1885 in die damalige Gemeinde Bulmke gekommen und hatten das Geschäft gegründet. Lina Schönenberg starb 1923, Salomon Schönenberg 1928, beide wurden auf dem jüdischen Friedhof an der Wanner Straße beerdigt.
Seit der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten 1933 war die Familie wie die anderen jüdischen Familien Gelsenkirchens einem stetig zunehmenden Verfolgungs-druck ausgesetzt, der sich auch auf die Geschäftsentwicklung negativ auswirkte. Die Eltern nahmen Günter Schönenberg 1934 vom Realgymnasium (heute Grillo-Gymnasium), dass er seit 1930 besucht hatte, weil auch dort die antisemitischen Übergriffe durch Lehrer und Schüler ständig zunahmen. Günter Schönenberg sollte nun auf seine Auswanderung vorbereitet werden und einen Beruf erlernen.
Zunächst begann er eine kaufmännische Ausbildung, die er jedoch abbrechen mußte, nur weil er jüdisch war. Danach sollte er eine Ausbildung als Schweißer bei der Schrottgroßhandlung Moses Stern in Gelsenkirchen machen. Als auch diese Firma "arisiert" wurde, mußte Günter im Juni 1938 den Betrieb verlassen. Am 18. August 1938 gelang ihm die Flucht in die Niederlande. Selma und Erna Schönenberg betrieben nach dem Tod des Vaters und Ehemannes Julius Schönenberg am 7. Mai 1936 das Geschäft an der Wanner Straße weiter, bis es in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 - wie auch die Wohnung der Schönenbergs - von Nazischergen zerstört wurde.
Nach der Vernichtung der Existenzgrundlage floh Selma Schönenberg zu ihrer Schwester Antonie Meyer, geb. Rosenthal nach Wellentrup/Kachtenhausen bei Lemgo. Am 19. März 1942 wurde sie von den Nazis unter Polizeibewachung in das jüdische Altersheim an der Stapenhorststraße 35 in Bielefeld gebracht. Selma Schönenberg wurde im Juli 1942 ab Bielefeld deportiert, in den Bielefelder Meldeunterlagen und dem Hausbuch Stapenhorststrasse 35 ist lediglich vermerkt: "Unbekannt abgewandert" bzw. "Mit unbekanntem Ziel abgewandert". Selma Schönenbergs amtliches Todesdatum wurde auf den 31. Dezember 1945 festgesetzt.
Im Juni 1939 konnte Erna Schönenberg nach Holland flüchten. Doch auch hier war sie - wie ihr Bruder auch - vor der Verfolgung nicht mehr sicher, als die Nazis im Mai 1940 die Niederlande besetzten. 1942 wurde Erna Schönenberg von ihrem Wohnort Leeuwarden in das KZ-Durchgangslager Westerbork gebracht. In Westerbork heiratete sie am 16. Oktober 1942 den aus Tarnowitz stammenden Joseph Gradenwitz. Erna wurde am 30. November 1943 in Auschwitz, ihr Mann Joseph 1943 im Vernichtungs-lager Majdanek ermordet. Günter Schönenberg gelang am 3. November 1943 die Flucht aus den Niederlanden nach Frankreich. Nach der Befreiung vom National-sozialismus ging er zunächst nach Amsterdam, um von dort im Juni 1947 in die USA auszuwandern. Günter Schönenberg nahm dort den Namen George G. Shelton an. Er verstarb im November 2002 in den USA.
Die Patenschaften für die Stolpersteine, die der Familie Schönenberg gewidmet wurden, haben Uwe Kaczmirzak, Ursula Möllenberg und Margret Grothoff übernommen.
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