Biografie von Anna Schauer
Anna Schauer wurde in eine wenig intakte Familie geboren; Sie war intelligent und selbstständig. Vielleicht wurde ihr religiöser Eifer und ihre Phantasie als etwas ungewöhnlich wahrgenommen. Als sie 32 Jahre alt war, erkrankte sie psychisch und wurde in eine Heilanstalt eingewiesen, die sie mit einer Ausnahme nicht mehr verließ. 1940 wurde sie im Alter von 44 Jahren in Grafeneck ermordet. Wer war Anna Schauer?
Anna Schauer kam am 11. April 1896 in Tuttlingen als Tochter des aus Neuhausen o. E. stammenden Schuhmachers Hermann Schauer und dessen erster Ehefrau Rosine geborene Reichle in der Olgastraße 30 zur Welt. Ihr Vater arbeitete als Wanderschuhmacher auf Stör und war wenig zuhause. Die Familienverhältnisse werden als problematisch geschildert, da sich der Vater wenig um die Familie kümmerte und zudem Probleme mit dem Alkohol hatte. Die Mutter wiederum litt unter der Situation, erkrankte und starb. Der Arzt vermerkte in der Akte „ist an TBC oder Kummer gest.?“ Nach dem Tod der Mutter heiratete der Vater erneut.
Anna besuchte die Schule, fiel durch besondere Frömmigkeit auf, war arbeitsam und gefällig. Als etwas eigenartig wurde sie schon wahrgenommen, sie war unruhig und regsam und las viel. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie in München als Dienstmädchen, u.a. in einem Haushalt mit einer sehr religiösen Frau, von der sie viel annahm. Die Dienstherren gehörten der „Christlichen Wissenschaft (Christian Science)“ an, was sie in ihrem religiösen Eifer bestärkte. Dann war sie wieder zuhause, konnte den Vater aber nicht ertragen. Später war sie in Heilbronn tätig, dann in einer Tuttlinger Schuhfabrik, in der sie gut verdiente.
Um 1920 war sie verlobt, löste das Verlöbnis aber, da ihr zukünftiger Ehemann nicht zu ihrer religiösen Gemeinschaft gehörte. Sie brachte sich bei den Altpietisten ein, beteiligte sich an der Volksmission und las religiöse Schriften. Nach längerer Arbeitslosigkeit fand sie wieder eine Stellung als Dienstmädchen. Dann wurde sie erneut arbeitslos, was sie sehr belastete. Sie klagte oft über Nervenschmerzen.
Sie wurde 1928 wegen Hysterie in das Kreiskrankenhaus Tuttlingen eingeliefert und von dort dann in die Heilanstalt Rottenmünster überwiesen. Der Arzt, der sie in die Heilanstalt einwies, schilderte am 19. November 1928, dass sie 14 Tagen vor ihrer Einweisung in einem medizinischen Buch über „Neurasthenie“ gelesen und sofort gesagte hatte, dass sie diese Krankheit habe und unheilbar krank sei. Bei ihrer Einlieferung gab sie an, nicht stehen zu können. Sie hatte Halluzinationen, redete wirr, hörte Stimmen, sprach den Arzt als Jesus, oder als ihren Sohn an. Insgesamt redete sie sehr viel, vor allem über religiöse Themen. Der Arzt bezeichnete sie daraufhin als logorrhoisch. 1930 holten sie ihre Geschwister nach Hause, wo sie sehr unruhig war, so dass sie einen Monat später wieder in die Heilanstalt zurück gebracht wurde. Sie wurde dort mit leichten Handarbeiten beschäftigt. Ihr Zustand besserte sich aber nicht, er verschlechterte sich zusehends. Eine katatone Form der Schizophrenie wurde diagnostiziert. In Rottenmünster blieb sie bis zum 4. September 1939, dann wurde sie mit mehreren Kranken in die Heilanstalt Weissenau überführt. Ihre Krankenakte endet am 18. August 1940 mit dem Eintrag „tut nichts“, was bei einem schwer kranken Menschen nicht verwundert. Am 5. Dezember 1940 brachten die grauen Busse der SS sie nach Grafeneck, wo sie getötet wurde.
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Quellen & Impressum
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