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Julia Lion, Friedrichstraße 6

Biografie von Julia Lion

Julia Bergheimer wurde am 19.6.1878 in Offenburg geboren. Nach der Hochzeit mit Emil Lion (geb. 1876) zog sie hierher in dessen Heimatstadt Ettenheim, wo er einen Viehhandel betrieb. 1904 kam ihr Sohn Sigmund auf die Welt. Als dieser sieben Jahre alt war, verstarb sein Vater mit nur 35 Jahren an einer Lungenentzündung. Die junge Witwe betrieb danach ein kleines Stoffgeschäft. Trotz der bescheidenen Verhältnisse konnte sie Ihrem Sohn eine gute Ausbildung ermöglichen. Der promovierter Journalist arbeitete später als deutscher Auslandskorrespondent in Paris. 1933 wurde er, wie alle anderen „nichtarischen“ Mitarbeiter entlassen. Weil er sich danach in Frankreich für politische Flüchtlinge aus Deutschland engagierte, waren gegenseitige Besuch nicht mehr möglich. Julia Lion wurde der Reisepass entzogen. Nach zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zog Frau Lion 1938 zu Verwandten nach Offenburg.
Am 22.10.1940 wurde sie wie alle badischen Juden in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Ihr Sohn lebte inzwischen im südlichen unbesetzten Teil Frankreichs. Dass er mit einer katholischen Französin verheiratet war, bewahrte ihn vor der Deportation in die Vernichtungslager des Ostens. Er stand in Briefkontakt mit seiner Mutter und setzte alle Hebel in Bewegung, um sie aus dem Lager in Gurs rauszuholen. Vergeblich. Im Dezember konnte er sie zusammen mit seiner Familie noch einmal sehen. Drei Tage nach diesem letzten Besuch verstarb Julia Lion am 30.12.1940 an der damals im Lager kursierenden Ruhr. Sie wurde auf dem Lagerfriedhof in Gurs beerdigt (Grab Nr. 413).

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