Biografie von Irma Faber
Mariannenstr. 3
Irma Faber
Salomon und Sidonie Faber heirateten im Jahr 1899 in Cöthen und bezogen eine gemeinsame Wohnung in der Ludwigstraße in Leipzig Neustadt. Dort kam 1900 ihr erster Sohn Herbert zur Welt, am 3.1.1902 wurde ihre Tochter Irma Faber geboren. Die Familie bezog bald darauf eine Wohnung in der Mariannenstraße 3 im ersten Obergeschoss. Dort kamen Irmas jüngere Brüder Erich und Georg zur Welt.
Irma erlernte den Beruf der Kontoristin. Ihr Vater sowie ihre Brüder waren Kaufleute.
Im Jahr 1938 musste Irma wie alle Jüdinnen den zusätzlichen Vornamen „Sara“ zur Stigmatisierung ihrer jüdischen Abstammung annehmen. Der Vater Salomon erlebte das Schicksal seiner Familie nicht mehr mit. Er starb 1935 im Alter von 69 Jahren. Die Brüder waren als Kaufleute viel auf Reisen. Auf diesem Weg versuchten sie auch früh, sich im Ausland in Sicherheit zu bringen. Bruder Herbert konnte nach Argentinien fliehen, Irmas jüngerer Bruder Erich emigrierte am 8.10.1938 nach Brüssel. Wie viele andere Juden floh er vermutlich nach der deutschen Besetzung nach Frankreich. Am 4.9.1942 wurde er aus dem Lager Drancy nach Auschwitz deportiert. Er hat das Lager überlebt und war nach dem Krieg in London. Der kleinste Bruder, Georg Faber, befand sich laut Meldekarte ab 1933 im Ausland. Nach Paris, Toronto und London ist in seiner Meldekarte 1935 nur noch „Auf Reisen“ vermerkt. Ihm gelang die Flucht nach Kanada.
Nach dem Tod des Vaters lebte Irma mit ihrer Mutter zu zweit in der Mariannenstraße 3. Ab Mai 1940 mussten beide in die sog. „Judenhäuser“ ziehen. Dort mussten die beiden Frauen mehrfach umziehen und fanden Unterkunft bei unterschiedlichen Leuten, ebenso wie in einem jüdischen Altersheim, wo die Mutter 1942 starb. Sie wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof beerdigt.
Irma Faber wurde nach dem Tod ihrer Mutter wegen „Umgang mit Ariern“ verhaftet. Wenige Wochen später kam sie in die Pflegeanstalt Dösen, wo noch Rudimente eines israelitischen Krankenhauses bestanden. Am 10.2.1943 musste sie das Sonderkonto „W“ beantragen, auf das sie am 16.2.1943 einen Betrag von 90RM einzahlte, was den Kosten ihrer bevorstehenden Deportation entsprach. Nur einen Tag später wurde sie in ein Sammellager nach Berlin transportiert. In ihrer amtlichen Meldekarte steht: „Nach dem Ostern abgewandert“.
Am 26.2.1943 wurde Irma Faber (41 Jahre) nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich unmittelbar nach Ankunft ermordet wurde.
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