Biografie von Leo Schwarzbard, Freida Schwarzbard und 5 weitere
Humboldtstr. 10
Familie Schwarzbard
Leo Schwarzbard wurde am 18. Februar 1892 in Rzeszow geboren. Er kam im Alter von 20 Jahren nach Leipzig. Nach dem Ersten Weltkrieg lernte er Freida Baldermann kennen, die am 19. Mai 1904 in Nowy Kortschin geboren wurde und bereits seit 1915 mit ihren Eltern in der Humboldtstr. 10 wohnte. Im Mai 1922 heirateten beide und wohnten bei Freida. Erst 1926 bezogen sie im Haus eine eigene Wohnung. Leo war Kaufmann und arbeitete als Handlungsgehilfe.
In der Humboldtstr. 10 wuchsen ihre fünf Kinder auf: Lene *5.5.1923, Isi *1.12.1924, Alfred *22.1.1926, Harri *30.8.1927 und Wolfgang *4.2.1936.
Durch die Neugliederung Osteuropas nach dem Ersten Weltkrieg hatte die aus Galizien (Österreich-Ungarn) stammende Familie nun plötzlich die polnische Staatsbürgerschaft. Die als sog. „Polenaktion“ in die Geschichte eingegangene massenhafte Abschiebung polnischer Juden am 28. Oktober 1938 erfasste auch die Familie Schwarzbard. In Leipzig konnten sich aber ca. 1.300 Menschen vor der Abschiebung retten, indem sie Zuflucht im polnischen Konsulat in der Wächterstr. fanden, was einzigartig in Deutschland war. So auch die Familie Schwarzbard.
Damit war Zeit gewonnen, zuerst die Kinder außer Landes zu bringen. Mit einem Kindertransport nach England konnte zunächst Lene am 2.3.1939 Deutschland verlassen. Es folgten Isi, Harri und Alfred am 20.3.1939. Ohne familiären Beistand verließ der erst dreijährige Wolfgang am 13.7.1939 Leipzig. Unterdessen versuchten die Eltern fieberhaft, auch für sich eine Ausreise zu bekommen. Doch mit der seit Anfang 1939 erloschenen polnischen Staatsangehörigkeit galten sie als staatenlos. Für Leo Schwarzbard begann eine permanente Flucht vor dem nationalsozialistischen Zugriff, die bis zum Kriegsende dauern sollte. In der Hoffnung von Belgien nach England zu fliehen, verließ er illegal am 15.7.1939 Leipzig. Seine Frau konnte dabei nicht folgen. Doch es gelang ihm nicht, nach England zu kommen. Wir wissen wenig über diese Jahre des Versteckens und der Flucht. Es finden sich Spuren von ihm in einem französischen Internierungslager in den Pyrenäen vom September 1942. Aus diesem muss er geflohen sein, denn er versteckte sich mit einer Gruppe weiterer Juden bis zu seiner Befreiung in den italienischen Bergen.
Freida Schwarzbard gelang die Flucht nicht. Sie wurde am 21. Januar 1942 in das Ghetto von Riga deportiert. Durch ihre „arbeitsfähige“ Konstitution entging sie den vielen Massenexekutionen und leistete Zwangsarbeit u.a. im Straßenbau. Mit der Auflösung des Ghettos wurde Freida im September 1944 in das KZ Stutthof deportiert. Hier wurde sie von der sowjetischen Armee befreit. Erst nach 2-monatigen Aufenthalt im Krankenhaus, konnte Isi, der mit der britischen Armee in Deutschland einmarschiert war, sie nach England und zurück in die Familie bringen.
Pate: Stefan Hollands
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