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Julius Neuhaus

Biografie von Julius Neuhaus

Hier liegt der Stolperstein für Julius Neuhaus
verlegt am 21. September 2022.

Julius Neuhaus wurde am 2.11.1876 als zweites von neun Kindern von Lydia, geb. Sander und Aaron
Neuhaus geboren. Vater Aaron stammte aus Herleshausen und zog Mitte der 1870er Jahre nach
Eisenach, wo er das Haus an der Goldschmiedenstrasse 1 kaufte. Hier gründete er, zusammen mit
seinem jüngeren Bruder Samuel Neuhaus die Firma C. Neuhaus Söhne, die sich bald zum
«Grossherzoglich Sächsischen Hoflieferanten» für Textilwaren wie altdeutsche Stickereien und
Webereien entwickelte.
Im aufstrebenden Eisenach gab es einen wachsenden Markt für
Souvenirs wie Decken mit Wartburgsprüchen oder Spitzen. Die Firma gründete in der Folge
Filialen in Wiesbaden, Neuss, Aachen und Mönchen-Gladbach. Als Vater Aron 1891 im Alter von 44
Jahren starb, meldete sich dessen Witwe Lydia Neuhaus als Geschäftsmitinhaberin an; nach dem Tod
von Samuel Neuhaus im Winter 1902, zeichneten die beiden Witwen Berta und Lydia Neuhaus als
Geschäftsinhaberinnen.
Julius ist im Adressbuch von 1909 als Prokurist der Firma aufgeführt, seine
beiden Brüder Georg und Paul als Geschäftsführer. 1912 wird Paul zum Teilhaber der Firma, 1919 nach dem Tod der Mutter Lydia und dem Rückzug von Berta Neuhaus tritt Georg ebenfalls als
Teilhaber ins Geschäft.

Julius Neuhaus kämpft im 1. Weltkrieg als Frontsoldat. Im Adressbuch von 1922 wird er erstmals als
Mitbewohner der Goldschmiedenstrasse 1 aufgeführt. Überliefert ist eine Postkarte, die er im April
1929 an seine Cousine Rosi Zenner-Neuhaus in die USA schickte. Darauf berichtet er über den
strengen Winter und schliesst mit den Worten: «Sonst ist hier alles, wie es immer war.»

1931/32 leben Julius und seine Geschwister Irma und Paul mit Ehefrau Jenny sowie ihre Tante Berta
Neuhaus an der Goldschmiedenstrasse 1. Anfang der 1930er Jahre sind zudem Else Oppenheim-
Neuhaus, eine verwitwete Schwester von Julius sowie Edith Löwenstern, eine Nichte, an der
Goldschmiedenstrasse einquartiert. Die wirtschaftliche Situation dürfte sich in dieser Zeit bereits
deutlich verschlechtert haben. Antisemitismus ist allgegenwärtig.

Ab 1933 müssen in Eisenach alle
Geschäfte ein Schild «Judengeschäft von Juden» oder «Deutsches Geschäft» anbringen. Bereits in
den 1920er Jahren gab es wiederholt Anschläge auf die Synagoge in Eisenach. Am 21. April 1933 wird
ein weiterer Anschlag verhindert. In dieser angespannten Situation sieht Julius Neuhaus keinen
Ausweg mehr, am 14. Juni 1933 wählt er die Flucht in den Tod.

Keines der neun Kinder aus der Ehe von Aron und Lydia Neuhaus-Sander hat den 2. Weltkrieg
überlebt: Der älteste Bub starb bereits 1876 im Kindsbett, der jüngste 1916 auf dem Schlachtfeld in
Verdun.
Paul Neuhaus starb 1937 in Eisenach, sein Bruder Georg 1940 in Aachen. Die vier Schwestern
von Julius Neuhaus, Rosa Löwenstern-Neuhaus, Jenny-Löwenstern-Neuhaus, Elsa Oppenheim-
Neuhaus sowie Irma Neuhaus wurden alle von den Nazis ermordet.

Text von Gabriela Neuhaus, Zürich

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Fotos: Frank Rothe, Eisenach
Texte: BgR und Frank Rothe, Eisenach