Biografie von Moritz, Hedwig und Vera Henriette Hertz
Moritz Hertz, geb. 30.05.1893 in Guntersblum. Er war der Älteste von sieben Kindern des Ehepaares Heinrich Hertz (geb. 08.12.1859, gest. 18.02.1910) und Henriette Hertz, geb. Süßmann (geb. 04.02.1866, gest. 27.02.1929) welche 1892 in Alsbach an der Bergstraße geheiratet hatten.
Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit war Moritz als Weinhändler tätig und betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig unter dem Firmennamen des 1910 verstorbenen Vaters eine Weinkellerei und eine Weinhandlung im Anwesen der Familie in der Alsheimer Str. 1 und ab dem 24.12.1927 im Homburger Hof, Alsheimer Str. 19.
Nach seiner Verlobung mit Hedwig Oppenheimer im Januar 1928 heiratet er sie am 23.04.1928 in Groß-Gerau. Ab dem 25.09.1928 lebte das Ehepaar in Mainz. Dort wurde am 25.05.1930 Tochter Vera Henriette geboren.
Aufgrund der politischen Situation in Deutschland verkaufte Moritz die Immobilie Homburger Hof in der Alsheimer Straße 19 am 23.07.1937 an Ludwig Blüm und dessen Ehefrau geb. Rothermel. Das Stammhaus seiner Familie in der Alsheimer Straße 1 verkauften er und sein Bruder Ludwig, vor dessen Flucht mit seiner Familie in die Schweiz und später in die USA, im Namen der Erbengemeinschaft Hertz im Juli 1938 an Wilhelm Adloff.
Hedwig Hertz, geb. Oppenheimer, geb. 12.06.1905 in Groß-Gerau. Sie war die Tochter der Eheleute Ludwig (geb. 21.01.1872, gest. 01.03.1931), Landmaschinen- und Eisenwarenhändler und Johanna (Thekla) Oppenheimer, geb. Löwenberg (geb. 27.12.1879, gest. 02.07.1939).
Ab dem 25.09.1928 lebte das Ehepaar Moritz und Hedwig Hertz in Mainz-Laubenheim, danach in Mainz, Taunusstraße 36, 2. Stock und zuletzt in der Ludwigstraße 8. Am 25.05.1930 wurde ihre Tochter Vera Henriette geboren.
Nachdem Moritz Hertz die Immobilien in Guntersblum veräußert hatte floh die Familie nach Le Vésinet in Nordfrankreich. Bevor die deutsche Wehrmacht Frankreich im Jahr 1940 besetzte flüchtete die Familie nach Südfrankreich und fand eine Wohnung in 72 Rue du Marche in Carcasonne, Departement Pyrenees-Orientales.
Anfang 1942 wurde die Familie in Rennes-les-Bains in Südfrankreich , ca. 120 km von der spanischen Grenze, festgenommen und in Sournia, einem kleinen Dorf, interniert. Am 25.08.1942 wurden Moritz, Hedwig und Vera Henriette Hertz in das Camp Rivesaltes deportiert wo sie am 26.08.1942 registriert wurden.
Am 04.09.1942 wurden Moritz und Hedwig Hertz ohne Tochter Vera aus dem Camp Rivesaltes in das Sammel- und Durchgangslager Drancy deportiert.
Moritz und Hedwig Hertz wurden am 11.09.1942 von Drancy mit dem RSHA Transport Nr. 31, gemeinsam mit weiteren 1000 Personen, in das KZ Auschwitz deportiert. In Kosel mussten etwa 250 arbeitsfähige Männer den Transport verlassen. In Auschwitz wurden weitere 2 Männer und 78 Frauen zur Arbeit selektiert. Die übrigen 670 Personen, darunter 171 Kinder, wurden direkt in die Gaskammern geschickt. Moritz Hertz und Hedwig Hertz wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Vera Henriette Hertz, geb. 15.05.1930 in Mainz. Tochter von Moritz und Hedwig Hertz, geb. Oppenheimer. Sie wuchs in Guntersblum und Mainz auf.
Vera Henriette floh mit ihren Eltern im Alter von 8 Jahren nach Frankreich und wurde im Alter von 12 Jahren, vor der Deportation ihrer Eltern und mit deren Einverständnis, durch eine Kinderhilfsorganisation oder die Resistance aus dem Camp Rivesaltes befreit und bis zum Kriegsende im Kloster Lycee Carcasonne, versteckt. Nach der Befreiung lebte sie in Mende und Moisacce, Tarn et Garonne sowie in Paris bevor sie im Januar 1947 mit dem Schiff nach England und anschließend mit Pan Am nach New York reiste, wo sie in der Familie ihres Onkels Ludwig Aufnahme fand.
Im Jahr 1954 erhielt Vera Henriette die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie heiratete im Jahr 1955 Bela Reichman in New Rochelle. Das Ehepaar hat einen Sohn und eine Tochter. Vera Henriette Reichman geb. Hertz verstarb am 19.04.2017.
Das Schicksal der Geschwister von Moritz Hertz ist in den Guntersblumer Blättern „ Stolpersteine in Guntersblum“, Auflage 3 und 4 nachzulesen.
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