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Fanny oo Max Valfer, Poststraße 2, Kippenheim

Biografie von Max Valfer und Fanny Valfer, geb. Wertheimer

Stolpersteine verlegt am 13.01.2005

Max Valfer und seine aus Diersburg stammende Frau Fanny gingen am 12. September 1907 die Ehe ein. Max Valfer führte einen gut gehenden Tabakwarengroßhandel in der Poststraße, den er nach dem Ersten Weltkrieg mit Unterstützung seines ältesten Sohns Karl (1909-1975) aufgebaut hatte. Vom antisemitischen Boykott am 1. April 1933 blieb sein Betrieb verschont, er konnte sogar zwischen 1933 und 1938 seine Umsätze deutlich steigern.
Alle sechs Kinder des Ehepaars Valfer hatten sich durch eine rechtzeitige Auswanderung vor den Nationalsozialisten in Sicherheit bringen können. Die älteste Tochter, Freya Valfer (1910-2003) und ihr Mann Ludwig Maier und die vierjährige Tochter Sonja bestiegen am 13. Mai 1939 den Dampfer St. Louis mit dem Ziel Havanna. Doch als das Schiff anlegen wollte, verbot die kubanische Regierung den über 900 jüdischen Passagieren an Land zu gehen. Auch benachbarten USA lehnten es ab, die Geflüchteten aufzunehmen. Nach diplomatischen Initiativen öffneten schließlich einige europäische Staaten der St. Louis ihre Häfen. Die Familie Maier hatte großes Glück, sie durfte in Großbritannien an Land und in die Freiheit gehen. Auch der älteste Sohn Karl war im Juli 1939 nach Großbritannien emigriert wie auch seine Schwester Else, geb. Wertheimer (1913-1985). Ruth, verh. Bergmann (1915-2003) wechselte 1933 von der Höheren Handelsschule Lahr an die jüdische Haushaltungsschule in Frankfurt. Bis zu ihrer Auswanderung in die USA (1937) arbeitete sie im elterlichen Geschäft. Gustav Erich (1919-2006), der jüngste der Valfer-Kinder, absolvierte im März 1938 (!) als einziger Jude sein Abitur auf dem Ettenheimer Real-Gymnasium. Anschließend emigrierte er nach Italien, später in die Schweiz und im Frühjahr 1939 nach Palästina, wo er sich am Technion in Haifa einschrieb. Als bei Kriegsausbruch im September 1939 sein Vater, die monatliche Überweisung der Unterhaltsbeiträge einstellen musste, brach Gustav Erich sein Studium ab und suchte sich Arbeit in einer Kaffeerösterei.
Das Ehepaar Fanny und Max Valfer bemühte sich erst spät um ihre Auswanderung. Als sie im September 1938 am amerikanischen Konsulat in Stuttgart vorsprachen, mussten sie sich in eine lange Warteschlange einreihen. Als ehemaliger Wehrmacht-Feldwebel fühlte sich Max Valfer in Deutschland sicher, sogar im Hitler-Deutschland. Immer wieder sagte er seinen Kindern: „Niemand kann uns wegnehmen, was wir aufgebaut haben.“ Dass diese Hoffnung trug, machte ihm spätstens das Novemberpogrom am 9./10. November 1938 deutlich, als er, sein Sohn Karl und die anderen jüdischen Männer Kippenheims in das KZ-Dachau gebracht wurden. Erst am 2. Dezember 1938 kam er wieder frei. In seiner Abwesenheit führte seine Frau die Tabakwarenhandlung weiter, bis sie von den Behörden zur Aufgabe gezwungen wurde.
Als Ludwig und Freya Maier nach Kuba abfuhren, gingen sie davon aus, das sie ihre Eltern in absehbare Zeit nachholen würden, wie Freya berichtete: „Ich sehe heute noch meine Eltern zum Abschied Glück wünschen, und das war das letzte Mal, dass ich meine Eltern gesehen habe sehr traurig und kann man nicht vergessen.“

Dass der Beschluss der badischen Nationalsozialisten, ihren Gau am 22. Oktober 1940 „judenfrei“ zu machen, auch in Kippenheim umgesetzt wurde, belegen fünf Fotos, die ein Fotograf von der Abholung der Jüdinnen und Juden gemacht hatte. Eines dieser Lichtbilder zeigt Max Valfer und seine Ehefrau Fanny, wie sie mühevoll auf einen der wartenden LKWs steigen. Die Wagen fuhren zum Offenburger Bahnhof, wo ein Sonderzug hielt, der sie und andere badische Jüdinnen und Juden nach Frankreich fahren sollte. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir so arm und hilflos geworden sind [...] Meine Augen schmerzen vom Weinen,“ schrieb Fanny nach ihrer Ankunft im Lager Gurs Verwandten in den USA. Obwohl das Ehepaar alle notwendigen Einwanderungspapiere für die USA vorlegen konnte, stockte der Prozess der Visaerteilung, wie Fanny Valfer in einem Brief vom März 1942 ihren Kindern klagte: „Als ich hier ankam, rechneten wir damit, nach vier Wochen in die Vereinigten Staaten abzureisen. So hat es nicht geklappt. Jetzt müssen wir warten, bis wir an der Reihe sind. In dieser schwierigen Zeit haben wir nichts zu tun als zu leiden.“ Der mittlerweile in Chicago lebende Sohn Karl setzte alles daran, seine Eltern zu sich in die USA zu holen. Als Ende Juli 1942 das „Interdepartmental Visa Review Committee“ in Washington der Einwanderung von Fanny und Max Valfer endlich zustimmten, meldete er sich umgehend bei ihnen: „Ich kann vor Freude kaum arbeiten“. Doch als diese Nachricht das Lager erreichte, waren sie schon nicht mehr dort. Die Nationalsozialisten hatten Fanny und Max Valfer am 8. August 1942 in das Durchgangslager Drancy bei Paris bringen und dann am 12. August 1942 weiter mit dem Transport 21 nach Auschwitz verschleppen lassen. Dort angekommen wurden sie von den Nationalsozialisten sofort ermordet.

Quelle Text: Jürgen Stude

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Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025