Biografie von Isidor Eppler, Bertha Eppler und 4 weitere
Isidor Eppler (*16.03.1868, Mutterstadt) betrieb einen „gutgehenden“ Viehhandel in der Neustadter Str. 15.
Aus seiner ersten Ehe mit Rosalie geb. Neu (*05.11.1873, Edenkoben - 26.04.1914 Mutterstadt) gingen zwei Söhne hervor: Jakob (*04.09.1896, Mutterstadt) und Eugen (* 21.07.1899 Mutterstadt). Jakob wurde ebenfalls Viehhändler und heiratete 1925 Paula Siegel in Eubigheim. Sie bekamen ebenfalls zwei Söhne: Kurt (*14.10.1926 Ludwigshafen) und Heinz (*11.09.1927, Mannheim).
„Isidor und sein Sohn Jakob waren […] in die Gesellschaft integriert und geachtete Bürger, besuchten am Schabbat den Gottesdienst in der Synagoge und feierten im Kreis der Familie die jüdischen Feiertage.“
Heinz und sein Bruder Kurt besuchten die Volksschule in Mutterstadt. „Als Hitler an die Macht kam, fühlten wir uns Jahr um Jahr mehr und mehr isoliert“. Heinz erinnerte sich an die nächtlichen Fackelzüge der Nazis und wie SA und SS das Anwesen in der Neustadter Straße als ‚von Juden bewohnt‘ markierten. Das Anwesen bestand aus zwei Häusern, dahinter lagen die Ställe für Kühe und Pferde, eine Scheune und ein Garten mit Gemüse und Blumen.
Im August 1938 emigrierte Jakob mit Frau und Kindern nach Cleveland/Ohio. Alle hatten mit Hilfe von Verwandten in den USA Visa bekommen. Heinz war zehn und Kurt elf Jahre alt. Der Großvater blieb zurück. Ende Dezember 1938, 24 Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, heiratete Isidor ihre Schwester Bertha (*04.06.1872, Edenkoben).
Isidor und Bertha wurden am 22.10.1940 nach Gurs verschleppt. Dort starb Isidor am 11.01.1941. Bertha kam von Gurs („Ilôt“/Block 1, Baracke 24) aus in das Auswandererlager Marseille, „Hôtel du Levant“, wo sie am 17.04.1944 verstarb. Sie hatte Papiere zur Ausreise in die USA und auf dem Schiff Excalibur, das am 02.01.1942 von Lissabon Richtung USA ablegen sollte, war ein Platz für sie reserviert.
Heinz wurde nach dem Dienst in der US-Armee Kaufmann und baute zusammen mit seinem Bruder ein erfolgreiches Textilunternehmen auf . Kurt starb mit 69 Jahren. 1984 verkaufte Heinz das Unternehmen und war vier Jahre Präsident, danach Ehrenpräsident, des „American Jewish Joint Distribution Committee“, einer jüdischen Hilfsorganisation mit Sitz in New York. In den 1990er-Jahren kam es durch die Bürgeraktion „Gedenken und Versöhnungskultur mit überlebenden jüdischen Mutterstadtern“ zur Kontaktaufnahme mit Heinz Eppler. Dieser besuchte daraufhin mehrmals Mutterstadt, so zum Beispiel 1998, als er seiner Ehefrau Ruthe und den Enkelkindern das Dorf und die Wurzeln der Familie zeigte. 2005 hielt er bei der Gedenkveranstaltung der protestantischen Kirche zur Erinnerung an die 100 Jahre zuvor eingeweihte Synagoge eine berührende „Versöhnungsrede“. Außerdem spendete er eine hohe Summe für die Restaurierung der Stumm-Orgel der protestantischen Kirche.
Bei der Enkelin Nancy befand sich noch im Jahr 2003 das „Ewige Licht“ der Mutterstadter Synagoge. Es war ein Hochzeitsgeschenk. Nachdem die Öllampe kurz nach dem ersten Weltkrieg durch eine elektrische ersetzt wurde, hatte man sie aufbewahrt. 1938 übergab sie der jüdische Gemeindevorsteher Theodor Marx (1872 - 1958), Großvater Werner Dellheims, an Paula Eppler, als hätte er die Zerstörung der Synagoge vorausgesehen. Herbert Metzger, damals Mitglied des Historischen Vereins e. V., Ortsgruppe Mutterstadt, entdeckte die Lampe bei seinem Besuch der Epplers in New York im Jahr 2003.
Heinz Eppler starb am 14. Oktober 2012 in New York.
Jakob Eppler (*04.09.1896, Mutterstadt) war wie sein Vater Isidor (*16.03.1886, Mutterstadt) Viehhändler und heiratete 1925 Paula Siegel (*14.05.1907, Eubigheim) in Eubigheim. Sie bekamen zwei Söhne: Kurt (*14.10.1926, Ludwigshafen) und Heinz (*11.09.1927, Mannheim).
Die Familie lebte zusammen mit dem Großvater und seiner Frau Bertha auf dem Hof in der Neustadter Str. 15, der aus zwei Häusern, Ställen, einem Garten und einer Scheune bestand. Isidor und Jakob „arbeiteten hart, waren geachtete Bürger in der Gemeinschaft, stolz Deutsche zu sein und stolz Juden zu sein“. Jakob kämpfte für Deutschland im Ersten Weltkrieg und wurde mit mehreren Medaillen und schließlich mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Darauf war er zeit seines Lebens stolz.
Kurt und Heinz besuchten bis 1938 die Volksschule in Mutterstadt. Sie gehörten nicht zur „Hitlerjugend“ und bekamen dies zu spüren, lebten immer mehr in Isolation. Über Verwandte von Paula Eppler bekam die Familie Visa für die USA. Am 31. August 1938 legte die Queen Mary in Cherbourg (Normandie) ab und brachte Jakob, Paula, Kurt und Heinz nach New York. Von hier aus fuhren sie zu ihren Verwandten nach Cleveland/Ohio, wo sie sich ein neues Leben aufbauen mussten. Heinz war zehn und Kurt elf Jahre alt. Der Großvater Isidor blieb zurück und starb in Gurs, seine Frau Bertha im Auswandererlager Marseille.
„Meine Eltern haben sich sehr angestrengt, um Amerikaner zu werden. Ihr Leben war zerstört, sie waren tief verletzt, als sie gezwungen wurden, das Land, in dem sie geboren wurden, zu verlassen.“ Sie arbeiteten hart. Jakob starb 1975 in Cleveland, Paula 1985 in Florida.
Heinz und Kurt wurden nach dem Dienst in der US-Armee Kaufmänner und bauten zusammen ein erfolgreiches Textilunternehmen auf. Kurt heiratete Shirley Ruth Bernstein und bekam mit ihr einen Sohn, Marc (*1952) und eine Tochter, Rita (*1956). Beide sind ebenfalls verheiratet und haben Kinder. Kurt Eppler starb am 01.07.1996 in Lakewood, Ohio, Shirley Eppler im April 2023 in Cleveland. 2012 starb Heinz Eppler 2012 in New York. Auch er hinterließ Kinder und Enkelkinder.
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