Biografie von Max, Martha und Heinz Gembitz
Max, Martha und Heinz Gembitz - Antonienstr. 14
Max und Martha Gembitz wuchsen, in der Nähe von Posen auf. Am 21.12.1888 wurde Max in Strelno geboren. Martha kam am 14.7.1986 in Gnesen zur Welt.
Nach dem Kriegsdienst unter deutscher Flagge und französischer Kriegsgefangenschaft kam Max erst 1920 wieder nach Hause. Er heiratete Martha Gimkiewicz und im Mai 1921 wurde ihr gemeinsamer Sohn Heinz geboren. Ein Jahr später zog die Familie nach Leipzig.
Hier eröffnete Max eine Schuh- und Lederwarenhandlung in der Merseburgerstr. 71, wo die junge Familie zunächst auch wohnte. Seit 1929 wohnte die Familie in der Antonienstr. 14. Max Gembitz schaffte es, während der zahlreichen wirtschaftlichen Krisen der 1920er/30er Jahre sein Geschäft zu halten und damit einen bescheidenen Wohlstand zu erwirtschaften.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gebracht wurden, war Heinz Gembitz 12 Jahre alt. Er besuchte das Realgymnasium im zweiten Jahr und zunächst blieb für ihn alles wie gewohnt. Heinz spielt im jüdischen Sportklub Schild der Sportvereinigung des Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten (RjF) Handball und traf sich manchmal in einer Turnhalle im Leipziger Zentrum zum Tischtennisspielen mit Freundinnen und Freunden aus dem Verein.
Max und Martha Gembitz erkannten recht bald die Zeichen der Zeit, in der die Nazis die jüdische Bevölkerung immer mehr ausgegrenzte und entschieden, dass Heinz kein Studium aufnehmen solle, sondern einen Beruf erlernen müsse. Er begann eine Ausbildung an der Bertholdschen Unterrichtsanstalt in der Salomonstraße. Danach lernte er bei dem jüdischen Installateur Michael Baschis im Waldstraßenviertel. Dort blieb er bis März 1938. Danach ging Heinz nach Berlin, um an einer Privatschule Maschinen- und Elektrotechnik zu studieren.
Die Pogrome vom 9./10. November 1938 verschärfte die Lebenssituation extrem. Heinz musste sein Studium aufgeben, Max Gembitz sein Geschäft verkaufen. Die Schäden der Pogrome sollten die Opfer auch noch selbst tragen. Die Familie Gemlitz musste 8.600 Reichsmark als sog. "Sühneleistung" zahlen. Nun forcierte die Familie ihre Ausreisepläne. Ein Bruder von Max lebte bereits in Kolumbien, daher war Südamerika ihr Ziel. Doch für die meisten Länder herrschten strenge Einreisebeschränkungen. Eine Ausreise war zudem mit sehr viel Geld für die erforderlichen Visa und die Reise verbunden. Im April 1939 gelang es ihnen, drei Visa für Kuba zu bekommen.
Am 13. Mai 1939 begann in Hamburg die "Irrfahrt der St. Louis". Als das Schiff am 28. Mai Havanna erreichte, wurde den 937 jüdischen Passagieren die Einreise verweigert. Max' Bruder Alfred schickte kolumbianische Visa nach Kuba. Für 5.000 Dollar pro Person hätte die 3-köpfige Familie das Schiff verlassen können. Doch über eine solch hohe Summe verfügten sie nicht. Auf der Suche nach einem Hafen verließ die "St. Louis" Kuba in Richtung Florida. Allerdings weigerten sich sämtliche Länder auf dem amerikanischen Kontinent, die Flüchtenden an Land zu lassen. Das Schiff nahm also wieder Kurs zurück nach Hamburg. Nach zähen Verhandlungen jüdischer Hilfsorganisationen, dem Kapitän des Schiffes, Gustav Schröder, und dem Druck der internationalen Medienlandschaft, erklärten sich Holland, Frankreich, Belgien und England in letzter Minute bereit, jeweils einen Teil der Passagiere der "St. Louis" aufzunehmen.
Die Familie Gembitz blieb in Frankreich. Nach Ausbruch des Krieges wurden Max und Heinz als "feindliche Ausländer" in ein Internierungslager gebracht. Unterdessen gelang es Martha in Paris, die Visa für Kolumbien, die Alfred besorgt hatte, zu bekommen. Im Januar 1940 gelang ihnen die erneute Flucht mit einem Frachtschiff. Neun Monate nach ihrer Flucht aus Deutschland kam die Familie am 12. Februar 1940 im sicheren Kolumbien an.
Recherchen: Manuel Wagner (Zschocher-History, Lixer e.V.)
Ausführliche Infos unter: https://zschocher-history.de/familie-gembitz/
Patenschaft: Daniela Schmohl
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