Biografie von Chaim, Rosa, Ester und Jetti Sperling
Familie Sperling- Leibnizstr. 20
Chaim Sperling, der Sohn von Shmuel Sperling und Gitel Falek/Steinberger, wurde am 22. März 1888 in Trichana (bei Bochnia) geboren. Rosa Scheindel Giesser, die Tochter von Isaak Gieser und Ester Wanderer, wurde am 16. Mai 1887 in Zabno, Polen, geboren.
Chaim und Rosa heirateten im Jahr 1910. Ihre erste Tochter Ester Reisal wurde am 8. Oktober 1911 in Zabno geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog die junge Familie 1919 nach Leipzig. Hier wurde ihre zweite Tochter Jetti am 28.8.1920 geboren.
Die Familie Sperling wohnte im 1. Stock des Hauses in der Leibnizstraße 20 und praktizierte die jüdische Religion. Chaim hatte eine gute Stimme, so dass er gelegentlich als Kantor in der kleinen Synagoge in der Nähe des Hauses sang. Zusammen mit seinem Geschäftspartner David Isak Horn, der ebenfalls ein Opfer der Shoah wurde, gründeten sie ein Pelzgeschäft "Horn & Sperling" im Brühl 54.
Durch die Neuziehung der Staatsgrenzen nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Menschen aus Galizien plötzlich polnische Staatsbürger. Am 28. Oktober 1938 versuchten die Nationalsozialisten, alle diese Menschen nach Polen abzuschieben (so genannte Polenaktion). Chaim und seine Tochter Ester gingen nach Krakau. Rosa war krank und lag im Krankenhaus, so dass sie und ihre Tochter Jetti in Leipzig blieben und den Horror der Novemberpogrome 1938 miterlebten.
Zu diesem Zeitpunkt konnten die Juden nicht mehr uneingeschränkt leben. Ihr gesamtes Vermögen und ihre Bankguthaben wurden von den Nazis eingefroren. Jetti, die zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt war, leitete das Pelzgeschäft. Es gelang ihr, alle ausstehenden Zahlungen einzutreiben und die meisten der verbliebenen Waren zu verkaufen. Die Polizei lud sie wegen des Verdachts der „Verlagerung ihres Vermögens ins Ausland“ vor. Dieser Vorwurf verstieß gegen das damals geltende Recht. Am 24. Dezember 1938 wurden Rosa und Jetti zu einer polizeilichen Vernehmung vorgeladen, erschienen aber nicht. Jetti und ihrer Mutter Rosa gelang es in der Silvesternacht (31. Dezember 1938) zu fliehen und die Grenze nach Polen zu überqueren (vermutlich am Grenzübergang Bytom).
Mit Hilfe ihres Verlobten Karl Kremnitzer in England erhielt Ester eine Einreiseerlaubnis nach England und konnte 1940 dorthin fliehen. Ester und Karl heirateten in England und emigrierten im Mai 1948 in die USA.
Jetti war Mitglied der zionistischen Jugendorganisation Hapoel Hamizrachi. Zusammen mit 30 anderen Jugendlichen, die alle Mitglieder der Organisation waren, wurden sie an der polnisch-litauischen Grenze für die Arbeit auf dem Land ausgebildet. Die Gruppe wanderte nach Kriegsbeginn etwa zwei Jahre lang durch Europa, um dem deutschen Vormarsch und mancherorts auch den örtlichen Anfeindungen zu entgehen. Ein Teil der Gruppe erreichte im Februar 1941 Palästina. Jetti erhielt am 14. Mai 1948 die israelische Staatsbürgerschaft.
Was mit Chaim (52 Jahre alt) und Rosa Scheindel Sperling (53 Jahre alt) geschah, ist nicht bekannt. Der letzte erhaltene Brief, den Chaim aus Zabno an seine Tochter Ester schrieb, ist vom 8. September 1940.
Recherchen: Dr. Gideon Tibor (Enkel, Sohn von Jetti Sperling)
Medien
Fotos
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.Stolpersteine in der Nähe
Armin Abraham Haber120 m
Gabriel Nathansen120 m
Aron Lederberger120 m
Conrad Weil130 m
Erich Julius Weil140 m
Elfriede Altmann140 m
Quellen & Impressum
https://www.stolpersteine-leipzig.de
stolpersteine@archiv-buergerbewegung.de
Tel: 0341/3065175
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig
Ephraim-Carlebach-Stiftung
Bürgerkomitee e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.