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Doderer, Friedrich

Biografie von Friedrich Doderer

Friedrich Wilhelm Doderer (1901 bis 1940)

geb. am 23. Januar 1901 als Sohn des Spinnmeisters Wilhelm Friedrich Doderer (1873 bis 1941) und dessen Ehefrau Anna Pauline geb. Gissler (1878 bis 1947) in Backnang. Er war das älteste von fünf Geschwistern und verlebte eine ruhige und schöne Kindheit mit liebevollen Eltern und Großeltern.

Er wuchs in dem Vierfamilienhaus Eugen- Adolff Str.12 auf, in der Nähe des heutigen Hotels. Das Foto, das auf der Rückseite das Datum vom 19.8.1934 trägt, zeigt in den Fenstern des oberen Stockwerkes seinen Vater und seine Mutter, in der Mitte seine Schwester Paula Blumhardt geb. Doderer mit ihrer Tochter Waltraud; in der Mitte: Helene Stadelmaier.

Die Großfamilie bewirtschaftete zudem ein 14 ar großes Gartengrundstück in den Mühläckern. Als Sohn der Stadt wurde Friedrich Doderer in der Stiftskirche getauft und konfirmiert und besuchte hier die Volksschule. Laut Einwohnermeldekarte erlernte er den Beruf eines Gerbereiarbeiters. Offensichtlich hatte er aber weit darüber hinaus weisende Fähigkeiten. So lässt sich auch erklären, warum auf der Einwohnermeldekarte sein eigentlicher Beruf "Gerbereiarbeiter" durchgestrichen und durch "Erfinder" ersetzt wurde.

Unklar bleibt, wieso Frieder am 30.4.31 nach Angaben der Heilanstalt Winnenthal am 30.9.1930 dortselbst eingeliefert wurde. Ein Foto von 1931 zeigt Frieder Doderer als Dreißigjährigen. Er sitzt gelassen auf einer Bank, trägt einen modischen dreiteiligen dunklen Anzug. Seine Haare sind akkurat gescheitelt, er hat ein freundliches, offenes Gesicht. Ein anderes Foto zeigt ihn mit seiner Schwester Paula – beide lachen unbeschwert in die Kamera.

Am 3. Juli 1940 wird die Familie von einem Schreiben aus Grafeneck überrascht. In dem von einem Dr. Keller unterzeichneten Brief wird dem Vater mitgeteilt, dass sein Sohn Friedrich „auf ministerielle Anweisung gemäß Weisung des Reichsverteidigungskommissars in die hiesige Anstalt verlegt werden musste (und) unerwartet am 2. Juli 1940 infolge Gesichtsrose mit anschließender Blutvergiftung gestorben ist.

Das offizielle Schreiben lügt über die Todesursache und auch den Todeszeitpunkt In Wahrheit wurde Friedrich Doderer am 11. Juni 1940 von Winnenthal nach Grafeneck deportiert und am selben Tag in dieser ersten Todesfabrik umgebracht.

Weiter heißt es in dem Schreiben: “ Bei seiner schweren, unheilbaren Erkrankung bedeutet sein Tod Erlösung für ihn“. Es nimmt nicht wunder, dass Frieders Vater ärgerlich und mit roter Farbe das „Heil Hitler“ durchgestrichen hat, hat er doch Hitler als „Gauner und Verbrecher“ angeklagt.

Die Urne von Friedrich Doderer wurde im elterlichen Grab beigesetzt, die Grabstätte ist aber jetzt aufgelöst.

Bernd Hecktor

Quellen

Bernhard Trefz:Ungeheilt in eine andere Anstalt verlegt..."- Das tragische Schicksal der Backnanger "Euthanasie" Opfer, in: Backnanger Jahrbuch 2011,hrsg. von Gerhard Fritz und Bernhard Trefz, S 154 - 171

Heilanstalt Winnental: "Liste der am 11. Juni 1940 nach Grafeneck Kreis Münsingen verlegten Geisteskranken", im Besitz der Gedenkstätte Grafeneck

Staatsarchiv Ludwigsburg: F 235III, Bü 145

Fotos im Besitz der Angehörigen von Friedrich Doderer

Schreiben Grafeneck vom 3.7.1940 im Besitz der Angehörigen

Zeichnungen für eine Patentanmeldung im Besitz der Angehörigen

Beschreibung des Patents im Besitz der Angehörigen

Schreiben des Patent – und Ingenieurbüros Gloede im Besitz der Angehörigen

Doderer, Friedrich sen. und Doderer Friedrich jun.: "Improvements in power plants" Deutsches Patent- und Markenamt http://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/, Dokument GB000000266977A (23.10.2012 22:39)

Doderer, Friedrich sen. und Doderer Friedrich jun.: "Ensemble moteur" Deutsches Patent- und Markenamt http://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/, Dokument FR000000618965A (23.10.2012 22:39)

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