Biografie von Julius Grünewald, Jakob Grünewald und 3 weitere
Julius Grünewald (*1890) war der Sohn von Leopold Grünewald (* 22.06.1857 in Gösenroth – gest. 30.03.1929 in Rhaunen) und dessen Ehefrau Johanna (geb. Diehl *30.01.1855 in Pleisweiler bei Bergzabern – gest. 11.05.1940). Die Grünewalds führten in Rhaunen ein gut gehendes Schuhgeschäft, das während des Pogroms am Abend des 10.11.1938 geplündert und niedergebrannt wurde. Dabei wurden die fast 84jährige Johanna Grünewald und ihre Tochter Rosa Grünewald (*17.06.1897) aufs Schwerste misshandelt, wobei der braune Mob über Rosa herfiel, um sie brutal zu vergewaltigen.
Danach wurden Rosa und ihre alte Mutter nackt durch die Straße gejagt. Rosa hat danach versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden.
Erst nach eindringlichem Flehen gelang es, den ansässigen Arzt zu bewegen die medizinische Versorgung zu übernehmen. Er hatte Angst selbst Opfer der johlenden, tobenden Menge zu werden. Dies alles belastete Julius Grünewald so sehr, dass er psychisch erkrankte und im folgenden Jahr in eine Nervenklinik in Bonn eingewiesen wurde. Ob sich Julius Grünewald am 17. August 1939 dort dem weiteren Terror der Nazis durch Flucht in den Tod entzog oder ob er im Rahmen des „Euthanasie-Programms“ von seinen Ärzten ermordet wurde, wie fast zweihunderttausend seiner Leidensgenossen, lässt sich derzeit nicht beantworten. Mittlerweile unbestritten ist die tiefe Verstrickung vieler Psychiater in die Mordmaschinerie der Nazis. „Ihre Untaten waren von so ungezügelter und zugleich bürokratisch-sachlich organisierter Lieblosigkeit, Bosheit und Mordgier, dass niemand ohne tiefste Scham darüber zu lesen vermag.“ (A. Mitscherlich u. F. Mielke als Chronisten des Nürnberger Ärzteprozesses, 1947).
Rosa Grünewald wurde am 16.10.1941 nach Lodz deportiert, wo sie mit Datum 17.07.1943 für tot erklärt wurde. Auch zwei weitere Geschwister von Julius erlitten das gleiche Schicksal: Bertha Grünewald (*20.03.1887) und Moses Grünewald (*14.04.1888) wurden am 10. und 11.12.1941 von Anrath aus ab Düsseldorf über Riga nach Auschwitz deportiert (siehe unten). Beide wurden 1945 für tot erklärt. Lediglich Bruder Mirtel Grünewald (*26.06.1895) und dessen Ehefrau Rosa (geb. Josef *30.11.1899 in Laufersweiler) konnten am 12.06.1936 nach Palästina fliehen. Auch einem Neffen, Berthas Sohn Jakob Grünewald (*13.11.1919), gelang 1939 die Flucht nach England, das er 1947 Richtung USA verließ.
Foto Julius Grünewald Quelle: Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland (ALVR) Nr. 63.279
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Hermann Mosel für Arbeitskreis "Stolpersteine" Rhaunen
Datenerfassung: Stephanie Mosel, Hermeskeil
Arbeitskreis "Stolpersteine" Rhaunen: Gernot Fritz, Rhaunen
Hermann Mosel, Stipshausen (Texte)