Biografie von Julius Lenhardt
In einem alten Haus in der Pühlstraße wohnte Julius Lenhardt, der am 26. Januar 1881 in Schnabbach/Saarland (jüngster Stadtteil von Sulzbach/Saar) geboren wurde und erst während des Krieges in Rhaunen zugezogen war. Den Uhrmacher Lenhardt widerte das nationalsozialistische Unrechtssystem an. Aus dieser Abneigung machte der Katholik auch keinen Hehl. Nur wenige Tage bevor die Amerikaner den Hunsrück von dem menschenverachtenden braunen Terror befreiten, triumphierte Lenhardt lauthals und unerschrocken gegenüber einigen lokalen Nazigrößen, er werde den Amis schon davon berichten, was hier in Rhaunen so alles vorgefallen sei. Es war wohl diese Bemerkung, die ihn am 13. März 1945 das Leben kostete. Man fand ihn mit einem Genickschuss tot in seiner Wohnung liegend. Protokolliert wurde hingegen schlicht „Blutsturz.“ Morde und Gewalttaten zu verschleiern war bei den Nazis nicht unüblich. Wegen seiner kritischen Äußerungen war es für Lenhardt schwer in Rhaunen einen einträglichen Kundenstamm aufzubauen. Man hatte einfach Angst, mit ihm und seiner oppositionellen Haltung in Verbindung gebracht zu werden. Wie ein Zeitzeuge nach Ende des Krieges berichtete, soll es in der Endphase des Krieges in Rhaunen eine Liste mit unliebsamen Personen aus dem Amtsbezirk gegeben haben, die man eliminieren wollte. Allem Anschein nach sollten die mutmaßlichen Opfer im Idarwald erschossen und verscharrt werden. Zum Vollzug kam es offenbar wegen des nahenden Kriegsendes nicht mehr. Ein weiterer Zeitzeuge berichtete, er habe in dieser Zeit Uniformierte gesehen, die sich mit Arbeitsgeräten im Wald zu schaffen machten. Später entdeckte er dort jene typischen Gräben, wie sie zur Erschießung von Opfern des Naziterrors angelegt wurden. Die drei Gräben im Idarwald sind noch heute vorhanden. Auffällig ist die Ähnlichkeit der Gräben mit jenen, die im Umfeld des KZ Hinzert bei Hermeskeil dokumentiert sind. Mindestens in einem Fall, zur Erschießung sowjetischer Gefangener aus dem Lager Baumholder, wurden auch dort die Gräben von Soldaten ausgehoben.
Ob es jene Todesliste wirklich gegeben hat und ob Julius Lenhardt darauf aufgeführt war, kann nach derzeitigem Wissensstand nicht beantwortet werden. Aber bis in unsere Tage versuchen Ewiggestrige den Mord an Lenhardt damit zu rechtfertigen, der Uhrmacher habe mit einem Peilsender die Amerikaner nach Rhaunen geleitet!
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Quellen & Impressum
Hermann Mosel für Arbeitskreis "Stolpersteine" Rhaunen
Datenerfassung: Stephanie Mosel, Hermeskeil
Arbeitskreis "Stolpersteine" Rhaunen: Gernot Fritz, Rhaunen
Hermann Mosel, Stipshausen (Texte)