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Johann Reiner

Biography of Johann Reiner

Johann Reiner: Unter Spionageverdacht

Ein jüdischer Arzt, der ins Visier der Geheimpolizei geriet, weil er mit einer Französin verheiratet war und zumindest Kontakte zu den Freimaurern hatte. Er flüchtete schon 1935 aus Koblenz zunächst nach Lothringen, später nach Prag.

Dr. Johann Reiner, Jahrgang 1886, stammte aus Teplice im heutigen Tschechien. 1927 kam er über Berlin nach Koblenz und eröffnete dort eine eigene Praxis. Schon früh geriet er unter Spionageverdacht. Ein Koblenzer Polizist, der bei ihm Patient war, warnte ihn, so dass er mit seiner Familie rechtzeitig flüchten und zunächst bei Verwandten in Lothringen Unterschlupf finden konnte. Zwei Jahre später ging er aber nach Prag und arbeitete dort in einer Kinderklinik. Wieder wurde er von der Geheimpolizei überwacht. Der Verdacht diesmal: Schwarzmarkthandel. Im März 1945 wurde er in die Kleine Festung nach Theresienstadt deportiert. Dort wurden vor allem Widerstandskämpfer, Politiker und Künstler eingesperrt. Nur wenige Wochen vor Kriegsende, am 26. April 1945, wurde Dr. Johann Reiner erschossen.

Die Enkelin fragt nach: Was ist da passiert?

In seiner Familie wurde nicht darüber gesprochen. Enkelin Christine Müller, eine Lehrerin aus Frankfurt am Main, suchte in Archiven nach Informationen und sorgte auch dafür, dass am 13.11.2014 in Koblenz ein Stolperstein für ihren Großvater verlegt wurde. Sie erinnert sich: "Wir hatten als Familie den ersten Schwarzweiß-Fernseher. 1962 war das, das war ein Medium, was mich sehr fasziniert hat, und es lief da ein Dokumentarfilm über die Gräueltaten der Nazis. Ich kann mich noch erinnern an diese toten Menschenberge. Meine Mutter schrie plötzlich auf, wir sollen den Fernseher ausmachen und fing an, fürchterlich zu weinen. Ich wusste überhaupt nicht, was los war. Und dieser Kommentar und diese Bilder haben mich so neugierig gemacht. Und dann habe ich gesagt: Sag mal, was war denn da, was ist denn da passiert? Auch mein Vater forderte mich auf, den Fernseher auszumachen, sofort. Das war es erst mal. Und das war für mich die Initialzündung um nachzufragen: Was ist da passiert, was war da?"

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