Biography of Rosa Menzer
Wormser/Ecke Rosa-Menzer-Straße
Rosa Menzer
Hiende-Reise Litwin kam am 4. Januar 1886 als älteste Tochter von Markus und Behle-Ite Litwin in Plungė (Litauen) zur Welt. Das Paar hatte zwölf Kinder, von denen acht Töchter und Söhne überlebten. Die Kinder wuchsen jüdisch-orthodox auf. Aufgrund der großen Armut der Familie konnten nur zwei der Kinder eine Schule besuchen. Die Mutter unterrichtete die Tochter in Hebräisch und Jiddisch. Im Alter von zwölf Jahren begann sie eine Schneiderlehre.
Mit 20 Jahren ging sie nach Berlin und schloss sie sich dort jungen Sozialisten an. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Hausschneiderin. Aus Angst vor der drohenden Abschiebung als illegale Immigrantin floh Hiende-Reise Litwin im Jahr darauf nach Dresden. 1912 heiratete sie den um 20 Jahre älteren Schriftsteller und Bildhauer Max Menzer, der 1924 verstarb und mit dem sie die beiden Töchter Ilse (geb. 1914) und Ruth (geb. 1917) hatte. Max und Rosa Menzer waren Mitglieder der USPD, 1918 wechselte Rosa Menzer in die KPD. Sie war aktiv in der Striesener Parteigruppe, wurde 1924 Mitglied der Internationalen Arbeiterhilfe und leitete die Ortsgruppe Striesen, weshalb sie auch die „Rosa Luxemburg von Striesen“ genannt wurde. Ihre Wohnung wurde zum politischen Treffpunkt und zum Zufluchtsort für politisch Verfolgte.
1934 wurde sie aufgrund ihrer Arbeit für die KPD zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, die sie um Zuchthaus Waldheim absaß. Nach ihrer Rückkehr stand sie weiterhin unter polizeilicher Aufsicht. Am 21. Oktober 1939 wurde sie zur Gestapo bestellt, da sie angeblich Radio Moskau und Radio London gehört hatte, obwohl sie nachweislich kein Radiogerät mehr besaß. Vermutlich ist sie denunziert worden. Trotz der Einstellung ihres Verfahrens blieb sie in Haft und wurde am 15. März 1940 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Für kurze Zeit gab es einen intensiven, verschlüsselten und kontrollierten Briefwechsel mit ihren Töchtern. Nach zweijähriger Gefangenschaft kam Rosa Menzer im Zuge der „Aktion 14f13“ in die Tötungsanstalt Bernburg. Nach ihrer Ankunft wurde sie am 28. Mai 1942 in der Gaskammer ermordet. Rosa Menzer wurde 56 Jahre alt. Ihre Töchter erhielten die Nachricht, dass ihre Mutter an einem Krebsleiden verstorben sei. Auch ihre Tochter Ruth wurde aufgrund ihrer politischer Aktivitäten verhaftet. Beide Töchter haben die Shoa überlebt.
Seit 1946 trägt jene Straße ihres ehemaligen Wohnhauses auf der Markgraf-Heinrich-Straße 19 ihren Namen. Eine Grundschule auf der Rosa-Menzer-Straße 24 trug zwischen 1968 und 1991 ebenfalls ihren Namen. Zudem befindet sich ein Kenotaph im Ehrenhain des Heidefriedhofs Dresden.
Ihre Enkelinnen ließen in Gedenken an ihre Großmutter Rosa Menzer im September 2013 einen Stolperstein verlegen. Die Patenschaft übernahm das Frauenstadtarchiv Dresden.
Stolperstein Rosa-Menzer-Straße 19, 01309 Dresden
Quellen:
Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. (2006): Buch der Erinnerung. Juden in Dresden: Deportiert, ermordet, verschollen. 1933-1945. Thelem Universitätsverlag Dresden, S. 246f.
Jacobeit, Sigrid: „Die Rote Rosa von Striesen. Rosa Menzer“, in: Thoms-Heinrich, Lieselotte (1989): Kreuzweg Ravensbrück. Lebensbilder antifaschistischer Widerstandskämpferinnen. Verlag für die Frau Leipzig, S. 125-137.
Pieken, Gorch; Rogg, Matthias; Militärhistorisches Museum der Bundeswehr: „Die Rosa Luxemburg von Striesen. Rosa Menzer, 1886-1942“, in: dies. (2014): Schuhe von Toten. Dresden und die Shoa. Sandsteinverlag Dresden, S. 270-271.
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