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Paul, Maria Martha

Biography of Maria Martha Paul

Maria Martha Paul wurde am 29.1.1892 in Backnang geboren. Ihr Vater Hermann Paul war Schuhmacher, ihre Mutter Luise Marie geb. Beck sorgte sich um die Familie. Wir wissen von einer weiteren Schwester. Maria Martha wurde Martha gerufen und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in der Stuttgarter Straße 55; sie ging in die neu erbaute Volksschule am Schillerplatz und wurde in der Stiftskirche konfirmiert. Schon in jungen Jahren trug sie als Fabrikarbeiterin zum Familieneinkommen bei. Sie war beschäftigt in der Spinnerei Adolff, einer der größten Spinnereien Süddeutschlands. Nur ein kurzer Fußweg trennte sie von ihrem Arbeitsplatz, den sie wahrscheinlich ununterbrochen bis zu ihrem 32. Lebensjahr inne hatte.

Im Juli 1925, drei Jahre nach dem Tod ihres Vaters, kam sie zum ersten Mal in die nächstgelegene Heilanstalt, nach Winnenthal.

Eine eindeutige Sprache spricht aber der 1940 erstellte Meldebogen der Heilanstalt Winnenthal an die entscheidenden Bürokraten in Stuttgart und Berlin. Diese hatten auf persönliche Weisung von Adolf Hitler mit Beginn des Weltkrieges im September 1939 ein staatliches Mordprogramm aufgelegt, nach dem in fünf Vernichtungsanstalten in Deutschland und Österreich mehr als 70 000 Menschen ermordet wurden, weil sie angeblich für die Gesellschaft keinen Nutzen mehr hatten. Keinen Nutzen für die Gesellschaft hatte nach Ansicht von Dr. Otto Gutekunst, des ärztlichen Leiters in Winnenthal, auch Maria Martha Paul. Verhängnisvoll für sie wirkte sich aus, dass sie seit 1931 in der Heilanstalt Winnenthal war und alle ihre fünf Heimaufenthalte seit 1925 penibel aufgelistet wurden, Heimaufenthalte, die von der Kreisfürsorgebehörde Backnang finanziert wurden. In den Augen der Nationalsozialisten war sie deshalb eine "nutzlose Esserin". Maria Martha Paul wurde am 23.6.1940 von Winnenden nach Grafeneck verschleppt und am selben Tag in der eigens errichteten Gaskammer ermordet.

Bernd Hecktor

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