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Laura und Leon Kohs

Biography of Laura and Leon Kohs

Endersstr. 3
Laura und Leon Kohs

Leon Kohs wurde am 21.12.1871 in Brzesko geboren. Im Jahr 1899 heiratete er die acht Jahre jüngere Laura Tigner. Sie wurde am 25.5.1880 in Krakau geboren und entstammt einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie. Mit drei Kindern (Josef - geb. 1900, Regina - geb.1901, Salomea - geb. 1904) kam die Familie 1907 nach Leipzig, um eine Filiale des Tignerschen Pelzhandels zu eröffnen. Hier wurde 1908 Tochter Frida geboren.
In den 1920er Jahren verheirateten sich die drei älteren Kinder mit Mitgliedern der Familie Fischel, die aus Polen stammte: 1923 Regina und Willy Fischel, 1924 Salomea (Selly) und Willys Bruder Moritz (später Max), 1926 Josef und die jüngere Schwester der Fischel-Brüder, namens Dora (siehe Stolpersteine Uhlandstr. 8). Innerhalb von kaum drei Jahren wurden den drei Paaren drei Söhne geboren.
Kurz vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten äußerte Laura Kohs eine dunkle Vorahnung, wie sich der in den USA lebende Enkel Henry Fishel im Jahre 2015 erinnert: "Wenn Hitler kommt, wird es nicht gut sein für die Juden."
Leon Kohs besaß einen Altwarenladen in der Odermannstr 4 in Leipzig-Lindenau, der ein bescheidenes Einkommen ermöglichte. Durch die Abschiebung nach Polen verloren er und seine Familie jeglichen Besitz.
In den frühen Morgenstunden des 28. Oktober 1938 wurden polnische Juden in ganz Deutschland trotz gültiger Papiere von der Polizei des Landes verwiesen. Dieser Maßnahme der deutschen Behörden - bekannt als "Polenaktion" - ging ein Erlass der polnischen Regierung voraus, dass alle im Ausland wohnenden polnischen Staatsbürger, die größtenteils Juden waren, sich innerhalb von zwei Wochen einen Prüfvermerk in den Pass von den örtlichen polnischen Konsulaten stempeln lassen müssten. Die Androhung, dass sie ansonsten ihre polnische Staatsbürgerschaft verlieren würden, löste eine diplomatische Krise zwischen Deutschland und Polen aus. Am 26. Oktober 1938 warnte der deutsche Botschafter in Polen, dass tausende polnische Staatsbürger aus Deutschland ausgewiesen würden, sollte die polnische Regierung das Dekret nicht zurück nehmen. Da sich die polnische Regierung widersetzte bzw. die deutschen Drohungen nicht ernst nahm, ordnete der Reichsführer SS Heinrich Himmler an, dass alle polnischen Staatsbürger unverzüglich in Gruppentransporten über die deutsch - polnische Grenze abzuschieben seien.
Aus Josef Kohs Nachkriegsaufzeichnungen entsteht ein Bild von dem Grauen jener Tage:
"Es war am 28. Oktober 1938, an einem Freitag, als ich schon 6Uhr früh ein starkes Klopfen an meiner Tür vernahm. Ich öffnete die Tür und blickte auf zwei Polizisten, die mir mit Taschenlampen ins Gesicht leuchteten... Wir seien ausgewiesen. Unser Zug stehe schon bereit."
Die verzweifelten Menschen wurden zu bereitstehenden Zügen gebracht und zur Grenze gefahren. In Beuthen wurden sie mit Waffengewalt über die Grenze getrieben.
Die Familie Kohs-Fischel irrte durch verschiedene polnische Städte. Von der weitverzweigten Familie konnten sich nur wenige retten.
Laura und Leon Kohs fanden in Dabrowa bei Tarnow Unterkunft bei Verwandten. Hier fanden regelrechte Massenerschießungen statt, und viele Menschen wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert.
Vermutlich im Juli 1942 wurden Laura (62 Jahre) und Leon Kohs (70 Jahre) ermordet.

Quelle: Dr. Uta Larkey: Eine Familiengeschichte - Polnische Juden in Leipzig (unveröffentlicht)
Patenschaft: Dr. Uta Larkey

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