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Familie Meth-Cohn

Biography of Dorothea Meth-Cohn, Julius Cohn and Otto Meth-Cohn

Neue Straße 95/97 (Verlegung am 25.05.2016) - Lange Straße 18 stand gegenüber

Dr. phil. Julius Cohn wurde 1878 in Graudenz (Westpreußen) geboren. Nach anfänglichem Studium der Medizin in Berlin wechselte er zu Theologie und bestand 1913 das Rabbinerexamen. Er wurde Rabbiner in Karlsruhe und Stuttgart, dann 1928 Bezirksrabbiner in Ulm. Nach 1933 machte Cohn das Gemeindehaus zu einem Treffpunkt für Ulmer Juden, da sie ab 1933 sich nicht mehr öffentlich treffen durften, und zog selbst in die Lange Straße 18 (gegenüber der heutigen Neue Straße 95/97). In der Pogromnacht wurde er auf dem Weinhof misshandelt und schwer verletzt. Am 8. Februar 1939 heiratete er Dorothea Meth. Er konnte noch 1939 nach Großbritannien fliehen, starb aber an seinen Verletzungen am 18. März 1940.

Dorothea Meth-Cohn („Thea“) wurde 1904 in Schwäbisch Gmünd geboren. Man kannte sie als künstlerisch und literarisch interessierte Frau. Nach der Geburt 1935 ihres Sohnes Ernst-Otto wurde dieser zu ihrem Lebensmittelpunkt. Ab 1937 arbeitete sie im Kinderheim in Herrlingen und lernte zu dieser Zeit den Ulmer Rabbiner Julius Cohn kennen. Dessen Frau Herta war sterbenskrank und Thea zog in die Lange Straße 18, um sie zu pflegen. • Nach Hertas Tod, März 1938, und der Pogromnacht blieb sie dort um Cohn zu unterstützen. Sie bereiteten nun die Flucht nach Großbritannien vor, wozu ihre Heirat, Februar 1939, helfen sollte. Im Juni 1939 verabschiedete sich Thea von ihrem Sohn, als er mit Kindertransport nach Schottland fuhr. Der Kriegsausbruch im September machte ihren eigenen Fluchtplan zunichte. 1940 übernahm sie die Leitung eines jüdischen Altenheims in Heilbronn und pflegte 22 alte Menschen. Am 20. August 1942 wurden sie und ihre Pfleglinge in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete sie zwei Jahre lang als Krankenschwester. Am 19. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz gebracht und ermordet.

Ernst-Otto Meth-Cohn („Otto“) wurde zuerst von einer Familie in Edinburgh aufgenommen. Später wuchs er in England in verschiedenen christlichen und jüdischen Waisenhäusern auf. Theas Vater Alfred Meth, der die Verfolgung überlebte sorgte für Wiedergutmachungszahlungen aus Deutschland, mit der Ottos Ausbildung vorangetrieben wurde. Er studierte Chemie, heiratete, bekam mit seiner Frau zwei Kinder und wurde Professor für Organische Chemie an der Sunderland University. Mit 80 Jahren schrieb Otto seine Lebensgeschichte, „The nearly man“.

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