Biography of Selma and Hedwig Schulmann
Neutorstraße 16 (Verlegung am 29.10.2016)
Selma Schulmann wurde 1875 als sechstes Kind von Benjamin und Louise Mann in Ulm geboren. Sie heiratete den Kaufmann Albert Schulmann und brachte 1902 die Tochter Hedwig und 1905 den Sohn Paul zur Welt. 1917 verstarb ihr Ehemann. Tochter Hedwig arbeitete als Hausiererin. Sie litt mit zunehmendem Alter unter epileptischen Anfällen und wurde von ihrer Mutter gepflegt. Ab Juni 1939 arbeitete Hedwig dann als Hausgehilfin im jüdischen Zwangs-Altersheim Herrlingen.
In den 1930er Jahren wohnte Paul nicht mehr in Ulm; er heiratete 1935. Selma und Hedwig zogen in die Neutorstraße 14, später in das benachbarte Haus 16. 1939 wurden sie gezwungen in das „Judenhaus“ Neutorstraße 15 umzuziehen. Am 01. Dezember 1941 wurde Hedwig Schulmann nach Riga deportiert. Als sie abgeholt wurde, flehte Selma die Beamten an, sie mit ihrer Tochter gehen zu lassen, da Hedwig auf ihre Hilfe angewiesen sei. Dies wurde mit den Worten „Zuerst die Jüngeren, Sie kommen später“ strikt abgelehnt. Vermutlich wurde Hedwig im Lager Jungfernhof unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.
Selma Schulmann blieb allein in Ulm. Am 15. Juni 1942 wurde sie in das jüdische Altersheim Herrlingen zwangsumgesiedelt. Wenige Wochen später wurde sie nach Theresienstadt deportiert und schon am 26. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort vermutlich bald nach ihrer Ankunft ermordet.
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