[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-1766":3,"supporters":70,"nearby-1766":78},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":14,"audio":15,"coords":16,"stones":19,"town":61},"1766","Familie Lebenstein","Familie Lebenstein wohnte in Stadtlohn in einem Haus am Markt 16 \u002F Ecke Neustraße mitten in der Stadt. \r\n \r\nDaniel Lebenstein wurde am 12. Oktober 1882 in Epe geboren und lebte seit 1912 in Stadtlohn. Er war Viehhändler von Beruf und bei den Bauern beliebt. Er war ein angesehener Bürger in Stadtlohn und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Zudem soll er im Vorstand der jüdischen Gemeinde gewesen sein.\r\nSicherlich bekam er schon bald berufliche Schwierigkeiten, nachdem die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht gekommen waren. Sein zweiter Sohn Walter emigierte schon 1934 nach Palästina, nachdem Daniel Lebenstein gewarnt worden war, dass man nach ihm suche.\r\nIm Jahr 1936 oder 1937 wollte Walter für die Familie ein Haus in Palästina kaufen, aber Daniel Lebenstein war nicht bereit Deutschland zu verlassen, weil seine Tochter Erika nicht hätte mitkommen dürfen, da sie älter als 18 Jahre war und damit nicht als Kind der Familie nach Palästina einreisen konnte. \r\nWann Daniel Lebenstein seinen Beruf aufgeben musste, wissen wir nicht. Auf einer Postkarte an seinen Sohn Ernst vom 20. Oktober 1938 schreibt er, dass er jetzt für die Stadt arbeiten muss - als Straßenreiniger. Dass er damit seine Familie ernähren konnte, ist unwahrscheinlich; vielleicht arbeitete er noch heimlich bei Bauern, die er kannte.\r\nIn seinem letzten Brief an seine Söhne vom 6. Oktober 1941 - nur wenige Wochen vor der Deportation - schreibt er: \"Liebe Kinder! Wir hoffen, dass ihr gesund seid. Wir und eure Geschwister sind wohlauf.\"\r\nDas letzte Lebenszeichen von ihm ist ein Foto, das am 10. Dezember 1941 vor dem Abtransport der Stadtlohner Juden gemacht wurde. Es zeigt Daniel Lebenstein neben seiner Frau Olga und seiner Tochter Herta. Er war 59 Jahre alt.\r\n\r\nOlga Lebenstein war eine geborene Pins und wurde am 24. Februar 1887 in Dülmen geboren. Wann sie Daniel Lebenstein kennenlernte, wissen wir nicht. Sicher ist aber, dass die beiden im Jahre 1912 in Stadtlohn heirateten.\r\nSie soll eine immer freundliche Frau gewesen sein. Im Laufe der Jahre in Stadtlohn gebar sie vier Kinder: Ernst, Walter, Erika und Herta. Walter erzählte später häufig, dass sie den Kindern gern beibrachte, das Essen selbst zu kochen, das ihnen besonders gut schmeckte. Aber auch alle anderen Arbeiten im Haushalt brachte sie ihnen bei.\r\nNachdem ihre Söhne Deutschland verlassen hatten und in Palästina lebten, schrieb sie ihnen regelmäßig und berichtete über Neuigkeiten in Stadtlohn und in der Familie.\r\nIn der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. Nevember 1938 wurde sie mit ihrem Mann und Herta aus dem Haus geholt und in das Gefängnis im heutigen Rathaus gebracht, während ihr Haus stark beschädigt wurde. Nach dieser Nacht mussten die Lebensteins wie andere jüdische Familien in einem Haus in der Rezepterstraße wohnen. Ihr eigenes Haus wurde abgerissen, um den Markt zu vergrößern.\r\nWie Olga Lebenstein in den nächsten Jahren lebte, wissen wir nicht; man sah sie gelegentlich auf der Straße, auffallend sei an ihr später der Judenstern gewesen, den sie wie alle anderen tragen musste. Bekannt ist auch, dass sie und ihre Familie von einigen Stadtlohnern heimlich mit Lebensmitteln unterstützt wurde.\r\nOlga Lebenstein war 54 Jahre alt, als der Befehl kam, dass sich die Stadtlohner Juden am 10. Dezember 1941 zum Abtransport bereithalten sollten. Sie erzählte dies weinend ihren Nachbarn. In dieser Zeit schenkte sie einer ehemaligen Nachbarin, zu der sie ein besonders gutes Verhältnis hatte, ein kleines Tablett mit einem Milchkännchen und einer Zuckerdose sowie eine versilberte Plätzchendose - das war das einzige, was von den Lebensteins in Stadtlohn blieb. (Diese Erinnerungsstücke wurden im Jahre 2010 an die in Israel lebenden Nachkommen der Familie zurückgegeben.)\r\nDas letzte Lebenszeichen von Olga Lebenstein findet man auf einer Liste, die nach dem Krieg im Ghetto von Riga gefunden wurde. Daraus geht hervor, dass sie dort als Näherin arbeiten musste.\r\n\r\nErnst Lebenstein wurde am 4. Oktober 1913 als erstes Kind der Lebensteins in Stadtlohn geboren. \r\nErnst hatte nach Aussagen von Zeitzeugen ein ruhiges Naturell. Nachdem er in Twistringen die kaufmännische Berufsschule besucht hatte, blieb er einige Jahre in Stadtlohn. Im April 1935 ging er als Kaufmann nach Frankfurt am Main. Am 28. Juli 1936 meldete er sich wieder in Stadtlohn an.\r\nAm 16. Juli 1937 verzeichnet das Stadtlohner Melderegister seine Abmeldung und nennt als seinen künftigen Wohnort Petach Tikvah im damaligen Palästina, wo sein jüngerer Bruder Walter schon seit 1934 lebte.\r\nZwischen den in Stadtlohn zurückgebliebenen Familienmitgliedern und den beiden nach Palästina ausgewanderten Söhnen gab es einen regen Briefwechsel. Postkarten und Briefe, die ab 1934 von Stadtlohn nach Palästina geschrieben wurden, gewähren einen berührenden Einblick in das Alltagsleben der in Deutschland gebliebenen Familienmitglieder - ihre Besorgnisse, ihre Auswanderungsanstrengungen und Wünsche. Denn schon seit 1933 waren Lebensteins wie alle jüdischen Familien zunehmender Drangsalierung durch das nationalsozialistische Regime ausgesetzt. Die Zerstörung des Elternhauses in der Pogromnacht des 9. Novembers 1938 und an den Folgetagen erlebten die Söhne Ernst und Walter nicht mit, aber ihre Eltern und Geschwister mussten danach in ein sogenanntes Judenhaus in der Rezepterstraße 1 umziehen.\r\nErnst Lebenstein gelang es, in Israel Fuß zu fassen und eine eigene Familie zu gründen, aus der drei Kinder, zehn Enkel und viele Urenkel hervorgingen. Er starb am 29.Juli 1991.\r\n\r\nWalter Lebenstein wurde am 20. Januar 1915 in Stadtlohn geboren. Er erlernte in Stadtlohn von 1929 bis 1933 beim Klempnermeister Jacob Landsheer das Klempner- und Installations-Handwerk, wie seine bis heute erhaltenen Lehrzeugnisse belegen. Seinen Sinn für das Praktische bewies er sein Leben lang.\r\nWalter gelang - obwohl er der jüngere der beiden Lebenstein-Söhne war - schon früher die Auswanderung als seinem Bruder: Am 20. April 1934 - da war er gerade 19 Jahre alt - meldete er sich in seinem Heimatort Stadtlohn ab und nannte dabei als künftigen Wohnort Tel Aviv. 1944 wurde er in Palästina eingebürgert. Er gehörte zu den Pionieren des Siedlungsbaus; dabei kam ihm seine solide handwerkliche Ausbildung sehr entgegen.\r\nBeiden Lebenstein-Söhnen gelang es also, sich den judenfeindlichen Maßnahmen des NS-Staates zu entziehen. Nach der Erinnerung einer Stadtlohner Nachbarstochter wollten die übrigen Familienmitglieder Lebenstein den Söhnen ebenfalls in die Emigration folgen. Das ist auch den Briefen aus Stadtlohn zu entnehmen, die in der Familie bis heute aufbewahrt werden. Die Auswanderung der Eltern und ihrer Töchter Erika und Herta aber scheiterte an den staatlichen Schikanen.\r\nWalter Lebenstein heiratete in Israel seine aus Frankfurt am Main stammende Frau Martha; sie bekamen eine Tochter, vier Enkel und mehrere Urenkel. Walter Lebenstein starb am 8. Februar 2001.\r\n\r\nErika Lebenstein wurde am 4. März 1918 geboren. Nach dem Schulbesuch machte sie in Vreden eine Lehre als Putzmacherin, auch soll sie eine geschickte Schneiderin gewesen sein.\r\nIm November 1938 lebte sie in Borken und arbeitete als Hausgehilfin. In der Reichspogromnacht wurde sie dort ins Gefängnis gebracht.\r\nSie kehrte Ende November 1938 nach Stadtlohn zurück. Im Jahre 1939 muss sie für einige Zeit in Höxter gelebt haben, bevor sie nach Paderborn in ein Umerziehungslager für junge jüdische Menschen zog, die sich auf ihre Auswanderung nach Palästina vorbereiteten. Sie lernte dort den Mechaniker Siegfried Abramowicz aus Berlin kennen und heiratete ihn am 2. Oktober 1940.\r\nIm März 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Sie könnte zu dieser Zeit schwanger gewesen sein oder bereits ein Kind gehabt haben. Da in Auschwitz keine Unterlagen über sie existieren, ist davon auszugehen, dass sie sofort bei ihrer Ankunft ermordet wurde. Sie war 25 Jahre alt.\r\n\r\nHerta Lebenstein wurde am 3. Mai 1924 als jüngstes Kind der Lebensteins in Stadtlohn geboren. \r\n1930 wurde sie in die Dufkampschule eingeschult. Sie war sieben Jahre alt, als 1931 ein Parteiredner der NSDAP auf einer Versammlung in Ahaus sagte: \"Sämtliche Juden müssten zusammengefahren werden, mit Petroleum begossen und verbrannt werden.\"\r\nSie war fast neun Jahre alt, als am 30.1.1933 Adolf Hitler und seine Anhänger die Macht in Deutschland übernahmen. Dies wird für das Geschäft ihres Vaters Probleme bedeutet haben, und von dem Tag an veränderte sich auch ihr Leben, ohne dass sie etwas dagegen hätte unternehmen können.\r\nSie war elf Jahre alt, als 1935 direkt vor ihrem Elternhaus in einem Kasten die Zeitung \"Der Stürmer\" ausgestellt wurde. Dort konnte sie regelmäßig lesen, dass die Juden als \"das Unglück der Deutschen\" bezeichnet wurden. \r\nSie war vierzehn Jahre alt, als sie 1938 die Schule verließ. Inzwischen hatte sie schon merken müssen, dass jüdische Menschen nicht wie alle anderen behandelt wurden. So hatte sie und ihre jüdische Freundin die Klasse verlassen müssen, wenn \"nationalpolitischer Unterricht\" auf dem Stundenplan stand.\r\nSie war vierzehn Jahre alt, als in der Nacht vom 9. zum 10.11.1938 - der Reichspogromnacht - am Haus ihrer Eltern die Scheiben eingeschlagen und eine Hausecke herausgerissen wurde. Ehemalige Nachbarn erinnerten sich noch Jahrzehnte später an ihre Angstschreie. Sie wurde in dieser Nacht mit den anderen Stadtlohner Juden in das Gerätehaus der Feuerwehr eingesperrt, während die Häuser und Wohnungen der Juden geplündert wurden. Das Haus ihrer Eltern wurde im Dezember 1938 abgerissen, um Platz zu schaffen für einen größeren, schöneren Marktplatz. Familie Lebenstein musste in eine kleine Wohnung in der Rezepterstraße umziehen.\r\nWas Herta in den folgenden Jahren machte, ist nicht bekannt. Aus einer Postkarte wissen wir, dass sie darauf hoffte, dass sie mit ihren Eltern zu ihren Brüdern ausreisen könne. Diese hatten das Land schon vor 1938 verlassen und lebten in Palästina. Auch ihre Schwester Erika zog aus Stadtlohn fort und bereitete ihre Ausreise vor. Wie die Familie ihren Lebensunterhalt verdiente, ist unklar. Vielleicht hat der Vater heimlich bei einem Bauern gearbeitet. Sicher ist aber auch, dass die Familie von Nachbarn mit Lebensmitteln unterstützt wurde.\r\nSie war sechzehn Jahre alt, als der Leiter der Stadtlohner NSDAP im Februar 1941 feststellte: \"Der Jude ist ein Volksschädling und darum muss er ausgerottet werden.\" Ob sie wohl ahnte, in welcher Gefahr ihre Familie und sie schwebte?\r\nSie war siebzehn Jahre alt, als am 10. Dezember 1941 ein letztes Foto von den Stadtlohner Juden gemacht wurde, bevor sie nach Münster gebracht wurden. Neben einem Koffer mit Kleidung und Verpflegung durften sie nur 50 Mark mitnehmen. Stadtlohner Mädchen und Jungen sollen die Deportierten mit einem Schmählied \"verabschiedet\" haben. In Münster mussten sie das Geld abgeben und damit ihre eigene Deportation bezahlen, der Güterwagen mit dem Gepäck wurde gleich in Münster wieder abgehängt. Um 10 Uhr am 13. Dezember 1941 setzte sich der Zug mit etwa 400 Juden aus dem Münsterland in Bewegung. Die Fahrt endete im Ghetto von Riga in Lettland; dort kamen die Stadtlohner Juden vermutlich am 16. Dezember 1941 an und wurden im schlechtesten Wohnviertel eingepfercht. Die jüdische Bevölkerung, die hier vorher gewohnt hatte, war in den Tagen zuvor erschossen worden - über 27.000 Menschen.\r\nÜber Hertas weiteres Schicksal ist nur sehr wenig bekannt. Die zahlreichen Berichte über die Schrecken des Ghettos von Riga lassen erahnen, was sie dort erlebt und erlitten haben könnte. Nach Angaben eines ehemaligen  Soldaten aus Stadtlohn arbeitete sie in Riga im Heeresbekleidungsamt. Angeblich hat ein anderer Stadtlohner Soldat in einer Kantine in Riga einen Zettel unter seinem Teller gefunden: \"Hier bedient Sie Herta Lebenstein\". Der Name ihrer Mutter taucht auf einer Liste auf, die nach dem Krieg in Riga gefunden wurde. Demnach arbeitete sie im Ghetto als Näherin. - Das Ghetto von Riga bestand bis zum 2. November 1943. Während ihre Eltern vermutlich in Riga umgebracht wurden oder starben und ihre Schwester in Auschwitz getötet wurde, wurde Herta Lebenstein am 9. August 1944 von Riga in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig gebracht. Seitdem gilt sie als verschollen. \r\n\r\nAm 21. September 2000 erhielt die bis dahin namenlose städtische Realschule den Namen \"Herta-Lebenstein-Realschule\".\r\n\r\nDie Stolpersteine für die Familie Lebenstein wurden am 24. Juni 2010 und am 21. September 2011 in Anwesenheit der Familien Lebenstein und Levanon aus Israel verlegt.",[8],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F9878bc346d61a8068ade253a7eede60f.JPG","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F9878bc346d61a8068ade253a7eede60f_thumb.JPG","Stadtlohn, Markt 16\r\n\r\nDas Haus Lebenstein nach der Pogromnacht im November 1938",736,1136,[],null,{"lat":17,"lng":18},51.99259142,6.917237749,[20,29,36,43,49,55],{"id":21,"firstname":22,"name":23,"portrait":24,"gender":27,"stadium":28},"3269","Daniel","Lebenstein",{"original":25,"thumb":26},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fd026587e826791296f64ef5852ffa9d2.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fd026587e826791296f64ef5852ffa9d2_thumb.jpg","male","adault",{"id":30,"firstname":31,"name":23,"portrait":32,"gender":35,"stadium":28},"3270","Olga",{"original":33,"thumb":34},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F6f2fc38087187d2a54894a5d8afe2974.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F6f2fc38087187d2a54894a5d8afe2974_thumb.jpg","female",{"id":37,"firstname":38,"name":39,"portrait":40,"gender":35,"stadium":28},"3271","Erika","Abramowicz, geb. 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