Biography of Marie and Sophie Kahle
Marie Kahle, Schmiedestraße 6
Hier wohnte Marie Kahle, geboren am 7. Juli 1898 als erstes Kind des Ehepaares Adeline und August Kahle in Langendamm/Schessinghausen. Marie galt als „geistig behindert“. Die Familie zog vermutlich noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges nach Erichshagen. 1935 musste Marie Kahle das elterliche Haus verlassen, kam erst in Pflegeheime in Hannover und Sarstedt. Am 21.6.1939 wurde sie im städtischen Krankenhaus in Hildesheim zwangssterilisiert. 1940 wurde sie dann in die Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf verlegt. Inzwischen hatten die Nationalsozialisten mit der planmäßigen „Euthanasie“, der Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen, begonnen. Im Rahmen der „Aktion T4“ wurde Marie Kahle 1941 zunächst in die Zwischenanstalt Idstein im Taunus verlegt. Nach kurzem Aufenthalt transportierte man sie mit einem der „grauen Busse“ in die Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg a.d. Lahn und ermordete sie dort sofort nach ihrer Ankunft am 5. Juni 1941 im Alter von 42 Jahren in der Gaskammer.
Auf Wunsch der Familie wurden die sterblichen Überreste am 30. Juni 1941 auf dem Friedhof in Erichshagen beigesetzt.
Die Gedenkstätte an der Corvinus-Kirche in Erichshagen- Wölpe und der am 6. Mai 2015 verlegte Stolperstein erinnern an Marie Kahle.
Sophie Kahle, Schmiedestraße 6
Hier wohnte Sophie Kahle, geboren am 1. November 1899 als zweites Kind des Ehepaares Adeline und August Kahle in Langendamm. Das Mädchen besuchte nur ein Jahr eine Hilfsschule, weil es wie seine Schwester Marie als „geistig behindert“ galt. Beide mussten das elterliche Haus in Erichshagen 1935 verlassen und lebten zunächst in Pflegeheimen in Hannover und Sarstedt. Hier trennten sich ihre Wege. Für Sophie Kahle begann eine Odyssee durch Pflegeeinrichtungen in der Region Hannover. Unklar ist, wie sie der mörderischen „Aktion T4“ entging. Ab August 1941 lebte sie in einer Anstalt im Kreis Alfeld. Vermutlich fiel sie 1944 im Alter von 45 Jahren der „dezentralen
Euthanasie“ zum Opfer. Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger ermordeten bis Kriegsende Patientinnen und Patienten durch Nahrungsentzug und die Gabe tödlich wirkender Medikamente. Die sterblichen Überreste von Sophie Kahle wurden wohl auch auf dem Friedhof in Erichshagen beigesetzt.
Die Gedenkstätte an der Corvinus-Kirche Erichshagen- Wölpe und der am 6. Mai 2015 verlegte Stolperstein erinnern an Sophie Kahle.
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