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Familien Cosman / Ballizany

Biography of Siegfried Cosman, Dorothea Ballizany and Wilhelm Ballizany

Die Familie Cosman war eine alteingesessene Klever Familie, die bis zum Beginn der 1730er Jahre hier nachweisbar ist.
Jacob Cosman (1817-1870) hatte 1858 eine lithographische und photographische Anstalt auf der Kirchstraße in der Nähe des Fischmarkts gegründet. Zwei seiner Kinder - Siegfried Cosman und Dorothea Ballizany - lebten mit ihren Familien noch in der NS-Zeit in Kleve.

Siegfried Cosman hatte 1880 das Galanteriewaren-Geschäft seiner Tante Susanne Cosman in der Nähe der evangelischen Kirche übernommen und zu einem Kurz- Weiß- und Wollwarengeschäft erweitert. Er schloss sich der Einkaufsgenossenschaft „Hamburger Engros-Lager“ an. 1883 heiratete er Minna Lichtenstein. 1897 konnte die Familie in das von ihm errichtete Wohn- und Geschäftshaus am Fischmarkt umziehen (heute Große Str. 90). Eine Vielzahl von Anzeigen in Zeitungen, Fremdenführern und Adressbüchern geben einen Eindruck von dem florierenden Geschäft. 1910 übergab er das Familienunternehmen an seine älteste Tochter Anna und ihren Ehemann Jacob Kurt Neugeboren.
Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsmann war Siegfried Cosman auch in der Klever Gesellschaft präsent. Er war ein deutscher Patriot und setzte sich für die Belange seiner Vaterstadt ein. Seine Tochter Erna gehörte 1909 zu den hundert Ehrenjungfrauen, die Kaiser Wilhelm II. bei seinem Besuch in Kleve am Amphitheater begrüßten.
Während des Ersten Weltkrieges engagierte er sich bei der Betreuung verwundeter Soldaten und der Versorgung von Kriegshinterbliebenen. Im November 1915 wurde in den oberen Räumen seines Hauses Kirchstr. 29 ein Soldatenerholungsheim eingerichtet. Seit März 1916 gab es hier auch eine Goldankaufstelle. An der Errichtung des „Eisernen Mannes“ auf dem Fischmarkt, einer Maßnahme zum Sammeln von Spenden für Kriegshinterbliebene, war Cosman maßgeblich beteiligt.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges war Cosman Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, der die Ruhe und Ordnung in der Stadt gewährleisten sollte und die Demobilisierung durchführte.
Noch 1929 erhielt Cosman anlässlich seines 75. Geburtstags eine Urkunde des Klever St. Martins-Ausschusses als „treuestem Mitarbeiter … in Anerkennung seiner überaus großen Verdienste für [ihre] Ideale“.
Dorothea Cosman heiratete 1891 den evangelischen Fotografen Wilhelm Ballizany, der das von ihrem Vater gegründete Fotoatelier weiterführte. Viele Klever werden noch im Besitz von Fotos des Ateliers Cosman-Ballizany sein. Als Ballizany Ende 1919 seine Berufstätigkeit aufgab, blieb das Wohn- und Geschäftshaus mit dem Fotoatelier weiter in Familienbesitz. Dorothea und Wilhelm Ballizany zogen in das von ihnen erworbene Haus in der Kasinostr. 2.

Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Minna 1919 zog auch Siegfried Cosman dort ein.
Vermutlich hatte man geplant, hier gemeinsam den Lebensabend zu verbringen. Aber es kam anders.
Schon 1933 sahen sie sich gezwungen das Haus zu verlassen. Sie zogen zunächst in das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Neugeboren in die Große Straße.
Hier starb Siegfried Cosman 1935 im Alter von 80 Jahren und musste nicht mehr miterleben, dass sein Lebenswerk zerstört wurde.
1936 musste das Ehepaar Neugeboren das Geschäft verpachten und zusammen mit dem Ehepaar Ballizany ihre Wohnung zu verlassen. Im April 1940 folgte der Zwangsverkauf.
Nach mehreren Umzügen kamen die Eheleute Neugeboren und Ballizany 1939 im Haus des jüdischen Viehhändlers Gustav Rothschild unter. Von dem Zwangsumzug der jüdischen Hausbewohner ins „Judenhaus“ am Spoykanal im November 1941 blieb Dorothea Ballizany verschont, da sie in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ lebte. Doch schon einen Monat später zog auch das Ehepaar Ballizany ins „Judenhaus“, weil es wahrscheinlich auf die Betreuung durch Anna Neugeboren angewiesen war.
Wilhelm Ballizany starb 1942 nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Seine Witwe verlor hierdurch den letzten Schutz, den ihr der „arische“ Ehemann noch hatte geben können.
Im November 1943 erging zunächst der Befehl der Gestapo Düsseldorf an das Grenzkommissariat (Greko) Kleve, das Ehepaar Neugeboren in das Altersghetto Theresienstadt zu überführen. Nachdem das Greko daraufhin nachgefragt hatte, was dann mit Dorothea Ballizany geschehen solle, die bettlägrig, krank und fast erblindet auf die Hilfe ihrer Nichte angewiesen sei, beschloss die Gestapo auch deren Deportation. Daran konnte auch die Bescheinigung des Amtsarztes, dass die 86jährige Frau sehr gebrechlich und nicht reisefähig sei, nichts ändern. Am 26.11. wurden die drei Personen, um einen etwaigen Selbstmord zu verhindern, in die Haftanstalt Kleve eingeliefert. Am 27.11. begann durch die „Transportabteilung“ der Ortspolizeibehörde die Deportation, die nur Anna Neugeboren überlebte. Dorothea Ballizany starb schon am gleichen Tag, Jakob Kurt Neugeboren am 16.12. im Polizeigefängnis Prag-Pankratz an „Herzschwäche“.
Anna Neugeboren kam am 16.12.1943 im Ghetto Theresienstadt an. Von dort wurde sie am 9.10.1944 ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert und ermordet.

Siegfried Cosman (Kleve 1854 – 1935 Kleve)
Dorothea Ballizany geb. Cosman (Kleve 1857 – 1943 während der Deportation)
Wilhelm Ballizany (Kleve 1860 – 1942 Kleve)

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Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.

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Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.

Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de