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Familie Sara und Jakob Spiegel

Biography of Jakob Spiegel, Sara Spiegel and 3 more

Etwa 30 Jahre lang lebten Sara und Jakob Spiegel in Gera.
Sie stammten aus Galizien (Österreich-Ungarn). Wie auch sein in Gera wohnender älterer Bruder David war Jakob Spiegel von Beruf Händler und im 1. Weltkrieg Soldat.

Hier wurden ihre drei Kinder geboren. Alle gingen in Gera zur jüdischen Schule im Meistergäßchen. Danach gehen sie aufs Gymnasium, bzw. Höhere Töchterschule. Bertha studierte in Leipzig und Berlin Medizin. Die Jungen müssen vor dem Abschluss
das Gymnasium verlassen und werden Bauhandwerker. Sie sind aktiv in der in der Jugend-Alijah der jüdischen Gemeinde.
Knapp 20 Jahre sind sie alt, als ihnen die Flucht ins Ausland gelang. Zuerst ging Norbert, dann Bertha, und als letzter Siegmund. So retteten sie sich das Leben.

Siegmund wird im 2. Weltkrieg freiwillig Soldat der US-Army. Er ist in Afrika und Teilnehmer der Landungen in Sizilien und in der Normandie. Nach dem Krieg ist er in den USA ein mit Auszeichnungen geehrter Architekt. Bis ins hohe Alter referiert der Ehrendoktor (1993) als Zeitzeuge. Er stirbt 2016. Bertha praktiziert als Dr. Betty S. Maier bis 1998 in New York. 2008 stirbt sie. Norbert kommt nach Palästina. Auch er wird Soldat, in Friedenszeiten Diplomat und Politik-Wissenschaftler in Israel. Er stirbt 2006. Alle heiraten, bekommen Kinder und haben Enkel.

Ohne Vorankündigung wurden die verwaisten Eltern Sara und Jakob Spiegel in den frühen Morgenstunden des 28. Oktober 1938 verhaftet. Sammelpunkt war die „Osterlandhalle“ (Ostvorstädtische Turnhalle). Sie wurden gezwungen, zum Hauptbahnhof zu laufen. Sara aber war seit 1935 stark gehbehindert. Am Bahnhof kam es zum Eklat. Für sie musste ein Rollstuhl beschafft werden. Ca. 120 Personen: Männer, Frauen, Kinder mussten im Gebüsch hinter der Johanniskirche warten. Dann zwang man sie in Reichsbahnwaggons zu steigen, die verschlossen wurden. Mit etwa 10.000 Leidensgefährten aus ganz Deutschland wurden in der „Polen-Aktion“ ausgewiesen.

Vom Grenzort Bentschen kamen sie in ein Lager nach Posen. Von dort flohen sie bei Kriegsausbruch 1939 in das sowjetisch besetzte Lemberg. Kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurden sie an einem unbekannten Tag nach dem 29. Juni 1941 ermordet.
Der Brief-Kontakt zu den Kindern brach ab.
Vor ihrer langjährigen Wohnung Arndtstraße 3 wurden die Stolpersteine am 14.3.2018 gesetzt. Zur Verlegung reist Bertha Spiegels Tochter aus New York an. Es war ihr erster Besuch in Gera. (MW)

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