Biography of Karl Eugen Menger
Karl Eugen Menger wurde am 19. August 1884 in Tuttlingen als siebtes Kind des Schuhmachers Georg Friedrich Menger (1848-1927) und der Auguste Menger geb. Wiesenfahrt (1850-1920) geboren. Der Vater stammte aus einer alten tuttlinger Familie und war evangelisch, die Mutter war aus Weilheim und katholisch, weshalb der Sohn katholisch getauft wurde. Das Ehepaar hatte insgesamt 10 Kinder von denen allerdings nur vier das erste Lebensjahr überstanden. Die Familie lebte im Gebäude Oberamteistraße 22, das ihr gehörte.
Von Karl Eugen wissen wir, dass er das Instrumentenmacherhandwerk erlernte. 1913 heiratete er die in Tübingen geborene Näherin Emma Winkle (geb. 1886). Beide hatten zu diesem Zeitpunkt ihren Wohnsitz in Tuttlingen. Eugen wurde zum Militär eingezogen und erlebte den Ersten Weltkrieg bei den Grenadieren. 1914 wurde seine Tochter Maria in Stetten im Remstal geboren, sein Sohn folgte im Jahr 1915 mit Geburtsort in Stuttgart.
Nach dem Krieg ist das Ehepaar nur gelegentlich in Tuttlingen. Ab 1927 wohnte Eugen Menger ohne seine Familie bei seinem Vater und seiner Schwester Margarete im elterlichen Haus in der Oberamteistraße 22. Sein Vater starb am 9. Juni 1927. Im Oktober 1927 packte Emma Menger ihre Sachen und ließ diese mit der Bahn nach Tuttlingen bringen. Als Adresse gab sie Oberamteistraße 22 an. Zuvor hatte sie um eine Wohnung beim Fürsorgeamt in Tuttlingen angefragt. Dieses hatte jedoch die Verantwortung für die von Eugen Menger getrennt lebende Frau abgelehnt. Sie gab an, dass sie ihre Wohnung in Stetten im Remstal hatte verlassen müssen, nicht wusste wohin und deshalb nach Tuttlingen aufgebrochen war. Die Kosten für die Fracht konnte sie nicht bezahlen und so finanzierte das Fürsorgeamt vor. Sie selber wurde mit ihren Kindern im Katharinenheim einquartiert, das auch die Funktion hatte, Obdachlose aufzunehmen. Noch in derselben Sitzung am 22. Dezember 1927, in der das Fürsorgeamt den Fall Emma Menger besprach, wurde auch über das Schicksal des Eugen Menger gesprochen. Ein Zeugnis von Dr. Kupferschmid bezeichnete ihn als geistig nicht normal und empfahl die Verbringung in eine Anstalt, „in der er zur regelmäßigen Arbeit angehalten wird.“ Seine Schwester, die zuvor für ihn gesorgt hatte, plädierte auch für die Verbringung, da sie ihn nicht behalten konnte. Die Fürsorgestelle recherchierte und kam zum Ergebnis, dass die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau der geeignete Ort für ihn sei. Bereits am 3. September 1928 verhandelte man den Fall erneut. Die Schwester von Eugen Menger hatte ihrer Zustimmung zur Einweisung zurückgezogen, war aber im August beim Polizeiamt und hatte über das Verhalten ihres Bruders Anzeige erstattet. Erneut beschloss man Eugen Menger nach Liebenau zu verbringen. Offensichtlich geschah aber nichts, denn Eugen beantragte am 27. Januar 1930 beim Fürsorgeamt die Abgabe von Fichtennadelbädern, deren positive Wirkung ärztliche Atteste unterstrichen und deren positiven einfluss auf seine Gesundheit er schon 1927 erlebt hatte. Im Protokoll des Ausschusses, der über das Gesuch zu entscheiden hatte, heißt es: “Menger ist seit längerer Zeit arbeitslos und bezieht Unterstützung… er gibt vor nervenkrank zu sein. Ihm fehlt jede Lust zur Arbeit.“ Das Protokoll führt aus, dass man versucht habe ihn in einer Anstalt unterzubringen, die Schwester aber die Zustimmung zurückgezogen habe. Der Ausschuss ist dann der Ansicht, dass frühere Anwendungen auch nichts geholfen hätten und jetzt nur ein Anstaltsaufenthalt Ergebnisse zeigen würde. Deshalb lehnten sie den Antrag ab. Am 27. Juli 1931 war er in Rottweil und erkrankte dort. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, die Auslagen übernahm die Städtische Fürsorge Tuttlingen.
Am 14. Juli 1928 wurde die Ehe vom Landgericht Rottweil, Zivilsenat, geschieden. Damals war es noch üblich einen Schuldigen zu benennen, der für das Ehe-Aus verantwortlich war. In diesem Fall war es der Ehemann. Als er später in der Klinik zur Scheidung befragt wurde, meinte er, dass es Streitigkeiten gab, weil seine Frau ihn nicht in die Kirche gehen lassen wollte, und zudem eifersüchtig gewesen sei. Karl Eugen lebte zunächst bei seiner Schwester Margarete im Haus Oberamteistraße 22, seine Ehefrau war im Katharinenheim, Stockacher Straße 1, mit ihren Kindern, zog aber bereits 1929 nach Strümpfelbach im Remstal.
Am 2. September 1931 meldete er sich in Tuttlingen ab, mit dem Ziel, auf Wanderschaft gehen zu wollen. Vermerkt ist auf der Karteikarte, dass er sich in Seyda bei Halle aufgehalten hatte. In Seyda gab es eine Arbeiterkolonie für brotlose Arbeiter nach dem Vorbild Bodelschwings, die von dessen Vetter gegründet worden war. Dort hielt er sich zeitweise auf. Im Mai 1933 war er dann in Berlin und meldete sich bei der Wohlfahrtsstelle des Städtischen Obdachs. Dort gab er an, auf Wanderschaft zu sein und als Instrumentenmacher schwer Arbeit zu finden. Immer wieder ging er kurzfristig Gelegenheitsarbeiten nach. Er hielt sich längere Zeit in Berlin auf, lebte im Bewahrungshaus Berlin Lichtenberg und war dort geraume Zeit auf der Krankenstation. Von dort ließ er sich ein Armutszeugnis (13.5.33) ausstellen und strengte eine Unterhaltsklage gegen seine Kinder an. 1934 beschlossen die Berliner Behörden ihn in eine Arbeiterkolonie einzuweisen, da er einen etwas beschränkten Eindruck hinterließ. Von April bis Juli 1934 war er in der Arbeiterkolonie Seyda und anschließend in der Arbeiterkolonie Treuenbritzen als Selbstmelder. Anschließend war er im Männerheim in Berlin, manchmal auch im Eduard-Müller-Haus (Kolpingwerk). Immer wieder war er auf Krankenstation und gab chronischen Gelenkrheumatismus als Beschwerde an. Im November 1935 ist er wieder im Arbeits- und Bewahrungshaus Rummelsburg (Städtischen Arbeits- und Bewahrungshaus Berlin-Lichtenberg) in Berlin.
Am 12. Februar 1936 folgte von dort aus die Einweisung in die Städtische Heil- und Pflegeanstalt Herzberge, da er einen verwirrten Eindruck machte. Der aufnehmende Arzt wurde u.a. mit der Aussage des Versorgungsamts II in Berlin konfrontiert, wo er eine Rente beantragte. Man hielt ihn für einen „Rentenneurotiker und Hypochonder mit beträchtlichen seelischen Störungen“. Bei der Aufnahme machte er einen benommenen Eindruck, war affektarm, aber zeitlich und örtlich orientiert. Er gab bei der Aufnahme an seit 1904 Gelenkrheumatismus zu haben, der sich öfters wiederholte. Außerdem gab er an 1919 kurzfristig erblindet zu sein und morgens Krämpfe in den Händen zu haben. Man versuchte ihn zu beschäftigen, was er aber rigoros ablehnte. „Zeigt keine Lust zur Beschäftigung, stets untätig“, war der Standarteintrag in den Krankenakten. Er klagte immer wieder über unterschiedliche Leiden. Außerdem drängte er auf Entlassung, was aber nicht geschah. Am 28. Juni 1938 schlugen die Ärzte eine Verlegung in die Landesanstalt Teupitz im Kreis Teltow vor. Am 11. Juli 1938 wurde er mit einem Sammeltransport dorthin verlegt. Als endgültige Diagnose ist eingetragen „Zustand n. Hirnlues“. Das deutet darauf hin, dass sich eine Syphiliserkrankung ausgebreitete hatte und Rückenmark und Hirn befiel. Bereits 1917 war er wegen Syphilis mit Salvrasan behandelt worden. Die letzte Kur fand 1931 statt. Offensichtlich offenbarte sich bei ihm eine psychische Fehlentwicklung, die sich in Herumziehen, Hypochondrie mit Regressionstendenz äußerte, alles Zeichen einer schweren psychischen Störung vom Ausmaß einer Psychose.
Die Akte endet mit der Notiz „27.6.40 überführt“. Er wurde in die Vernichtungsanstalt Brandenburg gebracht und dort getötet
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