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Familie Neustädter - Schützenstraße 15

Biography of Julius Neustädter, Minna Neustädter and Nanni Grünthal

Julius Neustädter wurde am 15. August 1879 in Sulzbürg geboren. Um 1909 zog er nach Neumarkt. 1911 heiratete er Minna Krauß aus Zirndorf. Minna konnte 1936 mit einem Dampfschiff nach Südafrika fliehen. Als ihr Schiff damals am Hafen anlegen wollte, protestierte ein Mob südafrikanischer Nationalsozialisten gegen die Aufnahme der geflüchteten Juden aus Europa.

Bereits am 9. November 1935 wurde Julius – aus unbekannten Gründen – inhaftiert.

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 kam es auch in Neumarkt zu Übergriffen gegenüber jüdischen Geschäften und Wohnungen. Insbesondere die Synagoge wurde zum Ziel der hiesigen Nationalsozialisten. Die gesamte Inneneinrichtung des Betsaals wurde zertrümmert, die Thorarollen zerrissen und das Gemeindearchiv beschlagnahmt. SA-Männer drangen auch in den Schulraum und die im Obergeschoss befindlichen Wohnungen ein. Julius Neustädter, der ebenfalls im 1. Stock wohnte, wurde dabei mit einem Stock so stark auf den Kopf geschlagen, dass im laut Augenzeugenberichten „das Blut wie eine Fontäne“ aus dem Kopf spritzte“. Wie die meisten Neumarkter Juden kam Julius Neustädter zur „Schutzhaft“ ins Neumarkter Gefängnis. Nach drei Hafttagen wurde er zusammen mit anderen „arbeitsfähigen“ Neumarkter Juden am 11. November 1938 der Gestapo Regensburg überstellt. Diese wiederum schickte die Neumarkter Bürger ins KZ Dachau. Am 16. Dezember 1938 wurde Julius Neustädter dort entlassen.

Ab dem 31. Dezember 1941 wurden die wenigen verbliebenen Neumarkter Juden auf drei sogenannte „Judenhäuser“ aufgeteilt. Julius Neustädter lebte fortan zusammen mit den Familien Landecker in der Hafnergasse 10, wo sich auch die Synagoge befand.

Schließlich wurden am Karfreitag, dem 3. April 1942, alle Neumarkter Juden bis 65 Jahren von der Polizei zur Gastwirtschaft „Ostbahn“ abgeführt. Die Gaststätte in der Hindenburgstraße (=Bahnhofstraße) wurde von der Gestapo wohl als Sammelplatz gewählt, weil sie nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt war. So konnten die 16 verhafteten Juden relativ rasch und unbemerkt von der Neumarkter Bevölkerung zum Bahnhof geleitet werden. Von dort deportierte sie die Gestapo nach Regensburg, von wo aus am nächsten Tag ein Transport mit insgesamt 989 Personen ins Ghetto Piaski (Polen) startete. Die Zynismus der Nationalsozialisten zeigte sich auch hier sehr deutlich. Den laut der Akten wurden von jedem Neumarkter Juden vor dem Abtransport noch 50,- RM Reisegeld kassiert. Ebenso wurden Wertgegenstände beschlagnahmt. So musste Julius Neustädter sein Fahrrad sowie 11,85 RM an Bargeld, die er bei der Verhaftung noch bei sich trug, abgeben. Ein vertrauliches Aktendokument der Gestapo Regensburg vom 26. März 1942 zeigt, dass diese „Evakuierung“ akribisch geplant war.

Über das Schicksal von Julius Neustädter im Ghetto Piaski ist nichts bekannt.

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Initiative Stolpersteine für Neumarkt und Sulzbürg

Initiative Stolpersteine für Neumarkt und Sulzbürg und
die beiden Geschichts-P-Seminare „Nie wieder - Wider das Vergessen“ des Ostendorfer-Gymnasiums