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Maria Pfaffenzeller

Biography of Maria Pfaffenzeller

Maria Pfaffenzeller, geb. 22. Januar 1883 in Augsburg, ermordet in Hartheim am 5. Juni 1941, Opfer der Aktion T-4, Stadtbachquartier Nr. 35
Maria Pfaffenzeller ist das 6. Kind der Eheleute Michael und Adelheid Pfaffen-zeller Von insgesamt 10 Kindern versterben 8 im Kindesalter. Seit Beginn ihrer Ehe wohnt die Familie Pfaffenzeller im Stadtbachquartier in verschiedenen Unterkünften. Der in der Baumwollspinnerei tätige Vater verstirbt 1893 an Lungentuberkulose, von den Kindern überleben nur die erstgeborene Tochter Theresia und Maria Pfaffenzeller ihren Vater. Mangelnde Hygiene, schlechte ärztliche Vorsorge sowie Unterernährung dürften die Gründe für den frühen Tod der Kinder gewesen sein.
Die Mutter Adelheid steht nach dem Tod ihres Mannes fast alleine da. Das Schicksal der Familie Pfaffenzeller muss angesichts der geschilderten Umstände, des Todes aller 9 Geschwister und ihres Vaters, als unfassbar tragisch angesehen werden. Das Schicksal der einzig überlebenden Tochter Maria ist es ebenfalls.
Die von Geburt an geistig beeinträchtigte Maria muss 1894 im Alter von 11 Jahren in die Anstalt nach Ursberg. Dr. Josef Sprengler, Praktischer Arzt in Augsburg erstellt ein Gutachten: Maria leide an harmlosen Schwachsinn, die Ursache der Krankheit sei unbekannt, eine Besserung sei nicht abzusehen.
Ein Patientenbogen aus Ursberg cha-rakterisiert Maria als etwas eigensinnig, aber ruhig, gesellig und anhänglich. Schule habe sie keine besucht.
Seit Oktober 1939 müssen die Heil- und Pflegeanstalten per Meldebögen bestimmte Patienten an das Reichsministerium des Innern melden. Patienten mit den folgenden Krankheiten sind zu meldepflichtig:
Schizophrenie, Epilepsie, Encephalitis, Schwachsinn, Paralyse, Chorea Huntington, Menschen mit seniler Demenz oder anderen neurologischen Endzuständen, wenn sie nicht oder nur noch mit mechanischen Arbeiten beschäftigt werden können.
Menschen, die schon länger als fünf Jahre in der Anstalt sind.
Kriminelle „Geisteskranke“.
Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder nicht artverwandten Blutes sind.
Diese Meldebögen werden an die Zentralstelle T-4, so genannt wegen ihres Amtssitzes in Berlin, Tiergartenstraße 4, weitergeleitet. Drei „Gutachter“ entscheiden aufgrund der Meldebögen, also nicht aufgrund eigener Untersuchungen über Tod oder Weiterleben der Patienten.
Am 19.11.1940 wird Maria in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren überwiesen. Sie ist 57 Jahre alt.
Seit Beginn der „Euthanasie-Aktion“, veranlasst durch den Leiter der Reichskanzlei. Philipp Bouhler und organisatorisch durchgeführt durch die Zentraldienststelle in der Tiergartenstraße 4, erfolgt die massenhafte Verlegung von Patienten aus karitativen Anstalten wie Ursberg, Lautrach und Holzhausen nach Kaufbeuren. Diese Patienten werden vorübergehend nach Kaufbeuren verbracht. Von dort erfolgt ab August 1940 die „Verlegung“ der ersten Patienten in die Vernichtungsanstalten Grafeneck, später nach Hartheim und dort im Rahmen der sogenannten T-4 Aktion deren Ermordung durch Gas.
Maria ist nur ein halbes Jahr in Kaufbeuren. Die Patientenakte ist dünn und liest sich wie folgt:
31.12.40 : Immer sehr freundlich. Kommt bei jeder Visite entgegengelaufen. Spricht mit einer kindlichen Sprache. Bettelt meist um Heiligenbilder. – Kann nichts arbeiten.
7.3.41: Während der körperlichen Untersuchung ist Pat. voller Angst. Sie lässt sich nicht in den Mund schauen und fürchtet die Perkussion. Aufdecken lässt sie sich erst, nachdem ihre Sorge, dass dies eine Sünde sei, beschwichtigt wurde.
23.5.41: Pat ist immer gut zu haben.. ……. Eine Unterhaltung ist mit ihr schon wegen ihrer Schwerhörigkeit nicht möglich. Pat. …. kann, wenn man ihr Zeit lässt, doch allerhand erzählen… Man sieht Pat. nie traurig; sie lacht und grinst unablässig.
5.6.41 „wird verlegt“ (in deutscher Schrift)1 BArch R 179/Nr. 21730 Patientenakte
Gemeinsam mit 70 weiteren Frauen aus Kaufbeuren und Irsee wird Maria Pfaffenzeller am 5. Juni 1941 nach Hartheim verbracht. Darunter befinden sich viele Personen aus Augsburg.
Dort werden die eingelieferten Menschen entkleidet, gemessen, gewogen, fotografiert und dann den Ärzten vorgeführt. Personendaten werden überprüft und Operationsnarben vermerkt, die für die Erstellung der fingierten Todesursache von Bedeutung sein können. Die Gaskammern sind mit Brauseköpfen ausgestattet. Meist werden 30 und mehr Menschen zugleich vergast. Die Tötung erfolgt durch Kohlenmonoxydgas, dass der Anstaltsarzt einströmen lässt. Die Zufuhr des Gases beträgt in der Regel 20 Minuten, sie wird eingestellt, wenn sich im Vergasungsraum keine Bewegung mehr feststellen lässt.
In der Regel werden die Ermordeten in anstaltseigenen Krematorien verbrannt, die Goldkronen werden zuvor herausgebrochen. Das so gewonnene „Rohmaterial“ wird über die Zentraldienststelle T 4 an die Degussa geliefert und zu Feingold verarbeitet.
Als sich Nachrichten über den Tod seiner behinderten Mündel häufen, meldet der Richter Lothar Kreyssig aus Brandenburg an der Havel seinen Verdacht Reichsjustizminister Franz Gürtner und erstattet 1940 Anzeige wegen Mordes gegen Reichsleiter Philipp Bouhler, den Verantwortlichen der T-4 Aktion. Anstatt verhaftet zu werden, wird der Richter aber lediglich in den Ruhestand versetzt. Er hat ein mutiges Zeichen gegen das Verschweigen und Vertuschen und Verdrängen gesetzt.

zusammengestellt durch die Stolpersteininitiative Augsburg
Quellen und Literatur:
Bundesarchiv Berlin R 179/Nr. 21730 Patientenakte Maria Pfaffenzeller
Götz Aly (Hrsg.): Aktion T4: 1939-1945. Die „Euthanasie“-Zentrale in der Tiergarten-straße 4. Zweite Auflage, Berlin 1989;
Michael Burleigh (Hrsg.): Tod und Erlösung. Euthanasie in Deutschland 1900-1945, Zürich 2002;
Ernst Klee (Hrsg.) Dokumente zur „Euthanasie“. Frankfurt/-Main 1985
Erich Resch/Petra Schweizer-Martinschek, Die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee während der NS-Zeit, in: Stefan Dieter (Hrsg.), Kaufbeuren unterm Hakenkreuz. Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14,

Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann, StD, 86368 Gersthofen,

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