[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-3103":3,"supporters":75,"nearby-3103":83},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":36,"audio":11,"coords":40,"stones":43,"town":66},"3103","Familie Denz","Luisenstraße 35, hier lebte die Familie von Oskar Denz bis 2. Februar 1938\r\n\r\nOskar Denz wurde am 3. Januar 1899 in Lörrach geboren. Er arbeitete als Schlichter in der Weberei Sarasin. Als junger Mann war Oskar politisch aktiv und in der Gemeinde allseits geachtet. 1922 heiratete er Anna-Maria Dillmann aus Zell im Wiesental und wohnte mit ihr ab 1923 in der Luisenstr. 35. 1931 besuchte er mit seiner Frau Anna-Maria den Kongress der Zeugen Jehovas in Basel und ließ sich taufen. \r\nDie Zeugen Jehovas und ihre Publikationen wurden am 15. Mai 1933 in Baden verboten, 1935 im gesamten Deutschen Reich. In Lörrach gab es seit 1925 ca. 40 Zeugen Jehovas. Oskar und Anna-Maria Denz waren aktive Mitglieder und wurden Teil des Widerstandes gegen das NS-Regime. Der verbotene Wachtturm wurde in der Schweiz gedruckt und heimlich über die Grenze gebracht. Regelmäßig schmuggelte Familie Denz Schriften, Anna war dabei, weil eine Familie unverdächtiger erschien. Am 2. Februar 1938 holten sie Druckschriften in Bettingen ab. Beim Grenzübertritt an der Wiese wurden sie angehalten, durchsucht, verhaftet, verhört und im Lörracher Bezirksgefängnis inhaftiert.\r\n\r\nUm 18.20 dokumentiert die Gefangenliste des Bezirksgefängnisses Lörrach, die Einlieferung von Oskar Denz, in Zelle Nr. 23. Als Haftgrund wird „Bibelforscher“ angegeben. Dort blieb er in Haft, bis er am 26. April 1938 ins Gerichtsgefängnis Mannheim verlegt wurde. Im Mai 1938 wurde er in Mannheim, wie seine Frau Anna-Maria, zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt, die er bis April 1940 im Gefängnis Freiburg verbüßte. \r\n\r\nObwohl Oskars Geschwister ihn innständig baten, dem Jehova-Glauben abzuschwören und zuerst an seine Tochter Anna zu denken, ein entsprechendes Dokument zu unterzeichnen, wofür die Nazis ihm Freiheit gewährt hätten, war er gewiss in seiner Hoffnung und blieb standhaft. Als Folge wurde nach Verbüßung der regulären Strafe von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen und im Konzentrationslager Dachau, bei München festgesetzt. Anfang 1942 wurde Oskar Denz ins KZ Mauthausen überstellt, wo er im Steinbruch Gusen körperlich sehr hart arbeiten musste. Später wurde Oskar Denz medizinischer Versuche, bei denen Lagerärzte ihn mit Tuberkulose infizieren. Er stirbt am 23. Juli 1942 mit 43 Jahren an den Folgen einer solchen experimentellen Injektion. Offiziell lautet die Todesursache „Herzmuskelschwäche“.\r\n\r\nAnna-Maria Denz wurde am 17.04.1896 in Zell im Wiesental als Anne Maria Dillmann geboren. Sie arbeitete in der Seidenbandfabrik Sarasin, wo Sie ihren späteren Mann Oskar Denz kennenlernt, und diesen 1922 heiratete. Nach ihrer Hochzeit begegnete Anna-Maria den Bibelforschern — so hießen Jehovas Zeugen damals — und begann die Bibel zu studieren. Der Gedanke, dass Gottes Königreich für die Erde Frieden bringen würde faszinierte sie und zunehmend auch ihren Mann Oskar. 1931 besuchten sie den Kongress der Bibelforscher in Basel. Dort ließen sich Anna-Maria und Oskar Denz taufen. Zu der Versammlung von Zeugen Jehovas in Lörrach gehörten etwa 40 Mitglieder. Anna-Maria fiel es leicht mit Menschen bei der Mission von Tür zu Tür in Gespräch zu kommen. \r\n\r\nNach dem Verbot der Zeugen Jehovas im Dritten Reich beherbergten Familie Denz Leiter und versteckten verbotene Literatur in ihrer Wohnung. Damit wurden Anna-Maria und ihr Mann Oskar Mitglieder des aktiven Widerstandes gegen das NS-Regime. Die verbotene Zeitschrift Wachtturm wurde in der Schweiz gedruckt und musste heimlich über die Grenze gebracht werden. Regelmäßig schmuggelte die Familie Denz verbotene Schriften, die Tochter Anna war dabei, weil eine Familie mit Kind an den Grenzern unverdächtig erscheinen sollte. Am Morgen des 2. Februar 1938 holten sie erneut Druckschriften in Bettingen ab. Beim Grenzübertritt an der Wiese wurden sie angehalten, durchsucht, verhaftet, verhört und im Lörracher Bezirksgefängnis inhaftiert.\r\n\r\nUm 18.20 belegt die Gefangenenliste des Bezirksgefängnisses Lörrach, die Einlieferung von Anna-Maria Denz, in Zelle Nr. 13, als Haftgrund wird „Bibelforscher“ genannt. Dort blieb Anna-Maria Denz inhaftiert, bis sie am 26. April 1938 um 11.45 Uhr dem Gerichtsgefängnis Mannheim überstellt wurde. In Mannheim wird Anna-Maria im Mai 1938 zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt, die sie im Frauengefängnis Gotteszell bei Schwäbisch Gmünd verbüßt. Da sie sich wie ihr Mann Oskar weigerte, ihren Jehova-Glauben aufzugeben, kam sie in „Schutzhaft“ und wurde in das KZ-Ravensbrück gebracht.\r\nIm Kriegswinter 1941 verweigerte sie, Pullover für Soldaten zu stricken. Als Bestrafung wurde sie 40 Tage in Dunkelarrest gesperrt und wiederholt mit Stockhieben geschlagen. Zuletzt musste sie zur Strafe drei Tage und Nächte im eiskalten Hof des Zellenbaus stehen. Am 31. Januar 1942 stirbt Anna-Maria Denz an den Folgen dieser Misshandlungen. \r\nBriefe von Oskar und Anna-Maria Denz aus der Haftzeit und dem KZ sind erhalten und wurden „zufällig“ in einem Nähkästchen wiederentdeckt und konnten nach einem Artikel der Badischen Zeitung der Familie Denz zugeordnet werden.\r\n\r\nAnna Denz wurde am 23. März 1923 in Lörrach geboren. Anna wurde mit sechs Jahren eingeschult und ging acht Jahre in die Johann-Peter-Hebel Schule. Schon in der Grundschule verweigerte Anna den Hitlergruß, auch beim Fahnenappell am Montag und Freitag und wurde von ihren Lehrern wiederholt aufgefordert, sich dem BDM anzuschließen und ihren Jehova-Glauben aufzugeben, um später studieren zu können. Anna berichtete, dass sie von Mitschülern beschimpft, geschlagen und wie eine Aussätzige behandelt wurde. Um diesem Druck zu entgehen, verließ sie mit 14 Jahren die Schule und begann 1937 eine Bürolehre in der Eisenhandlung Heimsch in Lörrach. An zwei Nachmittagen besuchte sie die Gewerbeschule.\r\n\r\nAm 2. Februar 1938 schmuggelt die ganze Familie Denz wieder einmal Druckschriften aus der Schweiz. Auf dem Rückweg wurde Anna durchsucht und zum Verhör der Gestapo übergeben. Anna wurde stundenlang in der Villa Aichele verhört. Ihre Eltern werden an diesem Abend um 18.20 Uhr in das Lörracher Gefängnis eingeliefert. Anna wird ihre Eltern nie wiedersehen. \r\n\r\nAnna verbringt eine Nacht in einem Kinderheim. Am Donnerstag wird sie erneut verhört und die Wohnung von der Gestapo durchsucht. Die Tage darauf wohnt sie mit ihrer Tante in der elterlichen Wohnung in der Luisenstraße und kann unter Bewachung ihre Ausbildung fortsetzen. Am Dienstag 8. Februar gelingt ihr mit Hilfe von Heinrich Reiff über Inzlingen und St. Chrischona die Flucht in die Schweiz, wo sie von der Riehener Familie Hirschburger aufgenommen wird. \r\n\r\nAm 2. Juli 1938 wurde sie getauft und wohnte in Bethel, einer Einrichtung der Zeugen Jehovas. Mit den Zeugen Jehovas gelangte Anna 1948 zum Studium an der Bibelschule Gilead nach New York. Dort lernte sie den Amerikaner James Turpin kennen, den sie im März 1951 in der Türkei, wo er als Missionar tätig war, heiratet. Als Anna Turpin schwanger wurde, zog das Paar 1952 in die USA. Anna Turpin wurde 90 Jahre alt und lebte bis zu ihrem Tode 2013 in Kentucky. \r\n\r\nIhre Tochter, Marlene Turpin, lebt heute in San Diego, kann aber wegen Corona Reisebeschränkungen leider nicht persönlich an der Verlegung in Lörrach teilnehmen.",[8,14,19,23,27,31],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Ff222890672ba881241c014d35ac863fb.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Ff222890672ba881241c014d35ac863fb_thumb.jpg",null,1136,901,{"original":15,"thumb":16,"caption":17,"width":12,"height":18},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F230579c7360f781c6e04a4653ba9cc7f.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F230579c7360f781c6e04a4653ba9cc7f_thumb.jpg","Verlegung am 24. 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