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Familie Benjamin - Friedrich-Engels-Straße 15

Biography of Alexander Benjamin, Sophie Benjamin, Gerda Abraham geb. Benjamin and Ilse Rosenthal geb. Benjamin

Alexander Benjamin (18.06.1883 in Uelzen - 1942 im Distrikt Lublin) übernahm 1921 nach der Rückkehr aus der dreijährigen Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg, eine Färberei und Wäscherei am Marktplatz in Pößneck.

Zunächst wohnte die Familie am Marienplatz 4 (1921), später in der Breiten Straße 18 und zuletzt in der Carl-Gustav-Vogel-Straße 15 (heute Friedrich-Engels-Straße).

Aus erster Ehe mit Henriette Benjamin geb. Behrendt (*30.04.1882 in Hammeln - +20.04.1911 in Weimar) war die Tochter Gerda (30.10.1910 in Weimar - 1942 im Disktrikt Lublin) mit nach Pößneck gezogen. In zweiter Ehe hatte der Färbereibesitzer die aus Franken stammende Sophie Frank (12.10.1884 in Prichsenstadt - 1942 im Disktrikt Lublin) geheiratet, und mit ihr eine weitere Tochter namens Ilse (25.07.1913 in Uelzen - 1942 im Disktrikt Lublin).

Gerda hatte 1936 in Pößneck einen Walter Abraham aus Berlin geheiratet, war jedoch schon ein Jahr später wieder geschieden. Sie arbeitete schließlich bei der Familie Meyerstein in Jena, und wurde zu einer engen Begleiterin der gehbehindereten Klara Meyerstein (siehe Stolpersteine in Jena). Überliefert ist, dass sie sich im Ghetto Belzyce mit dem Bruder, Werner Meyerstein, noch verheiratete - eine Eheschließung im angesicht des Massenmords.

Ilse hatte den aus Apolda stammenden Max Rosenthal kennen gelernt, und am 08.08.1941 geheiratet (siehe Stolpersteine in Apolda). Max Rosenthal und Werner Meyerstein sind im August 1941 mit 19 weiteren Juden zur Zwangsarbeit an der Hohenwarte-Talsperre eingeteilt worden.

Alexander Benjamin war Träger des Eisernen Kreuzes, welches er im Schaufenster seines Geschäftes am Markt 5 auch bewusst zeigte, um seine vaterländische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen.

Das Geschäft wurde nach der Pogromnacht 1938 geschlossen. Alexander Benjamin war vom 10. bis 27.11.1938 in "Schutzhaft" im KZ Buchenwald, und erduldete die dortigen Misshandlungen, stundenlange Appelle und ständige Lebensgefahr. Das ältere Ehepaar wurde mit dem Transport vom 10. Mai 1942 (mit Hedwig Binder) über Weimar-Leipzig in das Ghetto Belzyce deportiert. Auch die Töchter Gerda und Ilse wurde mit diesem Transport verschleppt, gerieten eventuell noch in ein Arbeitslager, bevor sie in einem der Vernichtungslager im Distrikt Lublin ermordet worden sind.

Text: Philipp Gliesing (Mai 2021)

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