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Familie Sander (Steinweg 26)

Biography of Isidor, Meta and Ilse Marion Sander

Isidor Sander
geb.: 25. 5. 1881 in Suhl
gest.: 1. 7. 1936
Mutter: Minna
Vater: Simon (nach ihm wurde das Geschäft benannt)

Meta Sander geb. Sichel
geb.: 20. 10. 1887
gest.: 13. 4. 1936 (nach schwerer Krankheit)

Isidor und Meta Sander heirateten am 12. 9. 1910 in Würzburg.

Kinder
Helmut geb.: 2. 5. 1912, gest.: 3. 12. 2004
Helene geb.: 31. 12. 1914
Ilse-Marion geb.: 1. 1. 1920

Das Geschäft der Sanders befand sich im Erdgeschoss des Hauses im Steinweg 26 (Rokokohaus). Die Familie Sander selbst wohnte im ersten Stock und im zweiten Stock wohnte Familie Rehfeldt (keine jüdische Familie). Die Tochter der Rehfeldts erinnerte sich Jahre danach an einige Details dieser Zeit (siehe Seite 26).

Die Familie Sander war in der jüdischen Gemeinde sehr aktiv. Frau Sander war die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, zu dem noch fünf andere Frauen gehörten. Isidor Sander war im Synagogenvorstand aktiv. Bekannt ist, dass die Sanders, vor allem Frau Sander, sozial sehr engagiert waren und innerhalb der jüdischen Gemeinde halfen, wo sie konnten Sie besaßen z. B. eine Laubhütte, die sie den anderen Gemeindemitgliedern für das Laubhüttenfest zur Verfügung stellten. Aber auch gegenüber den Sorgen und Nöten anderer Suhler Bürger hatten sie immer ein offenes Ohr. So berichtete die Tochter der Familie Rehfeldt, dass als ihre Mutter schwer krank war und keine Krankenversicherung bestand, Frau Sander Dr. Saphra holte und diesen auch bezahlte. Auch sorgte diese dafür, dass die Kinder der Rehfeldts etwas zu essen bekamen.

1932 schickte die Familie Sander Tochter Helene nach England. Sie sollte ihre Sprachkenntnisse vervollkommnen. Diese Entscheidung rettete ihr wohl das Leben. Helene Sander, heute Mrs. Helen Freeland, kam aufgrund der schweren Krankheit der Mutter noch einmal nach Suhl. In diesen Tagen machte sie die Bekanntschaft mit der Gestapo (Geheime Staatspolizei), die Briefe an die Eltern abgefangen hatte und nun Helene zur Rede stellte, da sie kritische Äußerungen über die nationalsozialistische Herrschaft gemacht hatte. Die Briefe brachten die Männer mit und hatten diese Sätze rot angestrichen, wie Mrs. Freeland berichtete. Daraufhin wurde sie von der Mutter gerettet, indem diese ihr eine schallende Ohrfeige gab und ihr verbot, je wieder so etwas zu äußern. Überraschend zogen die Gestapomänner daraufhin ab. Die Tochter reiste am nächsten Tag sofort wieder nach England.

Die schwer erkrankte Frau Sander starb im April 1936. Ihr Mann überlebte sie nicht lange. Sei es der schwere Verlust oder die schwere Zeit, die für die jüdischen Bürger auch in Suhl gekommen war. So wurde eines Tages ein großer Galgen auf einem Wagen durch den Steinweg gefahren, an dem eine lebensgroße Puppe baumelte. SA-Männer brüllten: „Hängt die Juden, stellt die Ketzer an die Wand.“ Im Juli 1936 konnte Isidor Sander sein Schicksal nicht mehr ertragen und verzweifelt ging er aus dem Leben.

Die Tochter Ilse wohnte dann eine Zeit lang in der Kaleyßstraße 6 (heute Friedensstraße). Sie war das Mündel von Emil Sichel (Großvater), der in Hannover wohnte, ihr Vormund war Hugo Rehbock, der die Shoah überlebte, da seine Frau Nichtjüdin war und ihn so vor der Deportation bewahrte. Hugo Rehbock starb 1966. 1939 wanderten Ilse und Helmut aus. Ilse starb 1997 in England. Helmut lebte einige Zeit in Israel und war dort als Architekt tätig. Helmut heiratete im Jahr 1938. 1942 wurde sein Sohn Mike geboren und 1953 ein weiterer Sohn. 1948 zog die Familie nach Los Angeles. 2002 starb Helmut Sander. Es gibt heute noch Verbindungen zu Mrs. Helen Sander und Mr. Mike Sander.

Quelle: "Kleine Suhler Reihe" (25) - Jüdisches Leben in Suhl, S. 21-25

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