Biography of Chaim Weinberger, Frymy Weinberger and 5 more
Familie Chaim Josef Weinberger, Thomasiusstr. ehem. 24 (Ecke Käthe-Kollwitz-Str.)
Chaim Weinberger wurde am 1.8.1876 in Nowy Sacz (Galizien) geboren. Seine erste Ehefrau starb bereits 1916. Mit seinen drei Kindern Leon (*30.1.1902), Aron (*31.12.1905) und Sali (*30.5.1908) kam er 1918 von Breslau nach Leipzig. Hier heiratete er Frymy Schaja (*15.2.1885), die ebenfalls aus Galizien stammte. Aus seiner zweiten Ehe gingen Toni (*21.9.1922) und Israel „Isi“ (*13.6.1927) hervor.
Chaim W. war Inhaber einer Textilwarenfirma und Vorsteher der Synagoge des Vereins Ahawas Thora in der Färberstraße. Seine Söhne Leon und Aron betrieben zusammen ein Textilwarengeschäft mit Bettwäsche und Tischdecken. Frymy verkaufte Berufsbekleidung.
Unmittelbar nach 1933 war Chaim Weinberger permanent von Abschiebung bedroht. Aufgrund einer Steuerschuld von ca. 440 RM forderte im November 1933 das städtische „Steueramt“, er solle „[…] als lästiger Ausländer aus dem Freistaat Sachsen ausgewiesen […]" werden. * Mit Hilfe der Israelitischen Religionsgemeinde gelang es, Ratenzahlungen zu vereinbaren. Nach Begleichung der Steuerschuld waren es fehlende Ausweispapiere, die als Vorwand dienten, ihn abzuschieben. Ende 1938 lebt die Familie nur noch von den Verkäufen ihrer Wohnungseinrichtung.
Die drei älteren, seit Ende der 1920er Jahre selbstständigen Kinder, konnten Deutschland nach 1933 verlassen. Leon floh im Juni 1939 mit seiner Ehefrau Edith und der 1936 geborenen Tochter Gisela über Bulgarien nach Palästina. Aron konnte 1938 über Prag nach Marseille fliehen und bekam eine Passage nach Argentinien, wo er im September 1938 ankam. Die postalischen Hilferufe seines Vaters erreichten ihn erst nach dem Ende des Krieges. Tochter Sali ging bereits 1934 mit ihrem Mann Jankel Mandelmann nach Frankreich. Ihr Mann überlebte. Sali (35 Jahre) wurde am 31.7.1943 aus dem Lager Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Auch Chaim Weinberger bemühte sich 1938/39 für seine jüngere Familie, eine Ausreise zu bekommen. Doch diese scheiterte am nötigen Geld. Eine Flucht über Italien in die Schweiz ab 12. Juli 1939 endete an der dortigen Grenze. Chaim Weinberger musste in Norditalien bleiben. Frymy und die Kinder Tony und „Isi“ kamen nach Süditalien und wurden im
Toni 1938/39
September 1943 aus dem Internierungslager Ferramonti di Tarsia von der britischen Armee befreit.
Nach dem Kriegsaustritt Italiens im September 1943 und der sofortigen deutschen Besetzung wurde Chaim Weinberger (67 Jahre) am 3.12.1943 in Porto Ceresio (Grenze zur Schweiz) verhaftet, in Mailand inhaftiert und am 30.1.1944 nach Auschwitz deportiert. Eine Woche später, am 6.2.1944, wurde er ermordet.
Frymy, Tony und Isi erreichten über Zypern 1946 Palästina.
* / Fotos: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig 20031 Polizeipräsidium Leipzig PP-S 6356
Weitere Quellen: Ellen Bertram (Gedenkbuch), Sabine Burggräf und Arons Tochter Jovita Weinberger aus Argentinien (Familienerinnerungen)
Patenschaft: Claudia Drewniak, Leonie Lenz, Benedikt Sobotzki, Marc Zimmer
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