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Walter Nesseler

Biography of Walter Nesseler

Rede des Herrn Günter Nesseler (Neustadt/Weinstraße) im „Wappensaal“ des Veldenzschlosses anlässlich der Stolpersteinverlegung am 9. Oktober 2015:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Steinhauer, sehr geehrter Herr Beigeordneter Lüers, meine Damen und Herren, ich gestehe, es ist für mich auch 70 Jahre nach dem Tode meines Bruders ein bewegender Moment, wenn heute mit diesem Stein, der in Lauterecken verlegt wird, meinem Bruder Walter öffentlich gedacht wird. Der Stadt Lauterecken danke ich ganz herzlich, auch im Namen meiner Familie, für die Einladung zu der heutigen Veranstaltung. Besonders danken möchte ich für das Zeichen der Erinnerung, das mit der heutigen Verlegung eines weiteren Stolpersteins in dieser Stadt gesetzt wird. Diese Steine sind ein untrügliches Mahnmal gegen das Vergessen nationalsozialistischen Unrechts, zugleich aber auch Beweis des Respekts und der Anteilnahme am Schicksal jüdischer Mitbürger dieser Stadt, die unter dem Unrechtsgeschehen der Nazis gelitten, und wie mein Bruder, mit dem Leben bezahlt haben. Als dieses Unrecht geschah, war Walter Nesseler gerade mal 17 ein halb Jahre alt. Die Nazis verweigerten ihm in einem Arbeitslager die notwendige Hilfe zum Leben. Lauterecken hat mit der Verlegung der Erinnerungssteine heute und im vergangenen Jahr einen respektablen Beitrag zur Aufarbeitung dieser unrühmlichen Vergangenheit geleistet. Schließlich möchte ich all jenen danken, die diese Stolpersteinaktion initiiert, finanziert und realisiert haben. Vielen Dank.“ (Stadtarchiv Lauterecken)

Mit diesen Worten gedenkt Günter Nessler seinem Bruder Walter Nesseler, der im Jahr 1945 in viel zu jungem Alter den Verbrechen der Nationalsozialisten zum Opfer fiel.

Walter Nesseler kam am 11. Juli 1927 in Lauterecken, als Sohn des katholischen Bildhauermeisters Luitpold Ludwig Nesseler und der Jüdin Jenny Nesseler geb. Löb zur Welt und wurde daher als „Halbjude“ betitelt. Die Ehe seiner Eltern bezeichnete man als „privilegierte Mischehe“, die zur damaligen Zeit ebenfalls verachtet und später sogar verboten wurde.
Jenny Löb wurde am 17. August 1903 in Lauterecken geboren, auch nach ihrer Ehe galt sie als gut integriert in ihrer Heimatstadt und erzog ihre drei Söhne Walter, Günter und Klaus katholisch. Ihr Mann Luitpold Ludwig Nesseler wurde am 12.11.1901 ebenfalls in Lauterecken geboren, er kämpfte im Polenfeldzug, bis man ihn aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin aus dem Militärdienst entließ.

Jenny Löb hatte großes Glück, sie entkam der Deportation im Jahr 1940, da sie vom damaligen Bürgermeister und Kreisbauernführer Ludwig Hahn in einem nahgelegenen Dorf versteckt wurde.
Ihr Sohn Walter konnte der Gewalt der Nationalsozialisten nicht entkommen und wurde nach seiner Rückkehr als dienstverplichteter Schreiner aus Lothringen am 20.04.1944 zur Zwangsarbeit eingezogen. Aufgrund seines jungen Alters und körperlicher Schwäche entließ man ihn im Juni 1944 zunächst wieder, um ihn schließlich am 04.12.1944 ins Arbeitslager Lenne/Niedersachsen zu deportieren. Dort verstarb der Siebzehnjährige nach offiziellen Angaben am 17. Januar 1945, durch eine ungenügende ärztliche Versorgung nach Diphterie-Erkrankung.

Auf diese erschütternde Nachricht folgte die Zerstörung des Familienhauses der Nesselers in der Saarbrücker Straße in Lauterecken durch alliierte Bomben am 22.02.1945. Gegen 14 Uhr zerstörten die Bomben, deren eigentliches Ziel der Lauterecker Bahnhof war das Zuhause der Familie, wodurch Jenny Löb verschüttet wurde, aber wie durch ein Wunder unter dem Türsturz überlebte.
Jenny half später bei der Entnazifizierung und setzte sich für ihre Retter ein, zudem konvertierte sie zum Katholizismus. Im Jahr 1960 starb Jenny Löb in Lauterecken, siebzehn Jahre später folgte ihr ihr Mann.

Die Söhne Klaus, der in Pfullingen bei Reutlingen lebte, und Günter, wohnhaft in Neustadt an der Weinstraße, mit seinem Sohn Thomas aus München, wohnten der Stolpersteinverlegung am 9. Oktober 2015 bei.

Bearbeiterin: Angelina Fritz, Lauterecken, 2022

Quellen & Literatur:
"Ehemalige Synagoge Odenbach. Schalom, Begleit-Broschüre zur Ausstellung", 2022, S. 17-23
"Wege der Erinnerung. Jüdisches Leben in Niedereisenbach, Offenbach, Grumbach, Lauterecken, Medard, Odenbach." Initiative "Tol(l)eranz-find´ ich gut", 2. Auflage 2017, S. 26-27
Sammlung Stadtarchiv Lauterecken

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Sources & Imprint

Stadtverwaltung Lauterecken

Haupstraße 49
67742 Lauterecken
Internet: www. lauterecken.de
E-Mail: stadthaus@lauterecken.de

Stadtarchiv Lauterecken
Jan Fickert M.A.
E-Mail: jf.lauterecken@t-online.de

Bearbeitung: Sarah Kriese, Angelina Fritz, Jan Fickert

(C) Projekt 2022-2023 in Kooperation mit der Prot. Kirchengemeinde Lauterecken, den Ortsgemeinden Lauterecken und Relsberg sowie der Aktion "Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Kusel" im Bundesprogramm "Demokratie leben!"