Biography of Louis and Elisabeth Schaap
Der Niederländer Louis Schaap lebte seit 1905 in Kleve. Er war als kaufmännischer Angestellter bei den van den Berg’schen Margarinewerken beschäftigt. In Kleve lernte er Elisabeth Kiesow kennen, deren Vater Friedrich Wilhelm Kiesow ein Ledergeschäft betrieb. Elisabeth Kiesow war katholisch. Am 14.10.1919 heirateten beide in Nimwegen. Die Eheleute blieben in Kleve wohnen. Spätestens seit Anfang der 1920er-Jahre besaßen sie ein Wohnhaus an der Grenzallee (heute Grenzallee 23).
Im Gegensatz zu den meisten Arbeitgebern, die ihre jüdischen Mitarbeiter nach der sogenannten „Machtergreifung“ 1933 schnell entließen, beschäftigten die Klever Margarinewerke, die 1929 im Unilever-Konzern aufgegangen waren, ihre jüdischen Mitarbeiter so lange, wie es von staatlicher Seite erlaubt war. Auf den Rat seiner Vorgesetzten hin, verlegte das Ehepaar 1936 seinen Wohnsitz nach Nimwegen und Louis Schaap reiste von dort zwei Jahre lang täglich zu seiner Arbeitsstätte nach Kleve. Nachdem das Unternehmen gezwungen war, ihn zu entlassen, erhielt er weiter eine monatliche Unterstützung.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande am 10.5.1940 waren die Niederlande für die Juden kein sicherer Zufluchtsort mehr. Sie waren erneut der antisemitischen Verfolgung ausgesetzt und saßen gewissermaßen in der Falle. Überleben konnte nur, wem es gelang unterzutauchen. Louis Schaap versteckte sich auf dem Dachboden des Hauses in Nimwegen. Seine Frau versorgte ihn und die Nachbarn, die sicher davon wussten, verrieten ihn nicht. Die monatliche Unterstützung seines Arbeitgebers erhielt er weiter. 1941 übernahm das Rotterdamer Büro von Unilever die Zahlungen in unauffälliger Form.
Durch die Aufregungen und Entbehrungen erlitt Louis Schaap gesundheitliche Schäden, so dass er nach Kriegsende nicht mehr arbeitsfähig war. Er verstarb 1955 in Nimwegen. Für die Witwe folgten sich jahrelang hinziehende Auseinandersetzungen um eine Entschädigung. Das Problem war, dass Louis Schaap als niederländischer Staatsbürger nach dem Bundesentschädigungsgesetz keine Ansprüche hatte, da sein Umzug 1936 nicht als verfolgungsbedingte Auswanderung sondern als Rückkehr in sein Heimatland bewertet wurde. Dass Schaap mehr als 30 Jahre in Kleve gelebt hatte und seine Ehefrau erst bei der Eheschließung ihre deutsche Staatsangehörigkeit hatte abgeben müssen, spielte da keine Rolle. Allerdings erkannte der Gesetzgeber die Problematik und schuf mit dem deutsch-niederländischen Ausgleichsabkommen vom 8.4.1960 Abhilfe.
1966 wurde der inzwischen 79-jährigen Elisabeth Schaap eine Rente gewährt. Für die Zeit von 1955 bis 1966 erhielt sie eine Nachzahlung. Seit 1964 lebte Elisabeth Schaap wieder in Kleve. Sie verstarb 1971 in Bedburg-Hau.
Louis Schaap (Kampen, NL 1885 – 1955 Nimwegen NL)
Elisabeth Schaap geb. Kiesow (Kleve 1887 – 1971 Bedburg-Hau)
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Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de