Biography of Ursula Grützmacher
Genau 80 Jahre nach Ihrer Ermordung verlegten Schüler und Schülerinnen des Abiturgeschichtskurses des Gymnasium Lilienhal einen Stolperstein. Vorträge von Zeitzeugin Frau Tierich und Dr Rudnick aus Lüneburg wurden am 19.4.2024 in ehemaligen Konventshof Gebäude vor einer großen Anzahl von Zuhörern gehalten.
Informationen aus der Geburtsurkunde von Ursula Grützmacher
{Geburtsurkunde liegt in der Gemeinde Worpswede!)
• Geb. 20.12.1939
• Wohnort der Familie zum Zeitpunkt der Geburt: Konventshof 88, Lilienthal (Kreis
Osterholz)
• Geburtsurkunde erhalt Informationen über:
o die genaue Uhrzeit der Geburt
o Uber das Datum der Eheschlief3ung der Eltern
o das Ausstellungsdatum der Geburtsurkunde
o Über das Sterbedatum von U. GrUtzmacher und die Nummer, welche dazu im
Standesamt vermerkt, ist
Informationen aus den Kirchenbüchern der evangelischen Kirche in Lilienthal
20.12.1939 geboren
10.03.1940 getauft
19.04.1944 gestorben (Zitat)
26.04.1944 beerdigt
„Die Einträge stammen vom Superintendent Frerichs, der zu der Zeit Pastor in Lilienthal war. Er hat Ursula sowohl getauft als auch beerdigt.“ (Tanja Kamp-Erhardt von der ev. Kirche in Lil.)
Krankenakte Ursula Grützmacher
Es gibt aus der Zeit des Aufenthalts von Ursula Grützmacher in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eine Krankenakte. Diese Krankenakte ist jedoch für die Öffentlichkeit nicht einsehbar, jedoch kann diese für Forschungszwecke angefordert werden. Aufbewahrt wird die Krankenakte in dem Niedersächsisches Landesarchiv (NLA).
Protokoll des Zeitzeugengesprächs mit Frau Helga Thielke
Ort: Im Haus „Emmi Brauer“ des Heimatvereins Lilienthal e.V. (Feldhäuser Str. 16; 28865 Lilienthal)
Datum: 18.10.2023
Beginn: 15:00 Uhr
Ende: 16:30 Uhr
Protokollantin: Lara Winten
Anwesende: Helga Thielke (Zeitzeugin), Hilmar Kohlmann (1. Vors. Heimatverein), Giulio Caeser, Moritz Lilienthal, Laurin Fader, Noah Kassel und Lara Winten (Schüler*innen)
Frau Thielke ist im Jahr 1931 geboren und wohnte an der Hauptstraße (heute: höhe Fotohaus). Sie war in der Hitlerjugend bei den Jungmädeln. Mit denen spielte sie auf dem Turnplatz des TVL (heute: Schröterschule) Trommelball. Da lernte sie ihre Freundin Hilde kennen, diese wohnte in dem Nachbarhaus der Familie Grützmacher. Bei dem Turnplatz fiel ihr Peter Grützmacher, der große Bruder von Ursula, auf. Sie beschreibt ihn als sehr pfiffig. Da die Familie von Hilde einen großen Garten besaß, stellte die Mutter von Ursula den Kinderwagen ab und zu in diesen. Ursula sei ein „goldiges“ Baby gewesen. Hilde passte öfter auf die kleine Ursula auf. Frau Thielke ging über zwei Jahre oft mit ihrer Freundin und dem Kinderwagen spazieren. Sie berichtete, dass Ursulas Mutter und ihr Bruder immer sehr liebevoll mit ihr umgegangen seien. Eines Tages hieß es Ursula sei im Krankenhaus. Dort habe Hilde sie noch ein paar mal besucht. Sie durfte zwar nicht jedes mal zu Ursula hinein, wenn sie sie aber doch sehen durften, lag Ursula ‚normal‘ in ihrem „Bettchen“. Frau Thielke sei aber nie aufgefallen, dass Ursula krank sei. Das einzige, dass ihr komisch vorkam war, dass sie nicht selbständiger wurde, sie zog sich beispielsweise nicht hoch und wenn sie probierte zu sprechen, lallte sie nur. Plötzlich hieß es, Ursula sei gestorben. Die beiden waren sehr traurig, aber hinterfragten ihren Tod auch nicht, da die Kindersterblichkeit um einiges höher war. Familie Grützmacher wohnte zuvor in Bremen. Nach Kriegsende seien sie dann, Hals über Kopf weg gezogen, vermutlich wieder nach Bremen.
Weitere Textinformationen von der Internet Seite:
www.spurensuche-kreis-osterholz.de
Ursula Grützmacher wurde am 20. Dezember 1939 in Bremen geboren. Ihre Eltern Heinrich August Franz Grützmacher und Helene Louise Grützmacher, geb. Geffert, heirateten im April 1934 in Bremen. Heinrich Grützmacher war Bäcker und Schiffskoch. Louise Grützmacher gab als Beruf Packerin an. 1935 kam ihr Sohn Heinz Grützmacher zur Welt.
Bis Ende 1943 war das Gesundheitsamt Bremen für Ursula Grützmacher zuständig. In einem Schreiben des Hauptgesundheitsamtes der Hansestadt Bremen Beratungsstelle für Körperbehinderte vom 8.12.1943 heißt es:
„An die Landes-Heil und Pflegeanstalt Lüneburg – Es wird um Freihaltung des Heimplatzes für das Kind Ursula Grützmacher gebeten, den das Gesundheitsamt Bremen am 8.11.1943 zugesagt hat. Dieser Aufsichtsfall wurde zuständigkeitshalber dem Gesundheitsamt Osterholz-Scharmbeck überwiesen. Die Einweisung wird von dort erfolgen.“
In die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wird Ursula Grützmacher, die mit ihrer Mutter in Lilienthal im Konventshof 88 (heute Nr.12) lebte, am 13.1.1944 aufgenommen. Anfang Februar 1944 wendet sich Frau Grützmacher an die Heilanstalt in Lüneburg und bittet um Auskunft:
„Sehr geehrter Herr Baumert! Da es mir leider nicht möglich war, Sie persönlich noch telefonisch zu erreichen, möchte ich Sie hiermit herzlichst bitten, mir Auskunft über das Befinden meiner kleinen Tochter Ursula Grützmacher zu geben, ob sich ihre Krankheit zum Besseren gewendet hat und was ihr fehlt. Ich bitte sehr darum.“Einige Tage später, am 9.2.1944 erhält Louise Grützmacher die Antwort, dass das Fieber zurückgegangen wäre, dass es aber zweifelhaft wäre, ob die Tochter wieder gesund werden würde. Am 19. April 1944, 13 Wochen nach ihrer Aufnahme in die Heilanstalt, kommt Ursula Grützmacher im Alter von 4 Jahren um.
Gut ein Jahr später, im Juli 1945 stirbt ihre Mutter in einem Krankenhaus in Bremen. Der Bruder von Ursula Grützmacher lebte bis Ende 1950 in Bremen und zog von dort aus nach Hamburg. Über den Vater Heinrich Grützmacher, der zum Zeitpunkt des Todes seiner Tochter auf dem Schulschiff Deutschland als Schiffskoch arbeitete, ist nichts weiter bekannt.
Aus Anlass des achtzigsten Todestages von Ursula Grützmacher haben Schüler/innen des Gymnasiums Lilienthal im Konventshof einen Stolperstein verlegt, mit dem an das Schicksal von Ursula Grützmacher erinnert wird.
Quellen: Nieders. Landesarchiv Abt.Hann.155 Lüneburg Acc. 56/83 Nr.71
Staatsarchiv Bremen: STAB 4,60/5-7087 und ebd. 5-8045
Baumert war SS-Arzt und u.a. Leiter der sogenannten Kinderfachabteilung in Lüneburg.
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