Biography of Jettchen Nußbaum, geb. Müller, Johanna Müller, geb. Gans, Aaron Adolf Müller and Siegfried Müller
Teil 3:
Vorbemerkungen siehe hierzu auch Teil 1 + 2.
Im Teil 2 fehlt Aron als Sohn des Lohgerbers Salomon Müller und seiner Ehefrau Jettchen, geb. Goldschmidt. Die folgenden Biografien ergänzen die Auflistung im Teil 2 und schließen Arons Kinder mit ein.
ARON ADOLF MÜLLER
geb. am 13.10.1874 in Herleshausen, wohnhaft Lauchröder Str. 2. Er ist Bäckermeister und allgemein als „Judenbäcker“ bekannt. Aron, genannt Adolf, wird als fleißiger Mann beschrieben, der wöchentlich sogar seine Kundschaft in Eisenach mit Teigwaren beliefert hat. Er handelt darüber hinaus auch mit Kolonialwaren. Seine erste Frau Fanny, geb. Appel, die er 1901 geheiratet hat, ist in Borken geboren. Sie stirbt im März 1931. Mit Fanny hatte Aaron Adolf Müller fünf Kinder, für die ebenfalls Stolpersteine verlegt worden sind. Im Februar 1936 heiratet er in zweiter Ehe Johanna Gans.
Nach der Pogromnacht 1938 wird Aron Adolf Müller im KZ Buchenwald in „Schutzhaft“ genommen und kommt erst Ende 1938 wieder zurück. Seine Enkelin Lisa Herz/USA schreibt 1987: „Nachdem er aus dem KZ Buchenwald entlassen wurde, floh mein Großvater mit seiner Frau nach Chile, wo er 1950 starb. Er hat sich nie vom KZ erholen können und konnte in Chile keine Existenz mehr aufbauen. Er lebte bis zu seinem Tod von der Unterstützung seiner Kinder.“
Das Haus Lauchröder Str. 2 verkauft Aron Adolf Müller vor seiner Flucht im März 1939 nach Chile an die politische Gemeinde, die es später an den Bäckermeister Gustav Schäfer vermietet. Das Haus ist um 1980 im Rahmen der Ortskernsanierung in Herleshausen abgerissen worden. Heute befindet sich dort ein öffentlicher Parkplatz.
Vor seiner Abreise übergibt Aron seinem Nachbarn, Bäckermeister Heinrich Böhnhardt, einen großen Teilroller, der dort „in Ehren“ gehalten worden ist.
JOHANNA MÜLLER, geb. Gans
geb. am 03.10.1890 in Jesberg, Kreis Fritzlar, ist im August 1935 in das Haus Am Anger 3 (Baruch Neuhaus) eingezogen. Im Februar 1936 heiratet sie den verwitweten „Nachbarn“ Aron Adolf Müller, sie haben keine gemeinsamen Kinder. Johanna flüchtet mit ihrem Mann im März 1939 nach Chile.
SIEGFRIED MÜLLER
geb. 21.04.1902 in Herleshausen, wohnhaft Lauchröder Str. 2. Siegfried ist Manufakturwaren-Verkäufer. Es ist nur wenig über ihn bekannt. Bereits im Oktober 1933 flüchtet er nach Holland, von dort wandert er (und damit als erster der Familie Müller) 1935 nach Chile aus. Er ist verheiratet, hat aber wohl keine Kinder. Etwa 1968 kommt er nach Deutschland zurück, wo er im März 1973 in Berlin-Charlottenburg gestorben ist
JETTCHEN / JETTI NUßBAUM, geb. Müller
geb. 24.11.1904. Sie ist mit anderen etwa gleichaltrigen jüdischen Jugendlichen auf dem Kirmesbild von 1925 zu erkennen, was bestätigt, dass in den 1920er Jahre in Herleshausen noch ein ungestörtes Miteinander unter den Religionen möglich gewesen ist. Jetty heiratet 1929 den Landwirt und Viehhändler Siegmar, genannt „Bubi“ Nußbaum aus Gehaus in Thüringen. Sie haben drei Töchter, Lieselotte (Lisa), Friedel und Ellen, die 1930, 1933 und 1934 in Gehaus das Licht der Welt erblickt haben. Nach der Schutzhaft des Ehemannes im November 1938 im KZ Buchenwald folgt Jetty ihren Brüdern Siegfried und Max und flieht mit der Familie nach Chile, wo sie – wie ihre Enkelin Patrizia 2020 geschrieben hat: „… Anfang Januar 1939 mit ‚nichts‘ angekommen sind und sich eine neue Existenz aufbauen mussten.“ Siegmar Nußbaum stirbt 1949 in Chile. Die politischen Turbulenzen in Chile 1973 haben Jetty mit einigen weiteren Familienmitgliedern bewogen, in die USA auszuwandern, wo sie im Februar 1988 gestorben ist. Zuletzt trägt sie den Familiennamen „Blaut“. Wann und wo sie ein zweites Mal geheiratet hat, ist nicht bekannt. Die Nachkommen ihrer Tochter Friedel leben heute in Israel.
Die Stolpersteine, die an das Schicksal von Aron Adolf, Johanna, Siegfried und Jettchen erinnern, wurden am 02.06.2023 verlegt.
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Emma Eichenberg, geb. Müller (Jg.1867)< 10 m
Samuel Max Müller (Jg.1907)< 10 m
Simon Müller (Jg.1878)< 10 m
Isaak Carlebach (Jg.1928)30 m
Ida Goldschmidt, geb. Neuhaus (Jg.1881)30 m
Synagoge Herleshausen30 m
Sources & Imprint
WERRATALVEREIN, Zweigverein Südringgau e.V., Herleshausen
ARBEITSKREIS "Stolpersteine Herleshausen und Nesselröden"
HELMUT SCHMIDT, Vorsitzender
Nordstraße 12, 37293 Herleshausen
Telefon: 05654 1010, E-Mail: helmut@schmidt-hlh.de
MARKUS MÜLLER, Mitarbeit
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