Biography of Willy Michaelis
Willy Michaelis - ehem. Sidonienstr. 67 (Paul-Gruner-Str.)
Dr. med. Willy Michaelis wurde am 21.01.1886 in Meseritz, im heutigen Polen, geboren. Nach seinem Medizinstudium und dem Dienst als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg arbeitete er ab 1914 in seiner eigenen Praxis in der Von-der-Pfordten-Str. 2 (heute: Simsonstraße) als Facharzt für Orthopädie und als Sportarzt. Michaelis lebte mit seiner Frau Marie in Leipzig und hatte vier Kinder. Ab 1920 war er in der Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Deutschlands (ATSB) in Leipzig tätig, wo er hunderte Lehrgangsteilnehmer sportärztlich untersuchte, betreute und für ihre Tätigkeit als Übungsleiter in den Vereinen ausbildete. 1924 war er Gründungsmitglied des Deutschen Ärztebundes zur Förderung der Leibesübungen. Außerdem gehörte er 1928 zum deutschen Ärzteteam der Olympischen Winterspiele in St. Moritz (Schweiz). Im selben Zeitraum war er Mitglied im VfB Leipzig und wirkte dort ehrenamtlich als Sportarzt. Dazu gehörten auch die Fußballer des VfB (heute: 1. FC Lokomotive Leipzig), von denen zu dieser Zeit allein zehn Mannschaften im Punktspielbetrieb standen. 1936 wurde jedoch seine "Abmeldung" bekannt. Auch seine Funktion im Ärztebund musste er aufgrund seines jüdischen Glaubens zu Hitlers Machtantritt 1933 aufgeben. So war er von 1931 bis 1933 der letzte ordnungsgemäß gewählte Vorsitzende des Ärztebundes vor dessen Umbenennung in "Deutscher Sportärztebund" und der Eingliederung in den Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund. Er hatte von 1933 bis 1939 den Vorsitz des jüdischen Tennisclubs "Rot-Weiß" inne und war zudem von 1928 bis 1936 Gemeindevertreter der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig.
Am 10.11.1938 würde er im Zuge des Novemberpogroms in seiner Wohnung in der damaligen Sidonienstraße verhaftet und anschließend in das KZ Buchenwald verschleppt. Unter großen Mühen von Tochter und Mutter kam es am 25.11.1938 zu seiner Entlassung, die mit dem Zwang , das Land schnell unter Aufgabe des Besitzes zu verlassen, verbunden war. Aufgrund des Approbationsentzugs am 30. September 1938 musste auch die Praxis schnell aufgelöst werden. Im März 1939 floh er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nach Großbritannien, wo er bis zu seinem Tod 1961 eerst in Coventry, dann in London lebte. Zudem wurde ihm 1940 die deutsche Staatszugehörigkeit entzogen.
Nachdem er anfangs keine Erlaubnis erhielt, als Arzt zu praktizieren, wurde ihm während des Zweiten Weltkrieges aufgrund des Ärztemangelsim Land angeboten, in einer Notfallaufnahme zu arbeiten. Bis 1958 führte er wieder eine eigene Praxis in London. Außerdem war er im Highland Hospital tätig und behandelte v.a. Kinderlähmungen.
Ein Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. mit der C-Jugend von 1. FC Lok Leipzig
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