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Familien Levi, Frank und Süsskind

Biography of Sophie Frank, Traudel Levi and 6 more

In der Apothekenstraße 10 lebten und arbeiteten die Familien Levi, Frank und Süsskind. Das Haus wurde gemeinsam mit dem Nachbargebäude abgerissen und durch ein modernes Mehrfamilienhaus ersetzt. Die Stolpersteine wurden nicht wie üblich gegenüber dem Hauseingang verlegt, sondern der besseren Wahrnehmung wegen hinter dem Gebäude auf einem stark frequentierten Gehweg, der Innenstadt und Bahn- hof verbindet.

Betty Levi wurde 1892 in Eppingen geboren. Ihre Mutter ist Sophie Frank. Betty heiratete Samuel Levi aus Bebra, den Sohn von Levi und Gütchen Levi, damals in Ronshausen ansässig. Nach dem Tod ihres Ehemannes Samuel Levi im Juni 1938 gab Betty Levi das Geschäft in Ronshausen auf und beschränkte sich auf das in der Apothekenstraße 10 in Bebra geführte Versandgeschäft. Am 31. Mai 1942 wurde Betty nach Kassel und von dort am 1. Juni 1942 ins Vernichtungslager Sobibor im Bezirk Lublin/ Ostpolen verschleppt, wo ihr Leben am 3. Juni 1942 in einer Gaskammer endete.

Traudel Levi, verheiratete Süsskind, war die Tochter von Betty und Samuel Levi. Sie wurde am 14. September 1914 in Bebra geboren. Im Juni 1936 flüchtete sie nach Jerusalem, wo sie den Kinderarzt Dr. Karl Süsskind heiratete, der aus Heuchelheim stammte. Traudel Levi-Süsskind starb 1979. Ihre beiden Söhne Dan und Gidon, ihre Tochter, Yael und 17 Enkel und Urenkel leben heute in Israel. Die Familie war bereits mehrfach in Bebra und der Umgebung. Besonders Gidon Süsskind und seine Frau Nava unterstützen die Arbeit um das Erinnern in unserer Region als Ratgeber und durch persönliche Beiträge bei Veranstaltungen.

Sophie Frank wurde 1870 in Eppingen geboren. Sie kam Ende Oktober 1937 als Witwe aus Eppingen zu ihrer Tochter Betty in das Haus Apothekenstraße 10. In Bebra durchlitt Sophie in der Nacht vom 7. zum 8. November 1938 die schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, zwei Tage vor der von den Nazionalsozialisten als „Kristallnacht“ bezeichneten reichsweiten Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Sie war im Bett, als die Plünderer durch das Haus in der Apothekenstraße 10 tobten. Sie kamen in ihr Zimmer, schmissen den Kleiderschrank um und auf ihr Bett und jagten die alte Frau in Schrecken.
Am 10. November, nachdem man ihnen bedeutet hatte, Juden seien nicht länger am Ort erwünscht, entschloss sich Sophie Frank und ihre Tochter Betty Levi im nahen Eisenach einen weniger unsicheren Aufenthaltsort zu suchen. So kamen sie nach Eisenach in die Pension Stern in der Georgenstraße 36. Als sich in Eisenach die schon in Bebra erlebten schlimmen Ereignisse wiederholten, führte dies bei der 68-jährigen Sophie Frank zu einem Nervenzusammenbruch. In dessen Folge stürzte sie sich am frühen Nachmittag des 12. November 1938 aus einem Fenster im 2. Stock der Pension Stern. Sie wurde im Feld XXXII in der Grabreihe 101 der jüdischen Abteilung des Eisenacher Friedhofs bestattet.

Jenny Wallach stammte aus Nesselröden, sie heiratete Sally Süßkind aus Atzbach bei Gießen, das Ehepaar wohnte in Heuchelheim. Im Juli 1940 kamen die beiden nach Bebra. Sally und Jenny Süßkind wurden am 30. Mai 1942 nach Kassel und von dort am 1. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen deportiert.

Max Moses Levi wurde am 5. März in Ronshausen geboren. Er war der Bruder von Samuel Levi. Seine Frau Hedwig stammte aus Nesselröde. Die Familie Levi besaß in Ronshausen ein stattliches Anwesen, von wo aus die Brüder Levi Handel mit Stoffen, Wäsche, Konfektionsware und Nähmaschinen betrieben. 1920 verlegten die Brüder ihren Sitz nach Bebra in die Apothekenstraße 10 und betrieben von hier einen Versandhandel.
Nach Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 und der Etablierung der NS-Herrschaft mussten die Levis kontinuierliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Schließlich überließ Moses Max das Geschäft seinem Bruder Samuel und zog mit seiner Frau Hedwig nach Fulda in die Heinrichstraße 48. Die in Fulda lebenden jüdische Menschen, darunter auch Max und Hedwig Levi, wurden am 5. Dezember 1941 nach Kassel und zwei Tage später ins Ghetto Riga verschleppt. Dies zeigt, dass sie trotz der in der Stadt Fulda geringeren täglichen Demütigungen, früher als die noch in Bebra verbliebenen jüdischen Menschen, in die Vernichtung deportiert wurden.

Max und Hedwigs Sohn Ludwig, genannt Lutz, 1907 geboren, konnte im Sommer 1939 nach London ausreisen. Von dort gelangte er nach New York City, wo er als Modezeichner arbeitete. Lutz heiratete die aus Dresden stammende Vera Kahn. Die Nachkommen der beiden leben noch heute in den USA.

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vertreten durch Uli Rathmann
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36179 Bebra

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uli.rathmann@bebra.de
www.juedische-geschichte-bebra.de
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