Biography of Max Ferda
Max Ferda – Dresdner Str. 82
Max Ferda wurde am 11.02.1886 in Leipzig geboren. Er war der Sohn des jüdischen Buchhändlers Jaroslav Ferda und der Nichtjüdin Bertha Ferda (geb. Gaudlitz). Dieser Umstand sollte entscheidenden Einfluss auf sein Schicksal haben, obwohl sein Vater schon 1886 zum christlichen Glauben konvertierte und mit ihm seine zwei Söhne und seine Tochter. Max, der Älteste, wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, besuchte bis 1903 die Realschule und lernte Violine und Klavier spielen. Sein Vater betrieb neben der Buchhandlung einen Lesezirkel Reudnitz (Senefelderstr. 9).
Max‘ Vater starb im Jahr 1919. Seine Mutter wurde nun mit 68 Jahren alleinige Inhaberin der „Allgemeinen Buch- und Zeitschriften-Verleihanstalt, Jaroslav Ferda, Leipzig“, die nun als „Ferda’s Lesezirkel“ firmierte. Die drei Kinder Max (33 J.), Margarete (32 J.) und Karl (30 J.) stiegen in Folge zur Unterstützung der Mutter in das elterliche Geschäft ein. Max Ferda übernahm als Prokurist praktisch die Geschäftsleitung des Unternehmens.
Die Firma entwickelte in den 1920er Jahren ein umfangreiches Netz an Filialen in Chemnitz, Dessau, Dresden, Halle, Halberstadt, Magdeburg, Plauen und Zwickau. Darauf verweisend bezeichnete man sich als „Grösster Lesezirkel Deutschlands“. Für Mitglieder des Lesezirkels verkaufte man attraktive Familienversicherungen für Unfall und Sterbegeld, günstige Theater- und Zirkuskarten und sogar Plätze in einem Ferda eigenem Altersheim. Letzteres wurde 1934/35 in Leipzig-Stotteritz, in der Kolmstraße 26 erbaut. Das auch „Ferda Haus“ genannte Gebäude mit ca. 100 Zimmern beherbergte bis 1989 das staatliche „August Bebel Altersheim“. Heute existieren in dem unter Denkmalsschutz stehenden Gebäude Eigentumswohnungen.
Mit kleinen, zweirädrigen Kastenwagen, auf denen in großen Buchstaben „Ferdas Lesezirkel“ prangte, zogen die Austräger durch die Straßen. Im wöchentlichen Wechsel brachten sie Illustrierte zu den Kunden. Für größere Transporte kam 1928 ein LKW zum Einsatz.
Mit Wirkung vom 1.1. 1931 treten die drei Kinder der Firma “Ferda`s Lesezirkel Bertha verw. Ferda“ offiziell als Mitgesellschafter bei. 1933 überträgt die 83-jährige Mutter Bertha Ferda endgültig die alleinige Inhaberschaft an ihre drei Kinder.
Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten änderte sich die wirtschaftliche und persönliche Situation grundsätzlich. NS-Zeitschriften und –Zeitungen bestimmten nun das Angebot. Die beiden Ferda-Brüder wurden nun als „Halbjuden“ stigmatisiert. Aus dieser Absurdität machten sie kein Hehl, wie sich ein Zeitzeuge erinnerte: „Von den Nazis nahmen sie kaum Notiz, weil sie sich wie Deutsche fühlen, so dachten und handelten. Gleichberechtigte mit allen anderen Bürgern war für sie eine Selbstverständlichkeit. Da sie sehr spontan und emotional waren, hörte man von ihnen oft missbilligende Bemerkungen über die Taten Hitlers, besonders dann, wenn einmal wieder Juden angegriffen worden waren.“ (Erhard Kaps, Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik – Alltagserlebnisse aus Leipzig, Tauchaer Verlag, 1998, S.97- 99)
Massiv setzte 1937 die Enteignung der Firma durch die Reichspressekammer ein. Mit Richard Ganske aus Kiel und seinem „Lesezirkel Daheim“ übernahm ein direkter Konkurrent das Ferda-Unternehmen. Im Januar 1937 wurde Max Ferda erstmals zur Klärung seiner „jüdischen Herkunft“ verhaftet, nachdem er sich einer Passkontrolle mit den Worten „Was denkt ihr Nazischweine euch, ihr Totalidioten mit euren Sondermethoden“ (Erinnerungen eines Zeitzeugen) widersetzt haben soll.
Die Familie Ferda war auch Eigentümerin des Hauses in der Dresdner Str. 82. Hier ereignete sich die Denunziation, die zu Max Ferdas Verhaftung mit dem Tatvorwurf „staatsfeindliche Äußerung“ führte. Sein Bruder Karl schrieb 1967 in seinen Menoiren: Die Verurteilung erfolgte, „weil er zu einem Installateur, der ohne seine Bestellung und Genehmigung in seinem Grundstück Leipzig 05, Dresdnerstr. 82 Lichtleitungen in die Keller legte, gesagt hatte, daß er die Arbeiten nicht bezahle, er solle sich an den Besteller halten. Der Arbeiter sagte darauf, daß sie sich dann an die Partei wenden würden, da würde er schon bezahlen. Darauf äußerte mein Bruder: Die Partei könne ihm am …“
Die Mutter Bertha musste diese Entwicklung noch selbst miterleben, bevor sie 1939 im Alter von 88 Jahren in Leipzig verstarb.
Am 9.9.1941 wurde Max Ferda in seiner Wohnung verhaftet und am 5.2.1942 vom Landgericht Leipzig zu neun Monaten Gefängnis wegen Verstoßes gegen das „Heimtücke-Gesetz“ verurteilt. Nach der Strafverbüßung im Gefängnis Moltkestraße (heute: Alfred-Kästner-Str.) wurde er im Herbst 1942 in das KZ Auschwitz deportiert.
Max Ferda kam am 24.1.1943 im Alter von 56 Jahre im Häftlingskrankenlager Auschwitz I- Block 20 ums Leben. Als Todesursache wurde angegeben: „Kacherie (starke Abmagerung) bei Darmkatharrh“.
Seine beiden Geschwister überlebten die NS-Zeit.
Recherchen: Harold Gaudlitz
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