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Haus Herz

Biografie von Amalie Herz, Otto Herz, Alfred Examus und Erna Examus

Hier lebte das Ehepaar Amalie und Otto mit ihren Söhnen Siegfried und Erich sowie der Tochter Hilde, die 1934 nach Köln verzog. Die Söhne Siegfried und Erich wanderten 1937 bzw. 1938 in die USA aus. Die Eltern verblieben in Salzkotten und wurden von hier aus deportiert.

Otto Herz handelte mit Rinder, Ziegen und Fellen. Während die anderen Viehhändler Salzkottens von ihrem öffentlichen Geschäft aus den Handel betrieben, war Otto Herz der einzige jüdische Händler der 1906 einen Wandergewerbeschein beantragte, d.h. hausierend tätig war. Das wirtschaftliche Aus kam spätestens mit dem „Gesetz zur Änderung der Gewerbeordnung für das deutsche Reich“ vom 6.7.1938, welches Juden die Ausübung eines Gewerbes außerhalb des Ortes seiner Niederlassung verbot.

Schon 1933 war die Tochter Hilde in dem antisemitischen Hetzblatt „Der Filter“ als anmaßende Heuchlerin dargestellt worden. Die Geschichten in dieser Zeitung waren im allgemeinen erfunden. Ziel dieser Agitation war es, die moralische Minderwertigkeit dieser Person als Beispiel für den Juden im allgemeinen darzulegen. Es ging nicht um Aufklärung, sondern um Aufhetzung.

Die Familie Herz hatte wohl eine engere Beziehung zu Familie Julius Goldschmidt. So konnte deren Tochter Friedel 1937 nach der Schulentlassung für zwei Jahre bei ihnen als Hausmädchen arbeiten, da sie keine Lehrstelle fand.

Otto Herz gehörte zu jenen Salzkottener Männern,die während der Reichspogromnacht nach Wewelsburg gebracht, dort verhört und ansschließend in das KZ Buchenwald deportiert wurden. Da er über 60 Jahre alt war, wurde er Schon im November 1938 aus dem KZ entlassen.

Besonders tragisch ist, dass Otto und Amalie Herz nicht mehr die Flucht gelang, obwohl zwei gebuchte Schiffsplätze für sie bereit standen und die Reisepässe ihnen bereits Anfang August ausgehändigt worden waren.

Das Ehepaar Herz musste nach dem Verlust seines Hauses mehrmals umziehen, sich immer wieder auf neue Mitbewohner einstellen und ein Leben auf enger werdenden Raum. Sie zogen 1939 in das Haus Cohn, von dort in das Haus Goldschmidt, dann in das Haus Blumenfeld und zum Schluss in das Haus Kleeberg.

Sie wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Otto Herz wurde 1943 dort ermordet, Amalie Herz 1944 in Auschwitz.

Im Haus Herz lebte auch der Textilwarenvertreter Alfred Examus. Seine Schwester Ingrid sowie seine Mutter Erna waren erst im Mai 1938 von Horn/Lippe nach Salzkotten gezogen. Frau Erna Examus hatte ihre Enkelin Ingrid, ein uneheliches Kind ihrer Tochter Ingrid mitgebracht, für dessen Erziehung sie die Verantwortung übernommen hatte.

Alfred Examus wurde während des Novemberpogroms verhaftet, in die Wewelsburg gebracht und saß bis Ende Dezember im KZ Buchenwald ein. Während der Haft wurde seine Mutter schwer krebsleidend am 12.11.1938 in das Salzkottener Krankenhaus eingeliefert und verstarb im Dezember 1938, ohne dass der Sohn Abschied nehmen konnte. Die Enkeltochter verzog darauf hin nach Hausberge. Noch zweimal verbrachte Ingrid ihre Sommerferien in Salzkotten. Sie wurde 1944 im Alter von 12 Jahren durch die Gestapo ermordet.

Die finanzielle Situation war so schwierig, dass Erna Examus aufgrund der Verhaftung des Bruders im November 1938 einen Antrag auf Fürsorgeunterstützung bei der Stadt Salzkotten stellen musste. Erna und Alfred Examus zogen noch einmal in das Haus Cohn um, bevor sie im Dezember 1941 nach Riga deportiert wurden.

Alfred Examus wurde 1945 in Buchenwald ermordet, Erna Examus in Majdanek.

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Elisabeth Kloke-Kemper
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33154 Salzkotten