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Marcus Sternlieb

Biografie von Marcus Sternlieb

Marcus Sternlieb: Der Baumeister Ludwigshafens

Das Herzensanliegen des Architekten war der kommunale Wohnungsbau. Fast alle seine Bauten stehen heute unter Denkmalschutz und gehören zu den architektonisch Besten der Stadt. Den Menschen Marcus Sternlieb entdeckte man erst im Jahr 2000 wieder.

Der Architekt Marcus bzw. Markus Sternlieb wurde als erfolgreiche und angesehene Persönlichkeit von den Nazis quasi aus dem kollektiven Gedächtnis ausgelöscht: Er wurde nicht nur aus seinem Amt als Leiter der städtischen Wohnbaugesellschaft GAG gedrängt, die Nazis kürzten auch seine Rentenansprüche und versuchten, ihm die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Vor allem sorgten sie dafür, dass der wichtigste Stadtbauer Ludwigshafens nach dem Zweiten Weltkrieg völlig in Vergessenheit geriet. Noch bis in die 1980er Jahre hinein kannten und schätzten die Ludwigshafener zwar Bauwerke, wie die Friedrich Ebert Siedlung, das Stadthaus Nord oder die Rheinschule, wussten aber nicht, dass Sternlieb der Erbauer war.

Bei der 1927 erbauten Ebert-Anlage stand ein gesamtheitliches Konzept Pate. So gab es nicht nur einen Kindergarten und Spielhöfe mit Planschbecken, sondern auch eine Zentralwäscherei und ein Fernheizkraftwerk. Sogar an Malerateliers und eine Polizeistation wurde gedacht. Auch die Wohnungen waren für die damalige Zeit mit großem Komfort ausgestattet, nämlich mit Bädern, Zentralheizungen und Einbauküchen. Sternlieb griff Elemente des Bauhauses auf, ohne dabei die Vorzüge traditioneller Architektur zu verwerfen; seine Bauwerke fügten sich städtebaulich so gut ein, dass seine Bauwerke auch heute noch zu den architektonischen Glanzlichtern der Stadt zählen und beinahe ausnahmslos unter Denkmalschutz stehen.

Modern, demokratisch - und damit gefährlich
Marcus Sternlieb wurde am 20. Februar 1877 in der Hafenstadt Galatz in Rumänien als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er hatte drei Brüder.
Mit 20 Jahren kam er nach Deutschland, um Architektur zu studieren, zunächst an der Technischen Hochschule in München, später an der TH Darmstadt. Um 1903 unterbrach er sein Studium aus unbekannten Gründen (einige Jahre später holte er den Abschluss von Ludwigshafen aus nach) und begann beim Hochbauamt der Stadt Kaiserslautern zu arbeiten. Dort lernte er auch seine spätere Frau Selma kennen. 1905 wechselte er in eine Festanstellung zum Stadtbauamt Ludwigshafen, zunächst als Planrevisor, also als Baukontrolleur der Stadt. Innerhalb weniger Jahre stieg er zum Leiter des Hochbauamts auf.
1920 war Sternlieb Mitbegründer der städtischen Wohnbaugesellschaft GAG und übernahm 1925 deren Leitung. Seine Mitarbeiter lobten ihn als sozial und fair. 1932 ging er jedoch – vermutlich aus gesundheitlichen Gründen – vorzeitig in den Ruhestand. Sternlieb plante, mit seiner Familie vor den Nazis nach Palästina zu fliehen. Doch er starb, bevor er diesen Plan umsetzen konnte. 1934 brach der Architekt im Alter von 57 Jahren in Ludwigshafen auf offener Straße zusammen. Die genaue Todesursache ist unklar. Seiner Frau Selma und den gemeinsamen Töchtern Ruth und Eva gelang es, in die USA zu fliehen.

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