Biografie von Ilka Natzler und Flora Grünhut
Ilka Natzler
In der Straubinger Str. 12 wohnte Ilka Natzler. Die Eltern Alois Natzler, geb. 1853, und Karolina Natzler, geb. 1857, sind aus Vradist in Ungarn - heute in der Slowakei - 1903 nach Regensburg gekommen. Sie haben „durch die Einbürgerungsurkunde der Regierung der Oberpfalz in Regensburg die Staatsangehörigkeit im Königreich Bayern und die Bundeszugehörigkeit im deutschen Reich erworben“. Alois Natzler ist im Vor
stand der 1903 gegründeten Zionistischen Vereinigung Regensburg.
Das Ehepaar Natzler hat drei Kinder, Ilka war ihr zweites Kind und wurde am 6.8.1889 geboren. Von ihr konnten wir leider wenig in Erfahrung bringen. Sie ist 1917 als ärztliche Helferin in München verzeichnet und später in Regensburg als Bankbeamtin aufgeführt. Ich vermute, sie hat nach dem Tod der Mutter 1923 vermutlich dem Vater in Regensburg den Haushalt geführt.
Erstgeborener war der Sohn Adolf, geboren 1882, der in Leipzig Medizin studiert, einer schlagenden Verbindung angehört und 1908 promoviert. Er ist Soldat im Ersten Weltkrieg. Er arbeitet als renommierter Orthopäde an der Orthopädisch-Chirurgischen Klinik an der Universität Heidelberg und publiziert wissenschaftliche Arbeiten. Bei einer sogen. Säuberungswelle an den deutschen Universitäten verliert er 1933, wie seine jüdischen Kollegen, seine Stelle und wandert mit seiner Frau Hedwig und seiner Tochter Marlies, geb. 1916 in Heidelberg, in die USA aus. Schon 1934 wird er amerikanischer Staatsbürger. Er stirbt 1939 in Los Angeles, seine Frau lebt bis 1976, die Tochter Marlies lebt in den USA bis 2012.
Die zweite Tochter Babette, geb. 1892, heiratet wenige Monate vor dem Tod der
Mutter einen protestantischen Mann in Mülheim an der Ruhr. Sie verschweigt ihren
Kindern ihre jüdische Herkunft und überlebt den Holocaust.
Ilka Natzler wird im April 1942 von Regensburg nach Piaski im Südosten Polens deportiert, wo nach der Besetzung Polens im jüdischen Viertel des Stettl ein Ghetto
für mehrere tausend Juden und dem Judentum zugerechnete Menschen aus dem
Deutschen Reich eingerichtet wird. Ilka Natzler findet dort im Alter von 53 ihren Tod.
Flora Grünhut
Flora Grünhut stammte aus Wien, wo ihr Vater Heinrich Grünhut, geb. 1827, als Fabrikant erfolgreich tätig gewesen war. Regensburg aber wurde der Alterssitz, beide Eltern, Vater Heinrich und Mutter Franziska, genannt Fanny, zehn Jahre jünger als ihr Mann, wurden als „Privatiere“ geführt, d.h. sie lebten von den Rücklagen, die Heinrich Grünhut in Wien erarbeitet hatte. Zwei ihrer drei Kinder begleiteten sie nach
Regensburg: Flora, damals 33 Jahre alt, und der jüngeren Bruder Rudolf, 29 Jahre alt. Ein drittes Kind, Emil, 30 Jahre alt, blieb in Wien zurück, wo er ber
eits in Stellung war.
Flora Grünhut, am 14.2.1867 in Wien geboren, war bis in das Jahr 1938 hinein österreichische Staatsbürgerin. Auch sie wird regelmäßig als „Privatiere“ oder als „Privat“ geführt; das änderte sich auch nicht, als der Vater im Januar 1899 (18.1.) gestorben war. Lebte man in Regensburg zunächst im Weißgerbergraben, folgten zahlreiche Wohnungswechsel, bis schließlich die Dreihelmgasse 2 für längere Zeit Aufenthalt bot, ebenso für den Bruder Rudolf und seine wachsende Familie mit den vier Kindern Heinrich, Hugo, Albert und Irma. Hier blieb Flora Grünhut auch nach dem Tod ihrer Mutter wohnen. Inwieweit der Bruder Rudolf zum Unterhalt der Mutter und dann der Schwester beitrug, lässt sich nicht erfahren.
Nachdem ihr Bruder Rudolf 1930, ihre Schwägerin Ida 1937 verstorben, deren vier Kinder ausgewandert waren, zog Flora Grünhut im August 1938 (1.8.) hierher in die Straubinger Straße 12, damals von-Stauß-Straße 16. Wo zu diesem Zeitpunkt auch der pensionierte Prokurist Alois Natzler und seine Tochter Ilka, eine Bankbeamtin, lebten. Wahrscheinlich verband sie eine Freundschaft, denn andere jüdische Bewohner
gab es in diesem Haus nicht. Flora Grünhut war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt und lebte weiterhin von ihren Ersparnissen.
Doch schon gut ein Jahr später, im November 1939, wurde Flora Grünhut gezwungen, in das Altenheim in der Weißenburgstraße 31 zu ziehen, von wo aus man sie am 23.9.1942 nach Theresienstadt deportierte. Wenig später, im Januar 1943, verlor sie dort ihr Leben, knapp 86 Jahre alt (12.1.).
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Quellen & Impressum
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